Nachdem ich bereits das Vergnügen hatte, verschiedene Fahrstile von ängstlich über normal bis hin zu einem zweiten Felipe Massa erleben zu dürfen, musste ich vor allem bei letzterem feststellen, dass einige Zeichen internationale Gültigkeit besitzen: links blinken und Lichthupe sind zwei der Möglichkeiten, seinen Vordermann darauf aufmerksam zu machen, dass man ihn überholen möchte. Gerne wird dann auch rechts überholt. Im Allgemeinen gilt aber wohl der Grundsatz: „Wer bremst hat verloren.“ Jedenfalls an Kreuzungen und beim durch den Verkehr wühlen. Ohne eine gewisse Kaltschnäuzigkeit kann man sonst eine Ewigkeit im Verkehr verbringen. Bei den vorherrschenden Straßenbedingungen wird sich aber wohl gewiss einer darüber freuen: die Automobilindustrie.
Ein zweites, bei mir in den letzten Wochen verbreitetes Thema war das Essen. São Paulo kann sehr viele, gute Restaurants aufweisen. Allen voran vor allem Japanische Sushi-Restaurants und Churrascerias, die vielleicht zu einem gewissen Teil mit Steak-Houses in Deutschland vergleichbar sind. Irgendwann ist jedoch auch bei diesem Thema der Gesprächsstoff erschöpft, so dass sich am Ende so manche Information wiederholt.

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Kurios finde ich indes, die hervorragende Mundhygiene der Brasilianer. Als ich in den ersten Wochen nach dem Mittagessen auf Toilette ging, war ich sehr erstaunt vier oder fünf Brasilianer, gleichzeitig Zähne putzend, anzutreffen. Fast jeder besitzt ein kleines Kulturtäschchen, dass sowohl sie als auch er nach dem Mittagessen mit auf Toilette nehmen, um sich dann die Zähne zu putzen. Selbst in einigen Restaurants dürfen Zahnspülungen neben dem Spülbecken nicht fehlen. Ein namhafter Hersteller von Mundwasser hat daher auch vor kurzem den Mundwasserman auf die Straße geschickt, um die Germes richtig in die Mangel zu nehmen und nebenbei noch kleine Proben zu verteilen … . Promotion auf Brasilianisch eben.
Gewisse Parallelen kann man sogar zwischen Sprachen lernen und Fußball spielen bei den Brasilianern und somit in gewisser Weise auch Rückschlüsse auf den verborgenen Teil der Kultur ziehen. Brasilianern scheint es anfänglich leichter zu fallen, Englisch zu lernen, da sie sich in dieser fremden Sprache dann auch recht schnell verständigen können. Zwar mit Fehlern, aber deutlich schneller und leichter als beispielsweise auf Deutsch. Kommunikation gehört schließlich mit zum A und O.

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Aber auch das spielerische Lernen scheint mir mit zur Art des Lernens der Brasilianer zu gehören. Was in der Sprache die Grammatik ist, spiegelt sich im Fußball in der Taktik wieder: Ist das deutsche Spiel deutlich vom manchmal sehr behäbigen, langweiligen Spielaufbau geprägt, lieben es brasilianische Fußballspieler zu dribbeln, direkte Pässe zu spielen und bei langen Pässen, den Ball teilweise konzeptlos nach vorne zu schlagen. Wenn’s klappt ist der Jubel riesig und die Kunststücke oder -schüsse einmalig. Klappt’s aber nicht, sieht man sich einem Spiel gegenüber, dass mit seinen Ballwechseln eher dem Tennis gleicht, die Spieler sich die Seele aus dem Leibe rennen, das Spiel aber an Spannung einem behäbigen deutschen Spiel in nichts nachsteht.
Dennoch: die Freundlichkeit, der Frohsinn und die Feierlaune der Brasilianer ist einfach einzigartig. Mehr als 3,5 Millionen Menschen, die auch teilweise nach dem offiziellen Schluss der Gay Parade am vergangenen Wochenende noch auf den Straßen tanzen und feiern. Schade nur, dass ich den Karneval hier nicht erlebe, der von der Stimmung sicherlich kaum noch zu toppen ist.