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Kategorie: 2007 Praktikum - New York

Auslandsstipendium New York – Stipendienprogramm von MLP

Wahrscheinlich lassen sich die hinter mir liegenden Monate am besten dadurch beschreiben, dass ich erst jetzt, auf dem Flug von New York nach Seattle, endlich dazukomme, die beeindruckende Zeit bei SMC, im Inhouse Consulting der SIEMENS AG, Revue passieren zu lassen und festzuhalten.

…aber fangen wir doch von vorne an.

Nachdem ich im Juli 2007 das, aus genau zwei Fragen bestehende, Interview in der Frankfurter US-Botschaft überstanden und mein Visum in der Hand hatte, stieg ich an einem Donnerstag Mittag Ende August neugierig und ein kleines bisschen nervös in das Flugzeug Richtung New York City.

Nach einem entspannten Flug durfte ich zur Begrüßung gleich eine ungeplante zweistündige Rundfahrt im Sammeltaxi durch Manhattan genießen, um schließlich doch in der Lower East Side anzukommen und meine beiden Mitbewohner zu treffen, die mich nach fünf Minuten direkt in die erste Bar schleppten und mit spannenden Geschichten aus dem New Yorker „Architektenalltag“ die Vorfreude auf das vor der Tür stehende Wochenende weckten.

Am nächsten Morgen ging es zu Fuß zum SMC-Büro, das glücklicherweise keine zehn Gehminuten von meiner Wohnung entfernt lag. Das Staunen über das moderne und lichtdurchflutete Büro direkt am Broadway hatte sich noch nicht gelegt, als ich schon dem für mein erstes Projekt zuständigen Partner gegenüber saß. Bereits am Montag sollte es mich nach Atlanta verschlagen. Zwischen Flugbuchung und Einlesen in den aktuellen Stand des laufenden Projekts verflog die Zeit bis zum allwöchentlichen gemeinsamen Lunch (diesmal marokkanisch), währenddessen ich einige andere der neuen Kollegen kennen lernen konnte. Auch wenn der Kopf danach wieder zu schwirren begann von all den unterschiedlichen Hintergründen, von Michigan, Montréal oder Mauritius, ging es nachmittags im gleichen Tempo weiter, inzwischen auch mit neuem Handy und Laptop. Den Abschluss des Tages bildete schließlich eine entspannt-interessante Stunde mit Serhat, der mir als erfahrener Berater als „Coach“ zur Seite stehen würde, im praktischerweise direkt im Nachbargebäude gelegenen Starbucks.

Das erste Wochenende stand, dank strahlendem Sonnenschein, ganz im Zeichen des New York-Erkundens – zu zweit und zu Fuß von Chinatown Richtung Battery Park, am Hudson River entlang, durch Greenwich Village Richtung Broadway und schließlich bis zum Central Park. Eher als ich dachte, war ich nach drei schönen Tagen (und langen Diskussionen mit einem über lediglich 10% „tip“ erbosten Taxifahrer…) wieder am „JFK Airport“, landete im Flugzeug lustigerweise neben einer anderen Deutschen und fiel nach dem Abendessen mit Serhat, erschöpft von drei rastlosen Tagen, in das bequeme Hotelbett.

Am nächsten Morgen trafen wir, nach kurzer Fahrt, am Hauptsitz von Siemens Energy & Automation (SE&A) ein, einer Siemens-Tochtergesellschaft mit über 10.000 Mitarbeitern, die sich insbesondere auf das US-Geschäft mit Industrielösungen und Automatisierung konzentriert.

Nach einer ersten spannenden Woche in unserem „war room“ mit vielen Fragen, neuen Namen, Meetings und noch mehr „slides“, verlief der Rückflug am Donnerstagabend reibungslos … von streikenden New Yorker Taxifahrern einmal abgesehen.

Auch der Freitag im Büro verging, zwischen letzten Formalitäten, Social Security Nummer und Team Meeting, wie im Flug und ehe ich mich versah, (nun ja, $30 Eintritt später) war ich mitten im New Yorker Nachtleben. Nichtsdestotrotz hieß es nach einem lustigen Wochenende um 5.00 Uhr aufstehen, um den Flieger nach Atlanta um 7.00 zu erwischen (wobei während der nächsten Wochen nach und nach aus fünf Uhr fast sechs wurde).

Inzwischen hatte ich bereits einen guten Überblick sowohl über den Umfang des Projekts als auch die Abläufe vor Ort gewonnen. Mein Teil des Projekts sollte zunächst ein „Modul“ an der Schnittstelle zwischen Marketing und Strategie sein, das sich quer über alle Bereiche und Hierarchieebenen von SE&A erstrecken würde. Als eine weitere Woche in Atlanta sich ihrem Ende näherte, stellten wir donnerstagabends am Flughafen fest, dass nicht nur die meisten Flüge verspätet waren, sondern unser Flug gleich ganz gestrichen worden war. Nach einem etwas unruhigen Flug landeten wir jedoch schließlich immerhin noch kurz vor Mitternacht in Newark und wurden durch den wolkenlosen Ausblick auf Manhattan bei Nacht mehr als entschädigt. Das Highlight des Wochenendes war zweifellos der Samstagabend in der WG einer in Brooklyn, in einem ehemaligen Lagerhaus, lebenden Freundin, mit einer bunten Mischung aus Künstlern, Musikern und Studenten.

In Atlanta kündigte sich langsam der Herbst an, wodurch es kaum noch auffiel, wenn wir doch wieder etwas länger im Büro blieben, als die zentral regulierte Klimaanlage vorgesehen hatte. Ich hatte gerade begonnen, mich an das komfortable Skizzieren folienkompatibel verdichteter Gedanken zu gewöhnen, die wenige Stunden später auf magische Weise als CI-konforme Folien in meinem E-Mail Postfach landeten, als sich ein zweites Thema abzeichnete – eine Marktstudie über das Potential eines möglichen abteilungsübergreifenden SE&A Vorhabens. Zwischen Analysteneinschätzungen und externen Marktstudien lernte ich dadurch auch die SMC-interne „Knowledge base“ als schier unerschöpflichen Pool an Daten und stets abrufbarem Fachwissen schätzen.

Zurück in New York war es im fortgeschrittenen Oktober endlich auch außerhalb Münchens Zeit für ein Oktoberfest. Dazu zog es an diesem Wochenende unzählige deutsche „Expats“ in geliehenen Lederhosen in den glücklicherweise nur ein paar Blocks von meiner Wohnung entfernten deutschen Biergarten „Zum Schneider“.

Aus der folgenden Woche in Atlanta stach, nach einer kurzen Montagnacht und erfolgreicher Zwischenpräsentation im Rahmen des monatlichen „Steering Committee Meetings“, besonders der Dienstagabend heraus, an dem wir als „team event“, nach leckeren Steaks, die im Georgia Dome gastierenden New York Giants anfeuerten. Dank der sich als Footballexperten erweisenden Kollegen hatte schließlich sogar ich das Gefühl, zu verstehen, was auf dem Spielfeld vor sich ging.

Nun war der Oktober langsam auch schon zu Ende, die Ergebnisse der Marktstudie hatten inzwischen ihren Weg in das bekannte Folienformat gefunden – und Halloween stand vor der Tür. In Atlanta warf das kommende Wochenende zwar bereits in Form verkleidet um Süßigkeiten bettelnder Kinder und allgegenwärtiger Kürbisse seinen Schatten voraus, am Wochenende zurück in New York sollte ich mich aber doch staunend, zwischen unzähligen blutrünstigen Monstern und leicht bekleideten Vampiren, wieder finden. Da war auch nicht weiter erwähnenswert, dass unser Halloweenabend in einem ehemaligen Nagelstudio endete, das in eine schillernde Bar konvertiert worden war. Der Montag in Atlanta begann für mich diesmal mit einer neuen Idee für ein zusätzliches Thema aus dem Bereich Human Ressources, das ich von einem ausscheidenden Kollegen übernahm und die Chance nutzte, mich in einen dem Physiker bis dato fast unbekannten neuen Bereich einzuarbeiten und eine neue Perspektive kennenzulernen.

Das nächste Wochenende stand im Zeichen des New York Marathon, dem auch wir uns nicht entziehen konnten. Gebannt verfolgten wir den Weg der Läufer durch Manhattan, darunter auch einige Freunde und Kollegen. Insbesondere die Ankunft im Central Park bei strahlendem Sonnenschein war ein beeindruckendes Massenspektakel. Nachdem wir die meisten bekannten Gesichter entdeckt und entsprechend angefeuert hatten, gab es nur noch ein Ziel: Elton zu entdecken, den ebenfalls mitlaufenden Ex-Assistenten von Stefan Raab. Leider schaffte dieser es aber genau während unserer kurzen Sandwichpause ins Ziel zu laufen.

Nach einer etwas turbulenteren Woche in Atlanta kehrten Matt und ich am darauf folgenden Freitag New York den Rücken und machten uns im Mietwagen auf den Weg nach Boston, um die Stadt zu erkunden und ganz nebenbei eine dort studierende Freundin zu besuchen. Obwohl Boston, mit seinem europäischen Flair und den verwinkelten Straßen, nach einigen Monaten in New York zunächst ein paar Orientierungsschwierigkeiten verursachte und der strahlend blaue Himmel gleichzeitig eisige Kälte mit sich brachte, konnten wir einen amüsanten Abend in Cambridge genießen. Nach einem beeindruckenden Spaziergang über den herbstlichen Harvard Campus und beim anschließenden Barhopping mit einigen Studenten der beiden Universitäten wurde es uns zwischen Geschichten aus aller Welt schnell wieder wärmer.

Am Sonntagabend wartete schließlich viel zu früh der Flieger nach Atlanta am modernen Bostoner Flughafen, und ehe ich mich versah, war ich zurück im „W“ und ging, nach einem kurzen Abstecher ins Fitnesscenter, müde aber gut gelaunt ins Bett.

Unser Projekt neigte sich seinem Ende zu, das heißt es war Zeit für das „phasing out“, die vollständige Übergabe der verbleibenden Aufgaben und Projektpläne an entsprechende Verantwortliche im Unternehmen selbst. Dabei war es beeindruckend zu sehen, wie einige Ideen, insbesondere im Marketing-Bereich, bereits Früchte zu tragen schienen und mehrere Ansätze in neu gebildeten Teams bereits von selbst weiter mit Leben gefüllt wurden.

Nun stand auch schon Thanksgiving vor der Tür, das dieses Jahr auf einen Donnerstag fallen und mir nach einer intensiven 2,5-Tage Woche endlich einen freien Tag in Atlanta bescheren sollte. Nachdem der Rest des Teams bereits am Mittwochabend nach New York zurückflog, blieb ich noch eine Nacht, um nach einem interessanten Abend mit einigen anderen SE&A Trainees die Stadt zu erkunden. Wenn, ja wenn es sich nicht um einen Feiertag gehandelt hätte. So konnten wir immerhin noch einen entspannten Tag in der Stadt verbringen, bevor am späten Nachmittag der Flieger zurück nach New York wartete, wo ich (nun ja, wenn der Delta Flug ausnahmsweise keine Verspätung gehabt hätte) genau rechtzeitig ankommen sollte, um zwei Freundinnen aus Deutschland zu empfangen, die das verlängerte Wochenende in der Stadt verbringen würden. Nach einem unwirklichen Abend, an dem Manhattan wie ausgestorben wirkte, stürzten wir uns am Freitag bei strahlendem Sonnenschein in die Hochhausschluchten und erkundeten die Stadt, wobei auch ich nach inzwischen schon drei Monaten immer wieder faszinierende neue Ecken, Cafés, Gebäude und Geschäfte entdeckte. So zum Beispiel am Freitagabend, als wir von Jennifer und Oisin zum Tischtennisspielen eingeladen wurden und uns plötzlich in einem geräumig ausgebauten Kellergeschoss im West Village wiederfanden.

Nach leckeren Tapas am Sonntagabend und einer dritten, viel zu kurzen, Nacht musste ich mich aber bereits wieder früh morgens aus dem Zimmer schleichen, für die 25 letzten Stunden in Atlanta. Nach der Abschlusspräsentation der Ergebnisse und einem Abendessen zusammen mit dem „Kunden“-Projektteam von SE&A, hieß es Abschied nehmen von der Stadt, den Leuten und dem Hotel, um am nächsten Morgen schon wieder nach Newark zu fliegen. Dank zwei Stunden Verspätung kam ich gleichzeitig mit den beiden New York Touristinnen an, und nach einem kurzen Abstecher in den Duty Free Shop waren wir auch schon am Gate. Jetzt fehlte nur noch die Crew des Lufthansajumbos, die im Stau stecken geblieben war.

Nach einem angenehmen Flug, dem darauf folgenden (etwas zu) vollgepackten Mittwoch in Frankfurt und einer Nacht zuhause in meinem eigenen Bett ging es bereits früh am nächsten Morgen zum SMC „Retreat“, in dessen Rahmen regelmäßig alle Kollegen aus New York, München und Peking für drei Tage zusammenkommen – diesmal in Nürnberg. Neben einigen interessanten Vorträgen und Diskussionen zur zukünftigen Entwicklung von SMC und Siemens als Organisation sowie einer ausgefallenen Stadttour, gab es vor allem genügend Gelegenheit, andere SMCler kennen zu lernen und zwei lustige Abende zu genießen, wenn auch wieder mit etwas weniger Schlaf…

Im Anschluss hatte ich die Chance, noch ein paar Tage im Münchner SMC Büro zu verbringen, um gemeinsam mit Serhat unser Projekt sowie die gewonnenen Einsichten sauber zu dokumentieren – und abends ganz nebenbei ein paar Freunde aus Münchner Studienzeiten wieder zu sehen.

Anfang der Woche kam kurz nach dem Mittagessen ein Anruf aus New York – mein nächstes Projekt würde mich etwas weiter nach Westen verschlagen. Um nicht zu sagen, in den Wilden Westen: Dallas, Texas!

So flog ich – mit einer ähnlichen Portion Vorfreude wie vier Monate zuvor – am Freitag über Frankfurt zurück nach New York, wo ich rechtzeitig zum Mittagessen im Büro eintraf (ganz am Rande sei etwas Schleichwerbung für Singapore Airlines erlaubt – ein unvergleichliches Erlebnis), abends dann aber doch etwas früher das Büro verließ. Der Plan, früh ins Bett zu gehen, wurde zwar von Jennifer vereitelt, dafür stellten wir amüsiert fest, dass sie in genau jenem Vorort von Dallas aufgewachsen war, den ich am Montagmorgen zum ersten Mal betreten sollte. Das bereits begonnene Wochenende verging dank Brunch, Geburtstagsfeier und Mini-Jetlag ähnlich schnell, wie schon die beiden letzten Wochen an mir vorbei geflogen waren. Am Montagmorgen hatte ich jedoch mehr Zeit als mir lieb war, sie Revue passieren zu lassen, da zunächst der Taxifahrer auf dem Weg zum Flughafen zu einer kleinen Rundfahrt durch Queens ansetzte, die dazu führte, dass ich es gerade noch durch die Flugzeugtür schaffte, bevor sie geschlossen wurde.

Kaum in Dallas gelandet, nach drei Stunden Flug und auf dem Weg zum Büro, klingelte das Telefon. Matt, unser Projektleiter, saß noch am New Yorker Flughafen fest: Er hatte die frühere (sic!) Maschine nehmen wollen, um rechtzeitig zu einem Meeting einzutreffen, das in zwanzig Minuten, um 10.30 Uhr, beginnen sollte. Achtzehn Minuten später bogen wir vom Highway ab und weitere drei Minuten später saß schließlich meine Wenigkeit telefonisch gebrieft am Konferenztisch im „board room“ mit beeindruckendem Blick über Dallas, von dem ich allerdings zunächst nicht allzu viel mitbekam.

Die verbleibenden zwei Monate in Dallas sollten ähnlich intensiv weitergehen, da wir im Rahmen eines zweimonatigen Projekts, eine aus mehreren Tausend weltweit verteilten Mitarbeitern bestehende Softwarefirma, die Siemens im vergangenen Sommer erworben hatte, hinsichtlich ihrer „Compliance“ durchleuchten sollten. Besonders beeindruckend war es dabei, die spannende Anfangsphase eines Projekts aktiv miterleben zu dürfen – den Prozess, Gedanken und Inhalte zu sammeln und zu strukturieren und zu sehen, wie nach mehreren Iterationen (und unzähligen Folien) das Verständnis der Aufgabe und des Unternehmens immer klarer wurde.

Auch Dallas selbst war ein Erlebnis für sich. In Texas war buchstäblich alles eine Nummer größer – vom ausladenden Flughafen über die fast ausschließlich aus SUVs bestehende Auswahl an, teils sechsrädrigen, Mietwagen am Flughafen bis hin zu breiten Straßen, überdimensionierten Hotelzimmern sowie Essensportionen in ähnlichen bis dahin unbekannten Abmessungen. Doch mehr dazu später, wenn wir ein ganzes Wochenende zu zweit in Dallas und Austin verbringen sollten.

Zurück in New York zeichnete sich die beginnende Weihnachtszeit immer deutlicher ab. Zunächst ging jedoch, kaum zurück in der Stadt, ein als entspannte Bowlingrunde geplanter Abend, dank kostenloser Cocktails, schließlich in eine rauschende Clubnacht im „Pink Elephant“ über und diese wiederum fast nahtlos in eine überraschend früh angesetzte Telefonkonferenz mit Deutschland.

Die nächsten beiden Wochen in Dallas sollten bei wesentlich angenehmeren Temperaturen als im winterlichen New York ähnlich intensiv bleiben, bevor dann doch wie aus heiterem Himmel auch schon Weihnachten vor der Tür stand.

Nach einem leckeren Abendessen zu viert in stilvoller Atmosphäre in Midtown Manhattan kamen wir in den Genuss eines emotionalen Gospel-Gottesdiensts in einer kleinen Kirche im East Village und ließen den Abend schließlich in nicht mehr allzu weihnachtlicher Atmosphäre bei Cocktails im West Village ausklingen.

Am nächsten Morgen machte ich mich erstmals bei Tageslicht auf den Weg zum New Yorker JFK-Flughafen, diesmal um meine Mutter und Schwester abzuholen, die mich für eine Woche besuchen würden.
Auch wenn sich in die Führung durch New York inzwischen fast schon etwas Routine einschlich, gab es doch immer wieder überraschende Momente wobei der Ausblick vom Dach des Rockefeller Centers auf die Stadt bei Sonnenuntergang auch beim dritten Mal nicht weniger beeindruckend war.

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