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Kategorie: 2007 Praktikum - Bangalore

Als mir im Januar in Wiesloch von MLP zum Stipendium für ein Praktikum bei SAP Labs India gratuliert wurde, konnte ich mein Glück kaum begreifen. Doch als das Abenteuer am 29.Juni dann wirklich begann, war ich schon etwas nervös. Was würde mich erwarten in dem neuen Land? Wie würde die Arbeit werden? Würde ich nette Leute treffen? Ich hatte viel über Indien gehört und gelesen, was mich jedoch wirklich dort erwartete, konnte ich mir zu dem Zeitpunkt einfach noch nicht vorstellen. Doch alle meine Sorgen sollten sich als überflüssig herausstellen…

Ziel meiner Reise war Bangalore. Es ist mit etwa 6.5 Millionen Einwohner die drittgrößte Stadt Indiens und wird auch Indiens „Silicon Valley“ genannt, da sich mittlerweile enorm viele IT Unternehmer hier niedergelassen haben, darunter auch der weltgrößte Hersteller für Unternehmenssoftware SAP. In Bangalore arbeiten 150.000 IT-Experten, stolze 3.500 Mitarbeiter bei SAP Labs India. Bald sollte ich eine von ihnen sein. Ihr könnt Euch vorstellen, wie aufgeregt ich war.

1. und 2. Arbeitswoche

Nachdem ich Freitag Nacht ankam und ins Gästehaus von SAP gebracht wurde, lernte ich Samstag sofort andere SAP Praktikanten kennen, die mir alles gezeigt haben und auch gleich mitgenommen haben, Bangalores Nightlife kennen zu lernen.

Auch an meinem ersten Arbeitstag hatte ich dank ihnen kein Problem, das richtige Shuttle zum SAP Campus zu finden. Bis ich dann jedoch meinen Manager gefunden hatte und einem Arbeitsplatz zugewiesen wurde, dauerte seine Zeit. Ich merkte schon, in Indien ticken die Uhren anders. Im Laufe der Woche bekam ich meine User-ID und Zugriff aufs System. Doch zu tun gab’s noch nicht viel. Nach Gesprächen mit dem Vice President meiner Abteilung „Development & Breakthrough Innovations“ und meiner Managerin war klar, ich sollte mich erst einmal in das Projekt einarbeiten, an dem mein Team zur Zeit arbeitete. Also bekam ich eine Menge zu Lesen. Zusammen mit einer indischen Praktikantin begann ich dann eine neu entwickelte Software von SAP kennen zu lernen und ihre Funktionalitäten zu verstehen.

Delhi

Reisen - Praktikum in Bangalore - MLP Programm für internationale Praktika Join the best

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Mein erster Wochenendausflug ging gleich ans andere Ende Indiens, nämlich in den hohen Norden. Ich flog mit drei deutschen Kollegen nach Delhi, um von dort aus das berühmte ‚Golden Triangle’ abzufahren. Erst ging es über Nacht nach Agra, um dort den Sonnenaufgang am Taj Mahal zu genießen. Danach fuhren wir weiter nach Rajasthan in Hauptstadt Jaipur. Dort fühlte man sich teilweise 100 Jahre zurück versetzt. Man traf allerlei Tiere auf der Strasse, nicht nur Kühe, sondern auch Schweine, Hennen und Hunde. Auch der Verkehr bestand hier nicht nur aus hupenden Rikshaws, sondern auch aus Elefanten, Eseln und Kamelen. Die indischen Kinder sind einmalig. Wenn sie „Weiße“ sehen, sind sie total fasziniert. Ganz stolz versuchen sie ihre wenigen Englischen Sätze aus, wie „Hello Madam“, „Whats your name“, „What’s your country?“. Dann freuen sie sich riesig wenn du ihnen die Hand schüttelst. Und das allergrößte für sie ist, wenn du ein Foto von ihnen schießt, dass sie sich dann nachher auf dem Display der Kamera anschauen dürfen. Unglaublich, wie fröhlich und unbeschwert sie unter ärmsten Verhältnissen leben!

Zurück in Delhi waren wir wieder verwundert, wie modern Indien auch sein kann. Intakte Straßen, neue Bürokomplexe und einigermaßen saubere Luft. In Delhi fahren nämlich alle Busse schadstofffrei und anstatt der Auto-Rikshaws gibts hier nur Fahrrad-Rikshaws.

Was eigentlich mehr als eine Woche dauern sollte, haben wir uns in 3 Tagen angeschaut. Deswegen saßen wir alle mehr oder weniger fit am Dienstag morgen wieder an unserem Arbeitsplatz, noch total beflügelt von den gesammelten Eindrücken.

Langsam normalisiert sich alles. 7 Uhr aufstehen, 7.20 Uhr zum Frühstück, 7.35 Uhr Shuttle zum SAP Campus, 8 Uhr Arbeitsbeginn, hin und wieder um 10 Uhr Juice-Break (frisch gepresst, der Becher 20 Cent), 13 Uhr Lunch (große Auswahl an Nord- und Südindischem Essen, sehr scharf, aber lecker!), 17 Uhr Shuttle zurück (wenn es mehr Arbeit gibt, kann man auch einen Shuttle um 19 Uhr nehmen). Abends steht entweder Party in einer der unzähligen Clubs in Bangalore auf dem Programm oder Yoga. Diese Wochen sollte nun endlich entschieden werden, woran ich die nächsten 10 Wochen arbeite. Nach einem längeren Gespräch mit meiner Managerin einigten wir uns auf ein Projekt für mich. Ich sollte die Performance des neuen Produkts testen und analysieren und am Ende Verbesserungsvorschläge abliefern. Da ich so etwas noch nie gemacht hatte, führte mein erster Weg in die hauseigene Bibliothek, um mich mit weiterem Lesematerial einzudecken. Außerdem bekam ich von einem Kollegen eine Einführung in das Thema. Dann konnte es auch schon losgehen und ich fing an, die ersten Antwortzeiten der Benutzeroberfläche zu messen, dokumentieren und auszuwerten.

Hampi

Mit der MLP Finanzdienstleistungen AG in Bangalore

Mit der MLP Finanzdienstleistungen AG in Bangalore

Und mal wieder hatten wir einen aufregenden Wochenendtrip geplant, diesmal nach Hampi, knapp 400km nördlich von Bangalore. Zugtickets waren gebucht, für rund 10 Euro 10 Stunden Übernachtfahrt im Schlafabteil mit AC, Bettwäsche und Fenstern! Hampi ist berühmt für seine unzähligen Tempel und die tolle Landschaft drum herum. Also liehen wir uns Motorräder und erkundeten die Gegend. Wir kletterten über Riesen-Steinhaufen und genossen einfach nur die Landschaft, Ruhe und die saubere Luft. Das lernt man ganz schön zu schätzen nach 4 Wochen Bangalore.

Einmal hat uns der Monsun voll erwischt, natürlich gerade da war überhaupt gar nichts in der Nähe zum Unterstellen. Also kletterten wir in eine Höhle, die nicht wirklich trocken war, in der aber auch schon andere Inder Unterschlupf gesucht hatten. Doch wir und die Inder haben uns einen riesen Spaß draus gemacht und gesungen und getanzt um uns warm zu halten! Unsere einzige Sorge war nur, was machen wenn es nicht rechtzeitig aufhörte und wir nicht rechtzeitig zum Bahnhof kamen? Doch alles wurde gut, nach ungefähr 1,5 Stunden ließ der Regen soweit nach, dass wir uns auf unsere Motorräder schwingen konnten und die Rückreise antreten konnten. Nach einem schnellen Abendessen ging es dann leider wieder zum Bahnhof und in den Zug zurück nach Bangalore.

Mit MLP in der Indien

Mit MLP in der Indien

Die ersten Wochen saß ich oft unbeschäftigt rum, musste ständig nach einer Aufgabe fragen und viel langweiliges Zeug lesen. Mittlerweile, nach über 4 Wochen, kann ich sagen, ich hab mich gut in die Materie eingearbeitet. Leider darf ich nichts Genaueres verraten, was ich hier mache, alles streng vertraulich! Nur soviel, ich teste eine neue Software, die bald auf den Markt kommt, messe ihre Leistung hinsichtlich Antwortzeiten und übertragener Datenmenge.

Das Aufregende diese Woche war, dass ein Manager aus Deutschland und einer aus Shanghai in Bangalore waren, um mit unserem Team ‘Extreme-Testing’ zu machen. Das heißt, wir saßen zu fünft mit zwei Laptops und einem Beamer jeden Tag von 9 bis 18 Uhr in einem Meetingraum und haben verschiedenste Funktionalitäten getestet und durchgesprochen. Das war sehr interessant und ich habe eine Menge über den Softwareentwicklungsprozess gelernt.
Außerdem hatte ich in vier Tagen 10 Meetings. Diese sind sehr unterhaltsam hier in Indien, kein bisschen steif und es wird sehr viel gelacht, aber auch produktiv gearbeitet. Ich bin immer wieder überrascht, wie die Inder es schaffen, eine gute Balance zwischen Lockerheit und Ernsthaftigkeit zu finden.

Team Outbound

Stipendium für Bangalore – MLP AG

Stipendium für Bangalore – MLP AG

Letztes Wochenende haben wir es uns gut gehen lassen, meine Kollegen und ich. Ausnahmsweise war ich mal nur mit Indern unterwegs. Am Donnerstag ging es los zur ‘Team Outbound Activity’. Mittags wartete ein Bus auf unser gesamtes Team, einschließlich der zwei Manager und dem Vice President unserer Abteilung. Ich fühlte mich wie auf Klassenfahrt, im Bus wurden Spiele gespielt und rumgeblödelt. Unser Ziel war das ‘Golden Palm Resort’, gelegen im Nordwesten Bangalores, eine Stunde Fahrt von SAP Labs in Whitefield entfernt. Eine riesengroße Hotelanlage mit Palmen und atemberaubender Poolanlage erwarteten mein Team und mich dort. Tagsüber standen Aktivitäten wie Team- und Planungsspiele auf dem Programm, bei denen wir immer im Nachhinein analysierten, was wir jetzt in Bezug auf die Arbeit gelernt hatten. Abends wurde gemütlich bei einem Bier zusammen gesessen und zu späterer Stunde auch getanzt. Nach dem Wochenende wusste ich endlich alle Namen meines Teams und war froh, bei dieser Gelegenheit alle etwas näher kennen gelernt zu haben.

Auslandspraktikum in der Indien – Stipendienprogramm von MLP

Auslandspraktikum in der Indien – Stipendienprogramm von MLP

Mangalore und Udupi

Der nächste Wochenendausflug ging nun endlich mal ans Meer. Unser Ziel war Mangalore an der Westküste. Morgens um 6.30 warf der Bus uns mitten in dieser kleinen Hafenstadt raus. Noch im Halbschlaf, ohne zu wissen, wo wir eigentlich hin wollten, standen wir da in dieser noch tief schlafenden, uns völlig fremden Stadt. Was nun? Erst mal einen Chai (indischer Schwarztee mit Masala Gewürzen) trinken. Auf Anraten einer indischen Freundin aus Bangalore führte uns unser Weg als nächstes nach Udupi. Das liegt knapp 50 km nördlich von Mangalore. Der ‘Express’ Bus, den wir nahmen, war ein weiteres Abenteuer! Oder viel mehr die Straßen. Man wurde durchgeschüttelt, bis man nicht mehr wusste, wo oben und unten war und trotzdem habe ich es irgendwie geschafft einzuschlafen…

Praktikum in Bangalore – MLP Programm für Auslandspraktikumsplätze

Praktikum in Bangalore – MLP Programm für Auslandspraktikumsplätze

Der Strand in Udupi war ein Traum! Langsam wurde es auch wärmer, wenn auch der Himmel noch sehr bewölkt war. Mit viel Glück fanden wir ein Gästehaus direkt am Strand. Wir mieteten ein kleines Apartment mit zwei Schlafzimmern und einer großen Terrasse mit Blick aufs Meer.

Den restlichen Tag verbrachten wir am Strand, waren schwimmen und spielten Frisbee. Wir hatten den Strand komplett für uns allein, dank ‘Off-Season’ waren keine anderen Touristen weit und breit.

Ich bin zurzeit gut eingedeckt mit Arbeit und habe echt interessante Aufgaben bekommen. Ich arbeite an drei Projekten gleichzeitig. Erstens mein Hauptprojekt „Performance Analysis“, in das ich am meisten Zeit investiere. Diese Woche bin ich oft länger geblieben, um Deadlines einzuhalten. Meine Messergebnisse werden von Managern in Deutschland dringend benötigt, um weitere Schritte zu planen. Zweitens: „Globalization Testing“. Hier teste ich, ob die Software für verschiedene Länder, Sprachen, Zeitzonen kompatibel ist. Und Drittens: „Volume Testing“, hier werden Grundfunktionalitäten und Oberflächen getestet. Langweilig wird mir also nie. Mittlerweile habe ich mich auch so gut in mein Team eingearbeitet, dass ich gar nicht mehr gehen will. Außerdem wurde ich zur „Performance Expertin“ in unserem Team ernannt, weswegen ich oft Kollegen, die kleinere Performance Messungen durchführen müssen, Einführungen in das Thema geben muss. Das macht mir echt Spaß, weil ich dann zeigen kann, was ich gelernt habe.

Außerdem bin ich umgezogen. Die letzten eineinhalb Monate habe ich im SAP Gästehaus gelebt. Dort ist es eigentlich echt komfortabel und vor allem sauber. Doch jetzt habe ich beschlossen, auf diesen ganzen Luxus zu verzichten und in eine WG zu ziehen. Ich wohne nun in einer gemütlichen 2-Zimmer-Wohnung im HSR Layout. Anstatt Pool, Putzfrauen und gemachtem Frühstück erwarten mich dort eine dreckige, aber gemütliche Küche – endlich selber kochen! – und teilweise recht dörfliche Nachbarschaft, in der ich mich aber wohler fühle, weil es persönlicher und echt indisch ist.

Wonder La

Stipendium für Bangalore – MLP AG

Stipendium für Bangalore – MLP AG

Am Wochenende haben mich meine Kollegen mit ins Wonder La genommen, ein indischer Freizeitpark, der etwas außerhalb Bangalores liegt. Der Park besteht aus Land- und Wasseraktivitäten. Also haben wir uns vormittags noch schön trocken von allerlei Gerätschaften durch die Luft wirbeln lassen. Meine Kollegen und ich haben geschrieen und gekreischt was das Zeug hält und sind die meisten Sachen mindestens zweimal gefahren. Nach dem Mittagessen wurde es dann nass. Doch nur Männer durften Badehosen anziehen. Frauen blieben komplett bekleidet. So ging es Wasserrutschen und Wildwasserbahnen hinunter. In der Rain-Disko habe ich von ein paar lustigen Inderinnen Bollywood-Tanzschritte gelernt. Die Tanzfläche war durch ein Gitter getrennt und die Jungs mussten auf der anderen Seite bleiben. Auch dieser Tag hat wieder einmal dazu beigetragen, mein Team sowie die indische Kultur besser kennen zu lernen und ich hatte jede Menge Spaß dabei.

Pondicherry

Mit MLP in der Indien

Mit MLP in der Indien

Palmen, Strand und Meer – blauer Himmel, Sonne und keine Spur vom Monsun. Indien von seiner besten Seite… Diesmal ging unser Wochenendausflug an die Ostküste. Erster Zwischenstopp war Chennai, das ehemalige Madras. Wir kamen dort im Morgengrauen an und setzten uns gleich in den nächsten Bus, um das südlich von Chennai liegende traumhafte Pondicherry zu erreichen und mieteten uns dort eine Strandhütte mit Blick aufs Meer. Den restlichen Tag verbrachten wir damit, in der Hängematte zu relaxen und hin und wieder ins Meer zu springen. Mal wieder wurden wir weißen Eindringlinge schnell von den indischen Kindern entdeckt und mussten unzählige Fotos schießen. Ich konnte mich erst losreißen, als ich ihnen erzählte, die Batterie meiner Kamera wäre leer.

Letzte Woche war Board Meeting hier in Indien. Das hieß, der gesamte SAP Vorstand und um die hundert Manager kamen aus Deutschland und der ganzen Welt angeflogen und haben hier ein wenig Chaos angezettelt. Hier fuhren die Shuttles nicht mehr wie gewohnt, Mittagessenszeit wurde nach hinten verschoben und es wurden E-Mails mit der Bitte verschickt, man solle doch nicht soviel in den Kaffeeecken rumhängen.

Das Board (Vorstandsvorsitzende und die Vorstandsmitglieder) verbrachte erst zwei Tage in Delhi, dann kamen sie Mittwoch nach Bangalore. Als Donnerstag dann zehn große silberne Mercedes mit je einem komplett in weiß gekleidetem Chauffeur vor dem Hauptgebäude des SAP Campus standen, merkte man: Hier geht was Wichtiges vor. Den ganzen Tag über lief man Männern und Frauen im Anzug über den Weg, die deswegen heraus stachen, weil es sonst bei SAP keinen Dress-Code gibt und alle Mitarbeiter recht ‚casual’ angezogen sind.

Beim großen All-Hand-Meeting war ich leider nicht, da es ursprünglich hieß, Praktikanten könnten dort nicht hin. Als sich das kurzfristig änderte, war ich schon zu spät dran, einen Pass zu beantragen. Dafür war ich dann beim All-Hand-Meeting meines Departments R&BI (“Research and Breakthrough Innovation”). Auch dort hatte ich die Chance einige der Board-Mitglieder von SAP einmal aus der Nähe zu sehen und zu hören.

Rikscha fahren in Indien

Man tut es fast jeden Tag, verbringt viel Zeit damit und es sollte nach einer Weile eigentlich das Normalste der Welt sein. Und trotzdem ist Rikscha fahren in Indien jeden Tag ein kleines Abenteuer! Oft, wenn ich Heim komme, ist das Erste, was ich erzähle: „Heut hatte ich aber wieder einen lustigen, verrückten, blöden oder netten Rikschafahrer. Da hat der doch tatsächlich…“

Mit MLP in der Indien

Mit MLP in der Indien

Die Regeln lernt man mit der Zeit. An den mehr befahrenen Straßen tummeln sich mehrere Rikschafahrer rum und machen meistens Pause. Wenn sie uns Weiße sehen, klingeln in ihren Augen schon die Dollarzeichen. Deswegen ist es erstmal ein Kampf, einen vernünftigen Preis auszuhandeln. Mittlerweile weiß ich die Preise ganz gut, doch trotzdem muss man als Weißer meistens etwas mehr bezahlen. Teuer wird es nachts oder wenn es regnet. Die frechsten Fahrer verlangen dann gern mehr als doppelt so viel. Man sollte nie unter allzu großem Zeitdruck stehen, wenn man eine Rikscha nimmt – das ist tödlich für die Nerven. Je nach Tageszeit, Rikscha und Laune des Rikschafahrers kann man für ein und dieselbe Strecke zwischen 15 Minuten und 1,5 Stunden brauchen. Eine Besonderheit, über die ich mich immer sehr freue, sind Rikschafahrer, die ohne jedes Wenn und Aber den Meter anmachen und sich dann total über ein kleines Trinkgeld freuen. Leider passiert das nicht so oft…

Mein täglicher Spaziergang durchs Dorf

Mit der MLP Finanzdienstleistungen AG in Bangalore

Mit der MLP Finanzdienstleistungen AG in Bangalore

Pünktlich 7.15 Uhr morgens, oder manchmal auch fünf Minuten später, verlasse ich meine Wohnung und mache mich auf den Weg zur Bushaltestelle. Die etwa 15 Minuten lange Strecke führt mich durch die kleinen Gassen unseres Stadtteils, der so gar nicht städtisch wirkt. Ich laufe unter Palmen entlang an einer Müllhalde, in der streunende Hunde wühlen, in der Hoffnung, etwas Essbares zu finden. Rechts an der Straße melkt ein Mann eine Kuh. Sein Sohn hilft ihm, die wertvolle Milch in Kannen umzufüllen. Da sitzen zwei etwa zehnjährige Mädchen vor einem Haus und unerhalten sich fröhlich während sie auf einem Stein Wäsche waschen. Fasziniert schauen sie zu mir hoch und grinsen mich an. Ein Stück weiter hält ein Mann gerade seine morgendliche Dusche. Er sitzt im Gras neben seiner Hütte, die viel mehr ein Zelt aus blauen Planen ist, seift sich ein und leert sich anschließend einen großen Eimer Wasser über den Kopf.

Ich muss mich beeilen, bin schon spät dran. In den kleinen Gassen herrscht schon reges Leben. Hauptsächlich Frauen kehren vor ihrem Haus, erneuern Mandalas auf dem Boden vor ihrem Hauseingang mit weißer Kreide oder bringen den Müll raus. Da drüben stehen wie jeden Morgen die Männer bei dem kleinen portablen Teeladen, der aus einem überdachten Tisch mit Rädern besteht, und trinken ihren ersten Chai. Sie beachten mich schon kaum noch, da sie die ‚Weiße’, die hier jeden Morgen lang läuft, schon kennen. Das Schulmädchen, das an einem anderen Tisch mit Rädern Puris (frittiertes Fladenbrot) zum Frühstück verkauft, sticht sehr aus der Menge heraus, denn mit ihrer Schuluniform sieht sie sehr westlich gekleidet aus. Wahrscheinlich fährt ihr Schulbus später hier ab und sie verdient sich oder besser gesagt ihrer Familie hier ein kleines Taschengeld dazu.

Ich höre muslimische Gebetsgesänge aus Lautsprechern. Direkt beim Agara Circle, wo auch mein Bus fährt steht eine noch nicht fertig gestellte Moschee neben einem riesigen, ebenfalls noch nicht fertig gestellten Hindu-Tempel. Die Rikschafahrer recken schon die Hälse, hoffen, dass ich eine ihrer Rikschas anpeile. Doch ich laufe schnell über die Straße und stelle mich auf der anderen Seite zu den vielen anderen wartenden Indern, um dort auf den SAP Shuttle zu warten.

Mysore

Praktikumsbericht Bangalore

Praktikumsbericht Bangalore

Diesmal waren wir nur einen Tag draußen aus Bangalore, nämlich in Mysore. Die 3,5 Stunden lange Fahrt kam einem vor, wie nichts, nachdem unsere letzten Trips uns immer eine ganze Nacht Fahrt gekostet haben. Per Rikscha haben wir uns die Sehenswürdigkeit Mysores angeschaut. Nicht selten kam es vor, dass Inder uns fragten, ob sie nicht ein Foto mit uns machen dürften. Beim Mysore Palace bin ich dann endlich auf einem Elefanten geritten, so wie ich mir das in Indien erträumt hatte.

Die Arbeitswoche war recht anstrengend, da ich gut eingespannt war und jede Menge spannende Aufgaben bekommen habe. Dann war hier auch alles sehr angespannt und hektisch, da die Markteinführung einer neuen SAP Software bevor stand. Das fand ich total aufregend – ein Glück, dass ich gerade jetzt und diesem Team mein Praktikum machen darf!

Am 19. September hat SAP dann endlich die neue Software in New York vorgestellt. Wir hier in Banglore haben natürlich fleißig mit gefeiert. Auf der Dachterrasse des größten Gebäudes auf dem Campus fand die Party mit knapp 300 Mitarbeitern statt. Auf vier großen Leinwänden wurde die Veranstaltung live von New York übertragen. Die Stimmung war klasse, man hat den Leuten richtig angemerkt, wie stolz sie auf sich waren und sogar ich habe mich davon anstecken lassen, obwohl ich nur knapp 3 Monate an der Software mitgearbeitet habe!

Bangkok

Drei Tage Thailand. Wenn man aus Indien kommt, ist ein Kulturschock mal wieder unvermeidbar. Neue saubere Straßen mit teilweise mehr als 3 Spuren, Taxis, die schneller als 40km/h fahren, Autos die nicht hupen und nicht von beiden Seiten überholen, Hochhäuser mit mehr als 20 Stockwerken… Lina aus Litauen, Manasa aus Indien und ich konnten unseren Augen kaum trauen. Nach knapp vier Stunden Flug war man in einer anderen Welt gelandet.

Wir sind erstmal zur ‘Khao Sarn Road’ gefahren und haben uns dort ein schönes Hotel gesucht. Khao Sarn hat mich sehr an die Sternschanze in Hamburg erinnert – hauptsächlich junge, etwas alternative Leute und viele Backpacker-Hippies, total entspannte Atmosphäre, viele billige Shops und schöne Cafes und Kneipen.

Auslandsstipendium Bangalore – Stipendienprogramm von MLP

Auslandsstipendium Bangalore – Stipendienprogramm von MLP

Auf dem Touristenprogramm standen einige Buddha-Tempel, eine Bootsfahrt in den Sonnenuntergang auf dem Chao Phraya River, Silom und PatPong und natürlich der ‚Grand Palace’. Am nächsten Tag sind wir Sky-Train zum Chatuchak Market gefahren. Der Sky-Train in Bangkok ist ein Erlebnis der besonderen Art, vor allem für uns drei Inderinnen, die jeglichen Bezug zur modernen Welt verloren hatten. Der Chatuchak Markt besteht anscheinend aus etwa 9000 Ständen. Wir haben fast den ganzen Tag da verbracht und schätzungsweise etwa ein Viertel davon gesehen. Abends war jeder von uns schwer beladen mit Einkaufstüten und das Portemonnaie war um einiges leichter geworden, was aber immer noch in keinem Verhältnis zu den Unmengen an Einkäufen stand.

Für den Abend hatten wir eine Verabredung mit meinem Studienkollegen aus Hamburg, der aus Bangkok stammt und hier auch zurzeit sein Praktikum macht. Mit seiner Familie sind wir in ein sehr schönes Restaurant direkt am Chao Phraya River gegangen und haben uns echte Thai-Küche vorführen lassen.

Indische Hausparty

Freizeitbeschäftigungen Auslandsstipendium in der Indien  - MLP Finanzdienstleistungen AG

Freizeitbeschäftigungen Auslandsstipendium in der Indien - MLP Finanzdienstleistungen AG

Freitag hat mich eine Kollegin zu sich nach Hause eingeladen. Der ‚Cultural Exchange’ war wieder sehr interessant. Wir haben uns über das Schulsystem und einmal mehr über mein Lieblingsthema „arranged marriages“ unterhalten. Und wieder einmal wurde ich ungläubig oder fast geschockt angeschaut, als ich erzählte, dass mir meine Eltern bestimmt nicht bei der Suche nach einem passenden Ehemann helfen würden. „Auch nicht, wenn du allein niemand findest?“ kam die Frage zurück. „Nein, auch dann nicht. Selbst wenn sie wollten, würde es schwer für sie werden, da sich in Deutschland die weinigsten gern von den Eltern bei der Partnerwahl reinreden lassen.“ Verständnislose Gesichter. Das hieße ja, man müsse alleine bleiben, wenn man alleine keinen Partner findet. „Ja, kommt schon vor…“ musste ich einräumen.

Zu recht später Stunde kamen wir dann noch auf die tolle Idee, mich in einen Sari zuwickeln, was ich ja sowieso unbedingt noch einmal machen wollte. Gar nicht so einfach, das richtig anzuziehen. Es gibt verschiedene Techniken und was für mich perfekt aussah, war laut meiner Freundin eher sporadisch.

Ich kann es noch nicht wirklich fassen, dass meine Zeit hier schon wieder fast vorüber sein soll… Noch drei Arbeitstage, dann noch etwas Strandurlaub in Goa und schon muss ich wieder zurück ins kalte und verregnete Deutschland. Hätte ich nie gedacht, dass mir das so schwer fallen wird. Jetzt geht’s ans Packen, aus der Wohnung und aus dem Zimmer im Gästehaus ausziehen, Formalitäten bei SAP klären, Pläne für Goa und meinen anschließenden Heimflug machen…

Formalitäten klären. Unterschriften einsammeln. Tschüss sagen. Bei jeder Kleinigkeit denken “Das sehe/mache ich jetzt das letzte Mal…” Drei Monate, die wie im Flug vergingen, sind vorbei, meine Sachen gepackt, der Schlüssel für mein Zimmer abgegeben. Zeit für ein kleines Résumé:

  • Was ich in Indien gelernt habe: geduldig sein und nicht aufregen – verhandeln bis zum bitteren Ende – Kopfwackeln um Zustimmung zu zeigen – mit nur der rechten Hand essen – todesmutig über viel befahrene Straßen laufen – starrende Männerblicke zu ertragen und zu ignorieren – Yoga – ein bisschen indisch kochen – scharfes Essen zu mögen – nie etwas planen, kommt sowieso alles anders – ein paar Bollywoodtanzschritte.
  • Was ich vermissen werde: viele nette Leute, die mir sehr ans Herz gewachsen sind – das Essen, vor allem Masala Dosa – das chaotische Leben auf den Straßen – die billigen Preise – Rikscha fahren – meine Wohnung im HSR Layout samt Mitbewohner – frisch gepressten Saft und Chai – die süßen indischen Kinder – das meist gute Wetter.
  • Worauf ich mich in Deutschland freu: Freunde und Familie – saubere Luft zum Atmen – Vollkornbrot – Discos, die länger als 23.30 Uhr aufhaben.

Goa

MLP Programm für Auslandspraktika

MLP Programm für Auslandspraktika

Doch bevor es nach Hause ging verbrachte ich noch 10 Tage an den traumhaften Stränden Goas. Die ersten Tage waren wir in Palolem, dem südlichsten und idyllischsten Strand in Goa. Einfach mal die Seele baumeln lassen, schwimmen und sonnen den ganzen Tag und die paradiesische Atmosphäre genießen. Außerdem liehen wir uns Roller aus, um noch andere Strände zu erforschen.

Ewig hätte ich es da ausgehalten! Doch auch die schönste Zeit geht einmal vorbei und so saß ich dann nach aufregenden 3 Monaten, die vorbei gingen wie im Flug, plötzlich schon wieder im Flieger nach Frankfurt.

Danke MLP, Danke SAP!

Jährlich vergibt MLP Stipendien für Auslandspraktika. Die Praktika finden bei Partnerunternehmen von MLP statt. In dem Stipendium sind sowhol der Hin- und Rückflug, die Unterkunft vor Ort, das Versicherungspaket bestehend aus Haftpflichtversicherung, Auslandskrankenversicherung, Unfallversicherung sowie die MLP-Kreditkarte “MLP Card”.

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