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Kategorie: 2008 Praktikum - Washington

Bethesda – new home sweet home

Nach zweimonatigem Aufenthalt in Heidelberg war es im August endlich soweit und ich bezog nach einem langen Flug mein Zimmer in Bethesda, welches sich leicht von Deutschland aus über das Internet organisieren lies. Meine Vermieterin und Mitbewohnerin war die Countrysängerin Carmen, deren Vater aus Nürnberg stammte und aufgrund dieser Wurzeln war sie sehr interessiert an der deutschen Kultur. Bethesda, ein Vorort nur eine Metro-Station von Washington entfernt, gehört zu den reicheren, sauberen und sehr sicheren Gegenden im Staat Maryland.

Auslandspraktikum in Washington – MLP Programm für Auslandspraktika

Am Tag nach meiner Ankunft in Washington wollte ich endlich meinen neuen Arbeitsplatz erkunden und meine künftigen Kollegen kennen lernen. Der NIH-Campus ließ sich gut mit dem Bus erreichen und so stand ich vor einem beeindruckend hohen Metallzaun, der mit einigen Checkpoints durchsetzt war. An diesen wurden einfahrende Fahrzeuge und Besucher kontrolliert und man hatte den Eindruck als führe der Weg in den Campus hinein in ein Hochsicherheitsgefängnis. So wies auch mich die „NIH-Police“ dazu an meine Tasche im Röntgengerät durchleuchten zu lassen und nachdem der Metalldetektor mit einem leisen Surren meine Gürtelschnalle kritisierte, bekam ich einen Besucherausweis und ich machte mich auf die Suche nach dem richtigen Laborgebäude. Der Campus beherbergt eine Unzahl an Laboratorien, Tagungssälen, Verwaltungsgebäuden und Versuchstierställen, in das Hauptgebäude 10 ist außerdem Krankenhaus integriert.

Auslandspraktikum USA – MLP Stipendienprogramm

Auslandspraktikum USA – MLP Stipendienprogramm

Endlich im richtigen Labor angekommen, lernte ich meinen künftigen Betreuer Markus kennen. Markus ist promovierter Biochemiker, hatte in Deutschland, England und Schweden studiert und absolvierte gerade seinen Postdoc in der Arbeitsgruppe von Dr. Jennifer Lippincott-Schwartz (http://lippincottschwartzlab.nichd.nih.gov/). Jennifer ist auch in Deutschland für ihre zellbiologische Forschung sehr bekannt und ist Mitautorin eines bei deutschen Studenten geschätzten Lehrbuches über Zellbiologie. Die Arbeitsgruppe von Jennifer setzte sich aus 20 Forschern zusammen, welche aus den USA, Kanada, Indien, Japan, Israel, Frankreich und Deutschland stammten.

Praktikum in Washington – MLP Programm für Auslandspraktikumsplätze

Praktikum in Washington – MLP Programm für Auslandspraktikumsplätze

Die Wissenschaftler am NIH, welches rund 18.000 Mitarbeiter beschäftigt und über ein jährliches Budget von ca. 29 Mrd. US-$ verfügt, arbeiten in den unterschiedlichsten biomedizinischen Fachrichtungen. Viele der Forscher sind keine US-Bürger sondern stammen aus allen Teilen der Welt. Im Übrigen arbeiten die Forscher nicht nur in Laboratorien z. B. an Zellen oder an Versuchstieren, das NIH beherbergt auch ein Krankenhaus in dem Ärzte seltene Krankheiten direkt am Patienten erforschen können. Da ich kein Arzt bin und daher auch keinen Kontakt mit den Patienten hatte, war es aber trotz dessen eine große Motivation für mich, dass ich durch mein Engagement einen kleinen Beitrag für das National Institutes of Health und dessen Dienst am Menschen leisten konnte.

Stipendium für ein Praktikum in den USA – MLP AG

Stipendium für ein Praktikum in den USA – MLP AG

Markus und ich arbeiten an den Zellorganellen welche den so genannten sekretorischen Weg formen, dazu gehört z. B. das endoplasmatische Retikulum und der Golgi-Apparat, den man aus dem Biologie-Unterricht noch kennen dürfte. Dieser Biosyntheseweg, den bestimmte Biomoleküle in ihrer Entstehung einschlagen, ist bei manchen Krankheiten gestört und trotz jahrzehntelanger Forschung im Gebiet der Zellbiologie bedarf es noch einiger Anstrengung die grundlegenden Mechanismen in der gesunden und erkrankten Zelle zu beschreiben und zu verstehen. Meine Arbeit erstreckte sich auf das molekularbiologische Arbeiten mit Zellen und Bakterien, dem Entwickeln von Experimenten unter der Verwendung von fluoreszenzmarkierten Biomolekülen und der biophysikalischen Auswertung dieser Versuche. Der Spaß und die steile Lernkurve während der Arbeit sorgten dafür, dass ich oft erst mit dem letzten Bus vom Labor nach Hause fuhr. Besonders Jennifer verstand es durch ihren gezielten Einsatzes von „that would be great / amazing / awesome“ ihre Mitarbeiter zu motivieren, so dass meist noch bis spät in die Nacht reger Betrieb herrschte. Wie das DKFZ bot auch das NIH seinen Mitarbeitern ein vielfältiges Angebot an Vorträgen und Seminaren mit erstklassigen Rednern, wie z. B. dem Nobelpreisträger Prof. Dr. Roger D. Kornberg (Nobelpreis für Chemie im Jahre 2006).

MLP Programm für Auslandspraktika

MLP Programm für Auslandspraktika

Mein tägliches Leben in den USA hatte mich vor einige Herausforderungen gestellt: das chlorierte Leitungswasser war ungenießbar und der nächste Supermarkt ohne Bus oder Auto aufgrund der großen Entfernungen nicht zu erreichen, aber günstiges Essengehen und Shoppen vertrösteten um diese Unannehmlichkeiten. Gut, das alles hatte ich schon erwartet und ich wäre wohl enttäuscht gewesen, hätte ich das deutsche Lebensmittelangebot in den Supermärkten vorgefunden. Aber mit etwas Recherche findet man in den World-Markets die deutsche Lieblingsschokolade oder Mineralwasser mit Kohlensäure – alles wie zu Hause! Doch die Menschen, welche ich während meinem Aufenthalt kennen gelernt habe, entsprachen nicht meiner angelegten Schablone, die sich durch Eindrücke aus den Medien oder von Freunden vor meiner Abreise in meinem Kopf geformt hatte. Zumindest im demokratischen Speckgürtel um Washington haben die Amerikaner eine sehr hohe Allgemeinbildung (und finden auch ihr eigenes Land auf dem Globus) und sind auch an tiefgehenden Konversationen und Kontakten interessiert (und damit nicht oberflächlich). Auch die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft habe ich so noch in keinem anderen Land erlebt. Viele Amerikaner waren auch bereits in Europa und haben ein sehr differenziertes Bild von den einzelnen europäischen Ländern und besonders von Deutschland, da viele Amerikaner deutsche Vorfahren haben oder ihre Angehörige in Deutschland stationiert waren oder sind. Aber verständlicherweise ist es schon ein Tiefschlag für einen Mainzer, wenn Wiesbaden (natürlich nur aufgrund seiner Militärbasis) bekannter ist als die eigene Heimatstadt!

Washington war besonders während den Wahlen im Spätherbst 2008 das Zentrum des weltweiten Interesses. Im Vergleich zu anderen Städten ist Washington eine raus geputzte und saubere Stadt, die vielen weißen Gebäude, welche mit antiken Elementen verziert sind, strahlen Reichtum und den typischen amerikanischen Patriotismus aus. Auch das Nachtleben in D.C. bietet viel, gute Locations findet man in den Vierteln Georgetown und Adams Morgan. Ich hätte es nicht gedacht, dass mein deutscher Akzent mir helfen würde schnell neue Bekanntschaften zu knüpfen, denn gerade die jungen Amerikaner sind sehr interessiert an „der alten Welt“.

Wird einem D.C. zu klein dann setzt man sich in den nächsten Bus nach New York, die Busunternehmen unterbieten sich dabei regelrecht in den Preisen, und nach einer gut vierstündigen Fahrt ist man in der vielleicht aufregendsten Stadt der Welt (in der ein anderer Join-the-best-Praktikant gerne Bett und Müsli bereitstellt).

Um rückblickend auf meine Zeit in Washington und Heidelberg auszudrücken, was ich durch das Praktikum mitgenommen habe, reichen mir 3 Worte: Join the best! Mir als lernwilligen Absolventen, der sich mit seiner Energie in die Forschung einbringen möchte, hat das Praktikum gezeigt, was eine exzellente Forschungsstätte einem jungen Wissenschaftler (ob er nun einen Doktortitel hat oder als Praktikant arbeitet) bieten kann und wie motivierend diese Anerkennung ist. Daher will ich in Zukunft bei den Besten forschen – und sehr gerne wieder in den USA!

Besonders das Arbeiten mit Menschen verschiedener Nationalitäten hat mich sensibel für die Geschehnisse aus aller Welt gemacht. Auf einmal waren nicht nur die Nachrichten aus Europa und Nordamerika für mich relevant, denn jede Katastrophe oder politische Unruhe in einem Land macht ihre Staatsbürger betroffen, auch wenn diese tausende Kilometer weit entfernt leben. Mit meinem so erweiterten kulturellen und politischen Horizont sehe ich mich gut vorbereitet meine Karriere international auszurichten.

Aber auch das Arbeiten in einem exzellenten Institut mit den ausreichendem Mittel sorgte nicht dafür, dass unsere Forschung ein glatter Start-Ziel-Sieg wurde, vielmehr galt es mit der richtigen Strategie die auftretenden Probleme zu lösen und sich aus Sackgassen hinaus zu manövrieren – und so bin ich dann doch stolz auf ein Puzzleteil an Erkenntnis. Dieses war möglich aufgrund der vielen produktiven Gespräche mit den fachlich kompetenten Mitgliedern der Washingtoner und Heidelberger Arbeitsgruppen.

…Jennifer Lippincott-Schwartz, PhD (NIH / NICHD / CBMB) & Dr. Matthias Weiss (DKFZ): für die freundliche Aufnahme in die Arbeitsgruppen, die Überlassung von spannenden Projekten und für wertvolle Diskussionen.

…Die Mitarbeiter des MLP Join-the-best-Teams für das Praktikum, die schnelle Bearbeitung von „Papierkram“, die Vermittlung des Heidelberger Zimmers und für die restlichen Annehmlichkeiten des Join-the-best-Netzwerkes.

…Dr. Markus Elsner und der Arbeitsgruppe des JLS-Labs (insbesondere Jennifer Chua, PhD) für die erstklassige Betreuung, Entertainment & Sweets.

…Clauda Kalla und der Gruppe der Arbeitsgruppe Dr. M. Weiss für die ausgezeichnete Betreuung, lustige Stunden am Neckar und die Einführung ins Kurpfälzisch.

…Frau G. Schüssler und Ms. C. Koch für die Bereitstellung der Zimmer in Heidelberg und Bethesda und die Fürsorge in allen Lebenslagen.

Carsten Kramer hat ein Stipendeium für ein Auslandspraktikum bei der Helmholtz-Gemeinschaft in Washingtonr über das internationale Praktikumsprogramm Join the best von MLP bekommen. Im Jahr 2005 wurde dieses Programm von MLP ins Leben gerufen, um Studenten bei der Vorbereitung auf das Berufsleben zu unterstützen.

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