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Kategorie: 2008 Praktikum - Shanghai

Nach ausgedehnten Abschiedsfeiern, die mir kaum Zeit zum Packen ließen, flog ich nun um 14:00 MEZ Richtung Shanghai ab. Glücklicherweise hatte ich einen Direktflug; im Flugzeug zu schlafen gelang mir leider trotz immensen Schlafmangels nicht. So kam ich relativ müde um 7:00 Uhr Beijing-Zeit in Shanghai an. Da dies mein erster Asien-Aufenthalt ist, wusste ich nicht recht, was mich erwartet.

Die Eckdaten klingen recht eindrucksvoll: 18,4 Millionen Einwohner im Verwaltungsgebiet und innerhalb von 25 Jahren ca. Zehntausend neu gebaute Hochhäuser lassen erahnen, dass diese Stadt sicher ein klein wenig größer ist als meine Universitätsstadt Darmstadt. Ein Fahrer unserer Firma holte mich am Flughafen ab. Wohin es nun gehen sollte, war mir unklar, da der Fahrer leider abgesehen von „ByeBye“ und „Hello“ kein Englisch sprach. Sein Englisch war somit aber immer noch besser als mein Chinesisch. So fuhren wir zwei nun gemeinsam durch Shanghai und kommunizierten per Nicken, Kopfschütteln und Handzeichen. Zu diesem Zeitpunkt nahm ich mir vor, mir so schnell wie möglich zumindest grundlegende Chinesisch-Kenntnisse anzueignen.

Praktikumsbericht Shanghai - Join the best Stipendienprogramm eine Initiative von MLP

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Meine Müdigkeit verflog recht schnell, da sich die Umgebung, die ich hier zu sehen bekam, deutlich von sämtlichen westeuropäischen Städten unterschied, die ich bisher kennen gelernt habe. Die abenteuerlichen Fahrzeuge, die hier auf Shanghais Straßen unterwegs sind, brachten mich bisweilen zum Schmunzeln. Vor allem Lastkraftwagen sind hier interessant anzuschauen. Abgesehen von ihrer absolut miesen Verkehrssicherheit durch Rost, schlechte Bremsen oder mit Beton ausgegossenen Reifen, erstaunt die Ladung dieser Gefährte an sich, und vor allem ihre Sicherung, mich auch nach 3 Monaten noch.

Nachdem der Fahrer in einen Compound einbog, war nun auch mir klar, dass wir zunächst zu meiner Behausung für die nächsten 5 Monate fuhren. Dort wurde ich von einer chinesischen Mitarbeiterin von HGES freundlich auf Deutsch begrüßt und sie brachte mich zunächst in die neue Wohnung. Die Wohnung wurde von Heidelberger Druckmaschinen für mich gemietet, sodass ich mich im Vorfeld nicht auf Wohnungssuche in Shanghai begeben musste.

Nachdem ich mein Gepäck hier abgeladen hatte, fuhren wir gemeinsam in die Firma, welche ungefähr 40 Minuten Fahrt von der Wohnung entfernt ist. Dort angekommen wurde ich zunächst von Klaus Volkwein, Meister der PM52 Montage in Qingpu, freundlich begrüßt und er unternahm eine kleine Werksbesichtigung mit mir. Nachdem ich ihn mit Fragen torpediert hatte und meinen Arbeitsplatz im Büro bekommen hatte, stellte er mich den Mitarbeitern und meinem Vorgesetzten für die nächste Zeit vor. Das Betriebsklima hier fand ich gleich von Beginn an sehr positiv. Nach nun knapp 40 Stunden ohne Schlaf fuhren wir dann mit dem Shuttle zurück zu unserem Compound. Nach einer schnellen Dusche gingen wir anschließend alle gemeinsam Essen und mir wurde schnell klar, dass während meines 5-monatigen Aufenthalts sicher keine Langeweile aufkommen würde. Ich bekam zunächst bei sehr gutem Essen und Tsingtao Bier eine Einführung in Taxi-Kommunikation, sowie Preisverhandlungen auf Märkten.

Die Woche verging wie im Flug. Die Freizeit verbrachte ich hauptsächlich mit Kollegen beim Essen oder Einkaufen. Die Auswahl an ungewöhnlichem Essen, selbst im französischen Carrefour, ist durchaus eindrucksvoll. Von Schildkröten über Seeschlangen bis hin zu Entenköpfen gibt es auch hier alles, was das chinesische Herz begehrt. Nachdem ich samstags mit Denis Kuhn, ebenfalls ein MLP-Stipendiat in Shanghai, telefoniert hatte, trafen wir uns bei ihm Zuhause um anschließend auszugehen. Das Nachtleben in Shanghai sucht seinesgleichen. Sämtliche musikalischen Vorlieben werden bedient und man lernt sehr häufig neue Leute aus der ganzen Welt kennen.

Praktikum Shanghai - MLP Programm Join the best

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Beim Tennisspielen sonntags lernte ich dann direkt die Kehrseite des Shanghai-Wetters kennen. Der körperliche Anspruch bei 35 Grad Temperatur und über 80% Luftfeuchte ist relativ hoch. Während meines ersten Monats in Shanghai ( Juni ) war hier Regenzeit und einige Schauer waren mit keinem Regen, den ich in Deutschland erlebt hatte, zu vergleichen. Das zeigte sich auch auf den Straßen, die zum Teil bis zu 40 cm unter Wasser standen. Nachteilig an der Regenzeit ist auch, dass man während dieser Zeit die Sonne fast überhaupt nicht zu Gesicht bekommt, denn über der Stadt liegt eine Glocke aus Smog, die sich partout nicht wegbewegt. Nach der Pflaumenregenzeit änderte sich das glücklicherweise wieder.

Auslandsstipendium Shanghai – MLP Programm Join the best

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Ich lernte die Stadt Shanghai nun von allen Seiten kennen: Das beginnt am Bund, wo man die eindrucksvolle Skyline Shanghais bestaunen kann und endet im Armenviertel nahe des Yu Yuan Gardens, wo man einen Eindruck davon bekommt, wie ein Großteil der Chinesen lebt und man wieder realisiert, dass man sich in einem Schwellenland befindet. Die sozialen Unterschiede könnten kaum extremer sein. Bei nächtlichen Streifzügen sieht man in meinem Viertel zum Teil Frauen mit Kindern auf dem Gehweg schlafen, während teure deutsche Autos vorbeifahren. Während man die haarsträubenden Konstruktionen der Behausungen im Armenviertel direkt vor sich hat und sich fragt, ob diese Häuser den nächsten Taifun überstehen, reiht sich im Hintergrund Hochhaus an Hochhaus.

Fischmarkt – traust du dich?

Ein absolutes Highlight in Shanghai ist für mich der Fischmarkt. Die Heidelberger Kollegen besuchen diesen immer dann, wenn neue Kollegen vor Ort sind, die ihn noch nicht kennen. Der Markt ist riesig und an Seafood kann man wirklich fast alles kaufen, was man sich vorstellen kann. Eine chinesische Kollegin begleitet uns, um das Essen einzukaufen, das wir gerne zubereitet haben möchten. Anschließend bekommt man die Fische, Tintenfische, Muscheln etc. alle lebend in eine Tüte gepackt und nimmt diese mit ins Restaurant, wo man sie sich zubereiten lässt. Selten habe ich so gut gegessen wie hier. Von ganz einfachen Sachen wie Fisch, Tintenfisch und Austern, über Qualle und Frosch, bis hin zu Schlange kann man hier wirklich alles essen. Anfänglich kostet es Überwindung allerlei Ungewohntes zu essen, aber man gewöhnt sich recht schnell daran, auch unkonventionelle Kost zu sich zu nehmen, zumal man es hier schnell als normal empfindet, da die Umgebung dementsprechend ist.

Praktikum in Shanghai / China - MLP Stipendienprogramm

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Eine Bekannte bekam von einem Arbeitskollegen den Tipp nach Nanji Island zu fahren, eine Inselgruppe ungefähr 70 Seemeilen von Wenzhou entfernt, 450 km südlich von Shanghai. Zu acht machten wir uns mit dem Nachtzug auf den Weg nach Wenzhou. Die Nachtzüge sind sehr komfortabel, zumindest in der Softsleeper-Klasse. Dort um 6:30 h angekommen, ging es per Taxi nach Rui An, von wo unser Boot abfahren sollte. Leider verpassten wir das Boot, für welches wir Tickets reserviert hatten und es hat uns einige Nerven und Telefonate mit chinesischen Arbeitskollegen gekostet, noch Tickets für ein späteres Boot zu bekommen.

Praktikumsbericht Shanghai - Stipendienprogramm der MLP Finanzdienstleistungen AG für Auslandspraktika

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Schlussendlich sind wir dann doch noch in Rui An angekommen. Ich war leider in der denkbar ungünstigen Position, einen Sitzplatz neben einem kleinen chinesischen Jungen zu haben. An sich ist das nicht schlecht, allerdings hat dieser direkt nach Abfahrt des Bootes begonnen kandierte Hühnerfüße und Beef Jerky zu sich zu nehmen. Der Tatsache, dass dies zu Beginn einer zweistündigen Bootsfahrt keine gute Idee ist, war ich mir durchaus bewusst – er leider nicht. Eine Stunde hat er es immerhin ausgehalten, bevor er anfing sich zu übergeben. Den Rest der Bootsfahrt verbrachte ich nunmehr im Stehen, da es neben ihm nicht mehr auszuhalten war.

Angekommen auf Nanji Island ging es dann per Taxi zu einem Strand mit Zeltplatz. Dort bauten wir dann unsere Zelte auf und legten uns anschließend an den Strand.

Die kommenden zwei Tage nutzte ich, um die Insel ausgiebig zu erkunden. Die Inselgruppe ist Unesco-Weltnaturerbe und steht somit unter Naturschutz. Dem Müll nach zu urteilen, den man in den bewohnten Teilen der Insel auf und neben der Straße sieht, ist das allerdings unter den Einheimischen nicht bekannt. Es gab viele leerstehende Häuser zu sehen und es kam teilweise vor, dass mir innerhalb von 2 Stunden kein Mensch begegnet ist. Auch eine schöne Abwechslung zu Shanghai.

Zu Beginn der Olympischen Spiele musste unsere Firma wegen Energiesparmaßnahmen der Regierung fünf Tage schließen. Da mich ein Freund besuchen kam, hatten wir die Idee, einen größeren Trip in Angriff zu nehmen. Unser Ziel war Dali in der Yunnan Provinz. Yunnan liegt im Südwesten Chinas, es ist eine bergige Region und die Menschen, die hier leben sind zum Teil ganz unterschiedlicher ethnischer Herkunft. Zunächst flogen wir nach Kunming. Dort wurden wir in eine Art Schockzustand versetzt, da das Viertel rund um den Bahnhof, von wo aus wir weiterreisen wollten, unglaublich dreckig und voller Menschen war. Zu allem Übel waren keine Zugtickets verfügbar, weshalb wir mit dem Bus weiterfahren mussten. Unglaublich viele Nerven ärmer kamen wir dann allerdings sechs Stunden später in Dali an. In Kunming erhielten wir von drei Backpackern einen Tipp für eine Unterkunft namens Dragonfly.

Auslandspraktikum in China – Stipendienprogramm von MLP

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Der Tipp war Gold wert. Westliche Toiletten, sehr sauber Zimmer, günstiges Essen und nicht zuletzt kaltes günstiges Tsingtao entschädigten uns hier für die Strapazen der Anreise. Wir trafen auf nette Leute und verbrachten den ersten Abend hier gemeinsam mit den anderen Gästen und Angestellten. Die nächsten Tage verbrachten wir mit Wandern in den Bergen. Aufgrund der zahlreichen Kiefern und hohen Berge tauften wir die Region um Dali fortan um in „Chinesische Schweiz“. Ein Highlight war ein alter Mann, den wir unten am Fuß des Berges trafen, der uns mit einem chinesischen Korb auf dem Rücken einen Bergpfad hinaufführte. Oben angekommen lud er uns noch zu sich zum Essen und Tee ein. Die Berge mit ihren steilen Felswänden, Bergquellen und Wasserfällen sind eine Reise wert. Auf teilweise sehr haarsträubenden, hohen Pfaden etwas abseits der Touristenstrecken gab es viel zu entdecken. Kleine Kletterpartien brachten uns bis fast auf den Gipfel des Berges. Abends waren wir in Dalis Discos unterwegs oder ruhten uns in den bequemen Hängematten unserer Herberge aus. Freitags sind wir dann müder als nach der Ankunft wieder Richtung Shanghai aufgebrochen. Nicht erholsam, aber dafür ein unvergessliches Erlebnis.

Dank meiner sehr freundlichen Kollegen fiel mir der Einstieg in die Firma sehr leicht, momentan arbeiten um die 200 Mitarbeiter in dem Werk in Qingpu. Davon sind meist um die 15 Mitarbeiter aus Deutschland.

Meine Aufgabe hier war es nun ein Kennzahlensystem für die Montage zu erarbeiten. Das gab mir die Möglichkeit in sämtliche der Montage nahen Bereiche Einblick zu erhalten. In der Anfangszeit traf ich mich viel mit Mitarbeitern chinesischer sowie auch deutscher Herkunft um mir einen Überblick zu verschaffen. Aufgrund der sprachlichen Barrieren war es teilweise doch recht umständlich sicherzustellen dass das Besprochene auch wirklich von beiden Parteien verstanden wurde. Bisweilen geriet ich in Situationen die mich zum Schmunzeln brachten, andere wiederum brachten eine recht abrupte Erhöhung meines Blutdrucks mit sich. Fragen welche absolut nicht mit einem einfachen „ja“ oder „nein“ beantwortet werden können werden in China, wenn die Frage nicht korrekt verstanden wurde, bisweilen einfach mit „ja“ beantwortet.
Beispiel: „Wie hoch sind die Transportkosten von xyz?“ — „ja“.

Insgesamt verbrachte ich viereinhalb Monate in der Firma. Leider hatte ich nicht immer ausreichend Arbeit was mich bisweilen etwas verstimmte. Wenn ich meine Vorgesetzten darauf ansprach bemühten diese sich allerdings stets mir neue Aufgaben zukommen zu lassen.

Dadurch bot sich mir auch die Möglichkeit Einblick in den Bereich des Einkaufs und der Qualitätssicherung von in China produzierten Teilen zu erhalten. Da bei den Einzelteilen der Druckmaschinen höchste Genauigkeit nötig ist, ist die Zuliefererqualifizierung und Qualitätssicherung ein heikles Thema und bisweilen nicht ganz einfach zu handhaben.

Meine Wochenenden nutze ich, um weitere Kurztrips in der Umgebung Shanghais zu unternehmen. Jede Reise hier ist ein kleines Abenteuer. Vor allem die doch sehr große Sprachbarriere bringt den Chinareisenden bisweilen in abenteuerliche Situationen. Nach Beendigung meines Praktikums werde ich nun noch weitere 3 Wochen in China reisen. Mit wenig Gepäck und ohne definiertes Ziel wird das sicher wieder viele interessante Erfahrungen mit sich bringen.

Bedanken möchte ich mich beim MLP-Team und den Mitarbeitern von Heidelberger Druckmaschinen, die für die einwandfreie Organisation im Vorfeld gesorgt haben sowie bei meinen deutschen Kollegen in Shanghai für die vielen gemeinsamen Erlebnisse auf der Arbeit und in der Freizeit.

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