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Kategorie: 2008 Praktikum - Mexiko

Zwischen ITIL und Tequila – Stipendienprogramm von MLP

Am 26. März war es endlich soweit! Nach drei Wochen Vorbereitungszeit für Visum usw. ging es im Rahmen meines halbjährigen Praktikums bei T-Systems Mexiko in Puebla mit dem Flugzeug in die 9.500 km entfernte mexikanische Hauptstadt. Ein wenig mulmig war mir schon zu Mute, was mich auf der anderen Seite des atlantischen Ozeans erwarten würde, aber gleichzeitig war ich äußerst gespannt auf die Leute, die ich dort treffen würde und die Erfahrungen, die ich machen würde.

In Mexiko Stadt angekommen erwartete mich ein Fahrer von T-Systems, um mich ins etwa 130 km südöstlich gelegene Puebla zu befördern. Auf dem Weg durch die Megametropole war ich sehr dankbar, dass ich nicht selber fahren musste, denn den Verkehrsleitlinien zu folgen, schien nicht unbedingt eine Stärke der Mexikaner zu sein. Das äußerte sich darin, dass jeder kreuz und quer auf die Spur wechselte, die ihm gerade in den Sinn kam. Nichts desto trotz erreichten wir wohlbehalten mein Appartement, welches ich mir mit einem mexikanischen Arbeitskollegen namens Arturo teilen sollte.

Die nächsten Tage nutzte ich dann, um mich mit meinem neuen Umfeld vertraut zu machen. So besichtigte ich das Stadtzentrum Pueblas mit seiner imposanten Kathedrale (die zweitgrößte des Landes) und den hübschen Zócalo (der zentrale Platz im Herzen jeder mexikanischen Stadt). Außerdem besuchte ich meine erste Party in Mexiko, welche von einer deutschen Freundin von mir gegeben wurde, die gerade bei VW in Puebla ein Praktikum absolvierte. Bei der Gelegenheit knüpfte ich bereits meine ersten Kontakte zu einigen Mexikanern und konnte feststellen, dass diese ein sehr freundliches und aufgeschlossenes Volk sind.

Am ersten April startete dann mein Praktikum bei T-Systems Mexiko. Mein erstes Projekt bestand darin, angelehnt an das ITIL® Service Management Framework ein Übergangsmodell zu entwickeln, um den laufenden IT Betrieb bei Kunden zu übernehmen. Hier ging es primär darum, welche Fragen geklärt sein müssen und welche Informationen bereit stehen müssen, wenn ein Service, wie z.B. Server Monitoring, von einem anderen IT Provider für einen Kunden übernommen werden soll. Diese Arbeit erstreckte sich über etwa einen Monat und wurde von einem dreitägigen Workshop unterbrochen, der sich mit der Implementierung der ITIL Prozesse befasste und mir interessante neue Einsichten für meine Arbeit vermittelte.

Mein Hauptprojekt welches ich zusammen mit einer Kollegin durchführte, basierte dann auf meinem vorangegangenen Projekt. Dieses hatte wieder die Entwicklung eines Übergangmodells zum Inhalt, aber diesmal mit dem Fokus auf die Aktivitäten in der so genannten Transitionsphase. Da dieses einiges umfangreicher sowie komplexer war und sowohl die IT Services als auch die ITIL® Support Prozesse, die den Betrieb der Services gewährleisten sollen, umfasste, nahm die Arbeit daran den kompletten Sommer in Anspruch. Unser methodisches Vorgehen bestand in diversen Interviews mit den Kollegen der einzelnen Fachabteilungen und dem Sichten der ITIL® Literatur, um die grundlegenden Prozeduren in den Transitionsprojekten zu identifizieren. Hierbei gliederten wir die Aktivitäten in generelle, welche bei der Implementierung der Services bzw. Prozesse weitestgehend gleich sind, und spezifische, welche individuell für den jeweiligen Service waren. Diese Aktivitäten wurden dann noch um weitere Informationen ergänzt, wie z.B. Priorität, Verantwortlicher oder geschätzte Dauer. Nach Vollendung dieses Modells veröffentlichten wir es im Intranet und führten Trainingssitzungen für die Projektleiter durch, um ihnen das notwendige Wissen über die Anwendung des Modells zu vermitteln. Eine wirklich sehr spannende Aufgabe, die mir ein umfangreiches Wissen über das ITIL® Service Management vermittelte.

Darüber hinaus unterstützte ich noch diverse Kollegen bei operativen Tätigkeiten, wie dem Aufbereiten von Reports oder der Erstellung von Trainingsunterlagen für die ITIL Support Prozesse. So konnte ich nach und nach einen guten Überblick über die internen Geschäftsabläufe, das breite Kundenspektrum sowie die einzelnen Abteilungen der T-Systems Mexiko bekommen. Mit meinen Kollegen habe ich mich ausnahmslos hervorragend verstanden und fühlte mich sehr schnell in die Abteilung integriert. Es hat mir großen Spaß gemacht, diese interkulturelle Erfahrung zu erleben.

Auslandspraktikum in Mexiko – Stipendienprogramm von MLP

Auslandspraktikum in Mexiko – Stipendienprogramm von MLP

Ab Mai belegte ich einen von T-Systems subventionierten Spanischkurs und verbesserte so im Laufe meines Aufenthaltes meine Spanischkenntnisse erheblich, so dass ich nach und nach sowohl im Privaten als auch auf der Arbeit von Englisch auf Spanisch wechselte, wenn gleich natürlich immer noch nicht fehlerfrei. Ab Juli nahm ich am T-Systems internen Fußballturnier teil, für das jede Abteilung eine Mannschaft ins Feld schickte, so dass unsere Liga letztendlich zwölf Teams umfasste. Leider schied meine Mannschaft im Viertelfinale aus.

Da sich Puebla recht zentral in Mexiko befindet, bietet sich der große Vorteil, dass im Umkreis weniger Autostunden zahlreiche sehenswerte Ziele und Städte liegen, die man während eines Wochenendes ansteuern kann. Das Spektrum der Möglichkeiten ist gewaltig und reicht von Vulkanwanderungen auf dem „La Malinche“ über einen Kulturtrip nach Mexikostadt mit seinem einmaligen anthropologischen Museum oder den Resten der Aztekenhauptstadt Tenochtitlán bis hin zu einem Kurzurlaub am Strand von Acapulco. Dementsprechend nutzte ich den Großteil meiner Freizeit zum Reisen. Besonders beeindruckend für mich war die Ruinenstätte Teotihuacán mit ihren gewaltigen Mond- und Sonnenpyramiden. Dort lebten zu ihrer Blütezeit um das Jahr 500 herum bis zu 200.000 Menschen, womit Teotihuacán die größte Metropole des amerikanischen Kontinents war. So kam während meines gesamten Aufenthaltes nicht einmal Langeweile auf.

Etwas enttäuscht allerdings war ich vom mexikanischen Wetter. Nachdem ich mit Erwartungen angereist war, ein halbes Jahr Sonnenschein genießen zu können, wurde ich recht schnell eines Besseren belehrt. Im Mai begann nämlich die Regenzeit in Puebla, was bedeutete, dass ich fast täglich, wenn ich gegen 18 Uhr mein Büro verließ, von einem monsunartigen Regen begrüßt wurde. Da das mexikanische Kanalsystem nicht unbedingt zu den leistungsstärksten der Welt gehört, hatte dies zur Folge, dass binnen weniger Minuten zahlreiche Straßen überflutet waren und speziell Unterführungen nicht mehr passierbar waren.

Der August stand ganz im Zeichen einiger größerer Wochenendreisen wie in die ehemalige Silberstadt Taxco oder in Mexikos Metropolen Monterrey und Guadalajara. Von letzterer aus habe ich dann zusammen mit Freunden einen Tagesausflug in das benachbarte Örtchen Tequila unternommen, wo das gleichnamige Nationalgetränk Mexikos seine Ursprünge hat. Dort haben wir eine Führung durch die riesigen Agarvenfelder und durch die Destillerie „Jose Cuervo“ unternommen – inklusive einer Kostprobe versteht sich.

Des Weiteren standen einige etwas extremere Freizeitaktivitäten an, wie z.B. Wildwasserrafting auf dem Fluss „Los Pescados“ in Veracruz oder Fallschirmspringen in Cuernavaca. Im freien Fall von 4000m Höhe war es echt ein Wahnsinnsgefühl etwa 30 Sekunden lang mit 200 km/h Richtung Boden zu stürzen ehe sich der Fallschirm öffnete und man langsam auf die Landezone zuschwebte.

Praktikum in Puebla – MLP Programm für Auslandspraktikumsplätze

Praktikum in Puebla – MLP Programm für Auslandspraktikumsplätze

Im September nutzte ich meinen Urlaub dazu mit zwei Freundinnen ins benachbarte Guatemala zu reisen. Dort besuchten wir u.a. die ehemalige Hauptstadt Antigua und den malerischen Atitlán See. Mein persönliches Highlight dieser Tour bestand jedoch in der Besichtigung der alten Mayastadt Tikal. Diese liegt mitten im Urwald versteckt und so hat man auf dem Weg von einem zum anderen Tempel die Möglichkeit, die vielfältige Flora und Fauna Guatemalas zu bestaunen. So haben wir Nasenbären, Tukane und Brüllaffen gesehen, deren Kreischen kilometerweit durch den Dschungel schallte. Als wir dann auf eine Pyramide gestiegen waren, bot sich uns ein atemberaubender Ausblick: So weit das Auge reichte eine geschlossene Decke aus Baumkronen, nur hier und da einzelne Pyramidenspitzen, die aus dem Blätterdickicht herausragten. Ein echt einmaliges Erlebnis

Am 30. September hatte ich dann bereits meinen letzten Arbeitstag. Resümierend kann ich festhalten, dass die Zeit hier leider wie im Fluge vergangen ist. Das vergangene halbe Jahr ist für mich wirklich einmalig gewesen und ich habe sowohl auf der Arbeit als auch in meinem privaten Umfeld viele unvergessliche Erfahrungen gemacht, die ich mit in die Heimat zurücknehmen werde. Ich habe viele neue Freunde gefunden, die ich mit Sicherheit bald wieder sehen werde, sei es in Deutschland oder in Mexiko.

Alexander Hoßdorf hat sein Praktikum bei T-Systems in Puebla (Mexiko) über das Stipendienprogramm für internationale Praktika von MLP bekommen. Die Vergabe der Stipendien findet einmal jährlich bei MLP statt. Der zeitliche Ablauf des Bewerbungsverfahrens bei MLP ist hier ersichtlich.

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