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Kategorie: 2006 Praktikum - Rijswijk

Samstag, 7. September 2006: Ankunft

„Unsere Stipendiatin ist Karen Schmid.“ Mit diesem Satz, der das Auswahlverfahren in Wiesloch beendete, bekam ich also die Chance einen der größten Energiekonzerne der Welt kennen zu lernen.

Auslandsstipendium Niederlande – MLP Programm Join the best

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Weil das Praktikum eigentlich für einen BWLer gedacht war, hatte meine Auswahl – ich bin Mathematikerin- einiges an Planung (auch den ursprünglich geplanten Praktikumsort London) umgeworfen, so dass überhaupt nicht klar war, wohin es jetzt gehen würde. Fest stand nur eins: Ich werde ein Praktikum bei Shell machen, und zwar irgendwo in Europa.
Wenige Wochen vor Abreise erfuhr ich dann, wo ich die nächsten fünfeinhalb Monate verbringen würde: in der Shell-Forschungsabteilung in Rijswijk/Niederlande.

Um hier gleich mal zwei Fragen zu beantworten, die einem wohl spontan beim Namen „Rijswijk“ einfallen: Erstens: Wo ist das denn??? und zweitens: Wie spricht man das aus??? Riechswick, Riejwick, oder wie? Rijswijk (Aussprache: Reisweik, so, dass es sich auf „Nice Bike“ reimt…) liegt wenige Tram-Minuten vom Zentrum Den Haags entfernt, kann also fast als ein Stadtteil davon betrachtet werden, und beherbergt auf einem sehr großen Areal mit vielen Labors, Bibliotheken, einem „Learning-Center“ und Büros eine der wichtigsten Forschungsabteilungen des Global Players Shell.
Weil ich noch nie in den Niederlanden gewesen bin, war ich dann auch entsprechend neugierig, was mich dort erwarten würde. Schon im Vorfeld hatten mich viele Mails der „Shell Student Society“ – das ist die Organisation aller Shell Praktikanten – erreicht, und ich fühlte mich willkommen geheißen. Am Samstag ging’s dann also endlich los, und nach einem kurzen Flug von München nach Amsterdam, bin ich den Rest mit dem Zug gefahren, und wurde am Bahnsteig in Rijswijk von meiner Vermieterin Lilian abgeholt. Im Appartement, das ich mit zwei Mitbewohnern aus Frankreich, England und Lilian selbst teile, hatte sie ein Schild aufgehängt: Karen: welkom, bienvenue, willkommen, welcome. Das fand ich total nett, genauso wie den anschließenden gemeinsamen Tee.

Praktikum Niederlande – MLP Programm Join the best

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Den Rest des Wochenendes habe ich dann im berühmten Seebad Scheveningen in der Nähe Den Haags verbracht, das man von Rijswijk aus in 40 Minuten mit dem Bus erreichen kann. Übrigens ist die Aussprache von „Scheveningen“ deutlich schwerer, als die von „Rijswijk“ – so viel schwerer, dass niederländische Widerstandsgruppen im zweiten Weltkrieg diesen Namen als Passwort gebraucht haben, um erkennen zu können, ob man wirklich Niederländer war – oder nur ein deutscher Spion, der eben Niederländisch gelernt hatte.

Shell – da denkt man erst mal an Tankstellen. Zeit, mit diesem Bild gründlich aufzuräumen: Die ersten zwei Wochen

Los ging’s mit einer detaillierten Einführung in die Sicherheitsbestimmungen – und einem anschließenden Test aus zehn Fragen, den man bestehen muss, will man bei Shell bleiben: Sicherheit wird hier groß geschrieben. Dann natürlich habe ich meine neuen Kollegen, insbesondere meinen Praktikumsbetreuer Jan-Jette kennen gelernt, die IT Umgebung musste eingerichtet werden, und natürlich ganz wichtig: Das Einlesen in Publikationen zum Bohren nach Öl im Allgemeinen und meinem Projekt im Besonderen. Es geht dabei – ohne zu viel verraten zu können – um eine neue Art zu bohren. Für die Entwicklung des Meißels muss man eine mit Partikeln versehene Bohrflüssigkeit im ganzen Bohrlochbereich steuern können. Diese neue Art zu Bohren spart Kosten und ist zudem umweltschonender! Allerdings müssen noch viele technische Detailfragen beantwortet werden – und genau darum kümmere ich mich.

Auslandspraktikum Niederlande – MLP Stipendienprogramm Join the best

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Auch einige andere Praktikanten habe ich in diesen ersten Wochen schon kennen gelernt: die Shell Student Society lädt einmal pro Woche zum Lunch ein, wo man sich mit den anderen in Rijswijk tätigen Praktikanten austauschen kann. Die Internationalität der Praktikanten ist hierbei echt beeindruckend: Von Surinam über Venezuela, Russland, Australien, den USA, China und ganz Europa sind hier wirklich Leute mit den verschiedensten fachlichen Hintergründen und den verschiedensten Ländern anzutreffen, und ich bin die einzige Deutsche.

Außerdem war ich mit meiner Vermieterin und meinen Mitbewohnern beim Bowling (Lilian ist ein ehemaliges Mitglied der niederländischen Bowling-Nationalmannschaft!!) und in der zweiten Woche beim Teamevent dieses Quartals dabei: Kanufahren, Bogen- und Armbrustschießen und ein anschließendes gemeinsames Abendessen, bei dem ich mich länger mit unserem Abteilungsleiter unterhalten habe, der mir von seiner Laufbahn bei Shell erzählt hat: Was in Rijswijk begonnen hatte, führte ihn über Venezuela, Neuseeland und Nigeria wieder zurück nach Holland – über mangelnde Internationalität kann man hier bei Shell also wirklich nicht klagen.

Auslandsstipendium Niederlande – MLP Programm Join the best

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Die ersten beiden Wochenenden verbrachte ich damit Den Haag näher kennen zu lernen: Erst eine Stadtführung (die ich für die Eröffnung eines Kontos bei einer niederländischen Bank geschenkt bekommen habe…!!), ausgedehnte Streifzüge durch das Regierungsviertel und die noblen Botschafterviertel Den Haags, und – für einen Mathematiker ein Muss – ein Besuch im M.C.Escher-Museum, der ja für seine „unmöglichen Bilder“ weltberühmt wurde.

Maat Negen, „Do you have a bike?“ und „Das Mädchen mit dem Perlohrring“: Dritte und vierte Woche

Nachdem nun endlich alle IT-Probleme gelöst waren, und ich einen ersten Überblick über mein Projekt hatte, ging’s endlich richtig los: ran an den Computer, einloggen in den Rechner-Cluster in Amsterdam und mit Ausarbeiten der Details beginnen. (Für Fachleute: „Meshen der Geometrie als Vorbereitung auf die Fluid-Dynamik-Rechnungen“) Es folgten noch eine „Lunch and Learn“-Session, bei der eine neue Energiequelle (Erdwärme – aber aus einem mehrere Kilometer tiefen Bohrloch!!) sehr kontrovers diskutiert wurde. Überhaupt ist die Fortbildung der Mitarbeiter im Forschungsbereich sehr wichtig, und es gibt häufig Vorträge, zu deren Teilnahme man mehr oder weniger verpflichtet ist.

In den ersten Tagen hatte ich auch begonnen, mich nach einem Orchester umzusehen – ich spiele Geige – und als Jan-Jette, mein Praktikumsbetreuer, davon erfahren hat, konnte er mir auch darin weiterhelfen: Seine Frau ist Mitglied im „Bataafs Symfonie Orkest“, das dringend zusätzliche Geigen für das bevorstehende Konzert sucht. Er hat mir angeboten, dass seine Frau Marceline, mich dort einführt, und so bin ich am Donnerstagabend gemeinsam mit ihr zur Probe in Den Haag gefahren. Was für ein Schreck festzustellen, dass der Dirigent – im Gegensatz zu den allermeisten Niederländern – kein Englisch sprach! Wer hier glaubt, das sei kein Problem, übersetze folgenden Satz: „Maat negen alstublieft.“ Das heißt: „Takt neun bitte“. Der Abend hat bei mir zumindest gründlich mit der Vorstellung aufgeräumt, „Niederländisch ist sowieso nur ein deutscher Dialekt“…. Die Probe in der Woche drauf ging dann aber schon viel besser: Meine Pultnachbarin tut was sie kann, um mir die Anweisungen des Dirigenten zu übersetzen, und wenn man dann noch ein paar Schlüsselwörter lernt, klappt’s ganz gut. Außerdem hatten mich Jan-Jette und Marceline vor der Probe zum Abendessen bei sich zu Hause eingeladen, so dass es ein wirklich schöner Abend mit guter Musik (wir spielen die erste Sinfonie von Bizet, das Konzert für Harfe und Orchester von Saint-Saens und die Ouvertüre zum „Kalifen von Baghdad“ von Boieldieu) und noch besserem Essen wurde. Als ich mich bei ihr für das Essen bedankte, meinte Marceline auch nur: „Don’t worry, we’ll do the same next week.“ Man muss die Niederländer mit ihrer offenen, gastfreundlichen Art einfach gerne haben.

Und noch etwas: Man mag es für ein Vorurteil halten, aber der Niederländer und sein Fahrrad – das ist wirklich eine unzertrennliche Freundschaft. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich schon gefragt wurde, ob ich ein Fahrrad habe. Und so habe ich mir dann diese Woche endlich eines zugelegt.

Diesen Mittwoch hatte Shell dann alle Praktikanten in den Niederlanden nach Den Haag eingeladen, um mehr darüber zu erzählen, wie es ist bei Shell zu arbeiten: Auf dem Programm standen Vorträge junger Mitarbeiter über deren Arbeitsalltag. Und es war wirklich total spannend: Vom in Algerien tätigen Geologen über die Physikerin in der Grundlagenforschung bis hin zum mit der nigerianischen Regierung verhandelnden Juristen. Anschließend sind wir alle gemeinsam zum Abendessen gegangen, und ich hatte wieder die Möglichkeit andere Praktikanten kennen zu lernen.

Praktikum Niederlande – Join the best eine Initiative von MLP

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Das dritte Wochenende war ich mit Priscillia unterwegs, der Tochter meines französischen Mitbewohners. Sie ist gerade hier in Den Haag für ein Erasmus-Semester. Anfangs war sie etwas skeptisch, ob man denn mit einer Deutschen was unternehmen kann („Germans are so quiet“). Da dachte ich mir: „Moment, die Ehre meines Landes muss gerettet werden“ – was ich dann auch tat: Am Sonntagmorgen bin ich nach einer ziemlich intensiv durchfeierten Nacht erst um 09:00 h ins Bett gekommen…

Dazu als Kontrastprogramm habe ich am darauf folgenden Wochenende das „Mauritshuis“ in Den Haag besucht: ein Kunstmuseum, das viele berühmte Bilder flämischer Meister ausstellt: Rembrandt, Rubens, Brueghel,… Und hier hängt auch wohl eines der berühmtesten Bilder überhaupt: „Die niederländische Mona Lisa“, also Johannes Vermeers „Das Mädchen mit dem Perlohrring“

Von Schaumstoff, Star-Trek und toten Monarchen: Fünfte und sechste Woche

Nach den Vorbereitungen der technischen Konstruktion für die Fluid-Dynamik-Rechnungen in den letzten Wochen, habe ich jetzt mit den Berechnungen selbst angefangen. Natürlich ist die Physik und Mathematik, die hinter Strömungsberechnungen liegt, hoch komplex (denkt mal nur daran, wie viele verschiedene und komplizierte „Wirbelmuster“ in einer Teetasse oder in der Badewanne erzeugt werden können), weshalb es immer nur möglich ist, die „Formeln“, die man hier hat, bis auf einen kleinen, vernachlässigbaren Fehler zu lösen. Dazu gibt es Software-Pakete, die mit vielen ausgefeilten mathematischen Algorithmen genau dies tun.

Aha, man muss also nur den richtigen Knopf drücken, und dann passiert alles automatisch??? Nein!! Natürlich ist das Leben (auch hier) nicht so einfach. Denn wer genau sagt, wie gut die Näherung ist? Schließlich hat man nicht die „richtige“ Lösung um vergleichen zu können.

Praktikum Niederlande – MLP Programm Join the best

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Hier kommt jetzt eben viel mathematisches und physikalisches Wissen (und damit ich) ins Spiel! Neben dieser Herausforderung, gab es aber auch wieder viel anderes zu entdecken: In der fünften Woche bin ich für einen Tag zusammen mit anderen jungen Shellmitarbeitern aus den verschiedensten holländischen Niederlassungen in die „onshore“ Pernis Raffinerie bei Rotterdam gefahren. Die Pernis Raffinerie ist die größte Europas und eine der größten der Welt. Überall Leitungen, Kontrollkästen, große Schiffscontainer, die auf die Verladung im nahe gelegenen Hafen warten und vor allem: Rohre. Überall. Große, kleine, lange, kurze, schwarze, weiße, gebogene und gerade. So viele Rohre, dass man –würde man alle aneinander stöpseln- damit zweieinhalb mal die Erde umrunden könnte und bestimmt mehr Rohre, als ich in meinem ganzen Leben bisher gesehen habe! So jetzt aber: Preisfrage: Was wird hier eigentlich produziert? Natürlich fallen sofort Diesel und Benzin ein. Aber ein Hauptprodukt ist auch etwas, das aussieht wie weißer, flüssiger Yoghurt: Die „Grundsubstanz“ für Schaumstoff, die dann in Pipelines zu den Endproduzenten weitergeleitet wird!

Seit ich an diesem Tag in Rotterdam gesehen habe, was für eine technische Mammutleistung hinter so etwas Banalem wie Schaumstoff steckt, behandle ich meinen gepolsterten Schreibtischstuhl mit mehr Respekt.

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Nach diesem echt spannenden Tag stand dann am Abend noch eine Orchesterprobe auf dem Programm. Dieses Mal war sogar mein Praktikumsbetreuer Jan-Jette dabei, der sich entschieden hatte, für das bevorstehende Konzert unsere etwas magere Geigenbesetzung zu verstärken.

Nach einem Mittagessen am Montag mit dem Manager der Forschungsabteilung und anderen jungen Shell-Mitarbeitern, einem Kurs über internationale Export-Bestimmungen (O-Ton des Kursleiters: “For this course you have to bear in mind that export control regulations have to do with power and politics – not with logic and common sense…“) folgte das Highlight dieser Woche: Eine Einführung in die so genannte 3D „I-Zone“ der Geologen. Noch in den 70ern wurden seismische Daten auf riesige Papierbögen ausgedruckt und anschließend mit Buntstiften (!!) bearbeitet. Das änderte sich erst mit der Einführung der Personal-Computer und gipfelte im Einsatz modernster Bildbearbeitungssoftware: Es wurde eine Art Raum entwickelt, der komplett von Leinwänden eingeschlossen ist (sogar der Fußboden!): Jede Bewegung, die man macht, wird vom Computer gemessen, und entsprechend ins Bild „eingerechnet“- also fast so wie auf dem „Holodeck“ bei Star-Trek…. Dieses Konzept wurde zum Spaß mal für eine Achterbahnfahrt ausprobiert: Der Wagen stand in diesem „Leinwandraum“ und alles andere wurde berechnet. Dabei soll es Leute gegeben habe, denen es von dieser Achterbahn“fahrt“ tatsächlich schlecht wurde! Was ich in dieser „I-Zone“ dann zu sehen bekam, war eine abgespeckte Version davon: Eine Art IMAX 3D Kino, das verwendet wird, um die komplexen und vielschichtigen, dreidimensionalen, seismischen Daten der Geologen in passender Form darstellen zu können. Mit der 3D Brille auf der Nase steht man jetzt also inmitten eines ganzen Gebirges, um sich Felsformationen, den Verlauf von Bohrlöchern und verschiedene Bodenschichten genauer anzusehen. Wirklich beeindruckend!

Die Wochenenden waren wieder den verschiedensten Dingen gewidmet: Eine Geburtstagsparty (ein Freund Priscilias hatte Geburtstag), Kinobesuche mit verschiedenen Leuten, eine Einladung Lilians in die ihrer Meinung nach beste Eisdiele Den Haags und zusammen mit Priscilia und anderen Erasmus-Studenten ein Ausflug nach Delft: Eine der angeblich schönsten Städte der Niederlande überhaupt, mit vielen schmalen Häuschen, verwinkelten Gassen und (natürlich) Grachten und: der Kirche, in der alle Mitglieder des niederländischen Königshauses bestattet werden (natürlich nur die verstorbenen). Schade nur, dass es nicht Sommer ist: die vielen netten kleinen Cafes an den Kanälen sind dann bestimmt noch schöner! In Delft habe ich auch zum ersten Mal so eine Art gefüllte Minipfannkuchen mit ganz viel Sahne probiert – eine holländische Spezialität. Lecker!!! Und weil zu Hause die Welt auch nicht still steht, habe ich an diesen Wochenenden auch viele Mails und Briefe an Freunde und Familie geschrieben und ein Geburtstagspäckchen verschickt.

Domino Day, show time und 1 Million $: Die Wochen sieben und acht

Die letzten Wochen hatten ein vielseitiges Programm zu bieten: Sogar in der Mittagszeit hatte ich oft Termine – deshalb tat das ruhigere Programm für diese Wochen ganz gut: Die ersten Strömungsberechnungen waren fertig, so dass ich begonnen habe, Test-Szenarien für eine Erweiterung der bisher verwendeten Software zu entwerfen. Man muss eben wissen, was mathematisch und physikalisch bei diesen aufwändigen Rechnungen und Näherungen schief gehen kann. Und eben um das herauszufinden, habe ich mich in die Theorie dieser neuen Methode (Mehr-Phasen Flüssigkeiten und numerische Simulationen in diesem Bereich) eingelesen – schließlich werden wir das neue Verfahren auf Herz und Nieren prüfen!

Auslandspraktikum Niederlande – MLP Stipendienprogramm Join the best

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Denn wie bereits weiter oben beschrieben: die Mathematik hinter Strömungsberechnungen ist sehr kompliziert. So kompliziert, dass das Clay Mathematics Institute im Jahre 2000 eine Prämie von einer Million Dollar ausgesetzt hat für jeden, der einen signifikanten Fortschritt in diesem Gebiet erzielt. Ja, mal sehen, mein Praktikum dauert ja noch eine Weile …

Neben diesem nächsten Schritt in meinem Projekt standen zusätzlich verschiedene Meetings und wieder ein „lunch and learn“-Vortrag auf dem Programm, dieses Mal über spezielle, horizontale Bohrlöcher (ja, so was gibt’s!). Außerdem haben wir seit Anfang der Woche eine neue „Kollegin“: Eine Feldmaus hat sich zu uns ins Büro verirrt, was manch einen meiner Kollegen (ich bin die einzige Frau im Team) zu der besorgten Frage veranlasste, ob mich das sehr stören würde, und ob ich vielleicht sogar Angst vor Mäusen habe. Jan Jette meinte nur mit einem Augenzwinkern, „perhaps we should call the technical service and tell them, that we have a wireless mouse disappearing in the wall…”

Das nächste Wochenende hatte ich mir dann vorgenommen, einfach für ein paar Stunden in einer schönen Buchhandlung und den vielen, vielen anderen Geschäften zu verbringen, die Den Haag zu bieten hat. Schließlich kauft auch die Königin hier ein, so dass sich in Den Haag bestimmt etwas finden lässt, was einem gefällt (wenn man es sich dann auch vielleicht nicht unbedingt leisten kann …). Am Freitagabend fand dann noch der diesjährige Domino Day statt, und Lilian machte dafür bei mir und meinen Mitbewohnern bereits im Vorfeld begeistert Werbung. Und wirklich: In Deutschland hätte ich mir das denke ich nicht angesehen, aber spätestens als Lilian bei dem Song „YMCA“ nicht mehr auf dem Sofa zu halten war, hatte sich das doch gelohnt! Für die letzte „Herausforderung“, die die Domino-Day Teilnehmer zu bewältigen hatten, wurden dann sogar eine Deutsche und ein Holländer ausgelost. Wie passend, dachte ich mir…

Eine Woche später hieß es dann am Sonntag: „Show time!“. Das „Bataafs Symfonie Orkest“ hatte seinen Auftritt, und mit ihm auch Marceline, Jan-Jette und ich.

Die beiden hatten nicht nur während der Generalprobe wieder an mich gedacht, und ihre Sandwichs mit mir geteilt, sondern mich wie auch schon in den letzten Wochen vor den Proben wieder zu sich nach Hause zum Essen eingeladen, wo ich dann auch einem Einblick ins niederländische Familienleben bekam: „Sinterklaas“ steht vor der Tür, und so fiebern auch die Kinder von Jan-Jette und Marceline dem für Kinder wohl wichtigsten Tag des Jahres entgegen. Allerdings mit dem Unterschied, dass sie darauf nicht mehr so lange warten müssen. Denn „Bescherung“ ist in den Niederlanden schon am Abend des 5. Dezembers.

Judo, die „Nachtwache“ und Praxistest: Die Wochen neun bis elf

Der erste Teil der Berechnungen war jetzt fertig. Das bedeutete eigentlich, dass ich den Theorieteil weiter entwickeln würde, der dann die Grundlage für die Software-Tests sein sollte. Aber es heißt ja so schön: „Grau ist alle Theorie und grün der Baum des Lebens.“ Und so kam es ganz gelegen, dass in der Nähe gerade die Testanlage für unsere Bohranlage aufgebaut wurde. Die habe ich mir dann (nach vorherigem Zusatzsicherheitskurs nachdem man einen schönen Aufkleber auf den Helm oder den Sicherheitsausweis bekommt) zusammen mit Jan-Jette (und in etwas zu großen Sicherheitsschuhen…) angesehen, um einen besseren Eindruck vom technischen Aufbau zu bekommen. Daneben liefen aber natürlich die Arbeiten zum Theorieteil und neue Berechnungen weiter, und auch das so genannte „Mid-Internship-Review“, indem man Feedback zu seiner „Halbzeit-Leistung“ bekommt, hatten wir für die Zeit vor Weihnachten gelegt.

Und auch an den Wochenenden war wieder einiges los. Erstens hatte ich endlich einen Judo-Verein in der Nähe gefunden, wo ich dann zwei Niederländerinnen erklären musste, warum Rudi Carrell in Deutschland so beliebt ist und ob ich auch Fan des Musikantenstadls sei… Und zweitens kam ich endlich dazu Amsterdam zu besuchen, und damit zu einem echten Highlight für mich: dem Rijksmuseum.

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Nachdem man einige Räume zur niederländischen Geschichte passiert hat, wird es ernst: Die Aufschriften beginnen das Gemälde anzukünden, das das Museum erst so berühmt gemacht hat. Aber man muss erst noch durch einen langen Gang, noch mal durch eine Tür, und dann erst ist man da: Die Nachtwache. Was für ein Bild – die Figuren lebensgroß! Als ich dort war, hielt gerade ein deutscher Kunstprofessor einen begeisterten Vortrag über Rembrandts Einsatz von Farben und Licht, wie Parallelen verwendet werden, darüber wie in dem Bild mit dem eigentlichen geschichtlichen Ereignis gespielt wird, usw. Wirklich ein Glücksfall, gerade da „reingeplatzt“ zu sein!

Außerdem stand ja noch Weihnachten vor der Tür, was einige Partyeinladungen mit sich brachte: Die große Shell-Weihnachtsfeier (über 2.500 Leute im feinen Kurhotel!), das „Christmas-Dinner“ der „Student-Society“ und der „Glühwein-Race“ der Erasmus-Studenten. Leider jedoch gab es statt Glühwein und Gänsebraten ein Rende-Vouz mit Mr. Paracetamol, denn ein hier kursierender Grippevirus hatte auch vor mir nicht Halt gemacht.

Die Wochen zwölf bis siebzehn: „Mit dem Fahrrad?!?“, „Peter und der Wolf“ und: DEUTSCHLAND IST WELTMEISTER!!

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Ein neues Jahr – ein neues Testdesign für einen Teil unseres Projektes. Allerdings ein deutlich Komplizierteres, und so musste ich mich erst mal wieder neu rein denken, um dann wieder Berechnungen daran durchführen zu können. Außerdem begann ich einen „Report“ über meine Arbeit zu schreiben, der Erklärungen und Fragen zu meinem Projekt beantworten soll, und nach dem Druck dann innerhalb von ganz Shell zugänglich sein wird. Daneben verabschiedete sich mein Kollege Ivo in ein anderes Team, so dass wir zu seinen Ehren ein wirklich ausgezeichnetes Team-Abendessen hatten, bei dem – wie sollte es auch anders sein- der französische Kollege den Wein aussuchte. Zu dem Essen selbst sind unser Teamchef, Jan-Jette, Ivo und ich übrigens mit dem Fahrrad gefahren: Teamchef voraus, wir anderen hinterher, und Jan-Jette erklärte mir vom Fahrrad aus einige Rijswijker Gebäude, oder um es mit seinen Worten zu sagen: „That’s the touristic tour for you.“.

Einige Wochen später kündigten sich dann an der niederländischen Küste der Orkan „Kyrill“ an. Doch während es in Hamburg bereits Sturmflutwarnungen gab, fuhren die Niederländer weiter fröhlich mit dem Fahrrad zur Arbeit…Wenn es um’s Radeln geht, lassen die Niederländer sich wirklich nicht so schnell aus dem Konzept bringen!

Doch die Woche hat nicht nur fünf Tage, sondern noch zwei für’s Wochenende: Geplant war eigentlich nach Heidelberg zum diesjährigen finalen „Assessment-Center“ zu fahren. Doch „Kyrill“ hatte die Verbindung Holland-Deutschland komplett lahm gelegt. Und die Frage, wann denn wieder ein Zug nach Deutschland fährt wurde mit einem gelassenen „perhaps tomorrow“ beantwortet.

Aber es gab ja noch Amsterdam mit u.a. einer absolut genialen Sonderausstellung zum Expressionismus, und noch viel mehr, so dass es nicht langweilig wurde. Und üben musste ich ja auch noch: Die beiden „Peter und der Wolf“-Konzerte standen auf dem Programm. Das kennt wohl jeder noch aus seiner Kindheit, und so spielte das „Bataafs Orkest“ vor jeweils 200 Grundschulkindern aus Den Haag. Die reagierten dann auch mit wirklicher Begeisterung: Die Vorstellung der verschiedenen Instrumente des Orchesters am Anfang wurde mit lauten „Bravo!“-Rufen quittiert, und beim Erscheinen des „großen, bösen Wolfes“ rutschten viele etwas tiefer in die Bänke, und es war so still, dass man eine Münze hätte fallen hören.

Ansonsten brachten diese Wochen auch wieder einige Einladungen zu Jan-Jette und Marceline mit sich. Und weil mir ein Gericht ganz besonders gut schmeckte, versorgten mich die beiden nicht nur mit dem Rezept, sondern Jan-Jette brachte später kurzerhand auch noch die passende Grundzutat mit ins Büro. Außerdem wurde Deutschland Handball-Weltmeister!! Da habe ich echt bereut, nicht daheim zu sein. Obwohl – die hitzige Diskussion mit meinem französischen Kollegen über das Halbfinalsspiel haben dann doch einiges wieder wettgemacht.

Blue Man Group, „Hoch soll sie leben“ und: Bis Bald!: 17. bis 23. und letzte Woche

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Mit dem neuen Jahr war ja auch ein neues Quartal angebrochen, was für unser Team ein neues Team-Event bedeutete: Die Blue-Man Group – bekannt u.a. aus der Intel Fernsehwerbung – trat gerade in Amsterdam auf, und wir hatten Karten bekommen, die sogar ein Treffen der „Blauen Männer“ backstage einschlossen. Es wurde echt ein toller Abend! Außerdem war Priscilia, die ich hier ganz am Anfang meines Praktikums kennen gelernt hatte, inzwischen für IBM in Brüssel, und ich hatte ihr fest versprochen, dass wir uns noch einmal sehen, bevor ich zurück nach Deutschland gehe. Und weil die Zugverbindung Den Haag-Brüssel nicht nur sehr billig ist (hin und zurück insgesamt ca. 35,- €, da freut sich die Schwäbin), sondern auch noch schnell ist (ca. 2 Stunden einfache Fahrt), habe ich sie dort über’s Wochenende besucht, sie hat mir Brüssel gezeigt, und am Abend haben wir zusammen mit einigen Iren den St.-Patrick’s-Day im Brüsseler Automuseum gefeiert, das für diese Nacht zur Bar mit Tanzfläche umfunktioniert worden war. Auch hatten sich für die letzten Wochen noch einige Besucher angekündigt, mit denen ich dann nicht nur in Den Haag noch einiges besucht habe, sondern auch einiges im weiteren Umland, u.a. Arnheim mit dem beeindruckenden „Airborne-Museum“ zur Operation „Market Garden“ der Alliierten im Rahmen der Schlacht von Arnheim und dem nahe gelegenen Hotel „Bilderberg“, das den gleichnamigen, jährlichen Treffen von internationalen Größen aus Politik, Wirtschaft und Medien seinen Namen gab.

Auslandspraktikum Niederlande – MLP Stipendienprogramm Join the best

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Mit den letzten Wochen brach die Endphase für mein Paper und die Abschlusspräsentationen an. Daneben hatte ich auch noch einige Fluiddynamik-Rechnungen abzuschließen und Besprechungen und Tele-Konferenzen mit der Software-Firma, die das Software-Tool entwickelt.

Zum „Warmlaufen“ für die abschließende Präsentation vor Assesoren, präsentierte ich dann mein Projekt vor der ganzen Abteilung. Und weil meine Kollegen teilweise in den USA sitzen, wurde meine Präsentation life über Videokonferenz dorthin übertragen. In der letzten Woche stellte ich meine Ergebnisse den offiziellen Praktikums-Assessoren vor, die mir dann hinterher ein genaues Feedback sowohl zur fachlich Leistung als auch zu „Soft-Skill-Fragen“ gaben. Puh, nervös war ich schon, ob denn die Video-Verbindung stehen würde, welche Fragen die vielen Ingenieure haben würden, usw. Aber am Ende ging alles glatt, und beide Präsentationen wurden sehr positiv aufgenommen.

Ja, und dann hieß es Abschied nehmen von so vielen Leuten: Von der Shell-Student-Society und meinen Kollegen, die Kaffee und Kuchen organisiert hatten. Jan-Jette hatte eine Rede vorbereitet, und ich habe ein Abschiedspräsent bekommen. Als ich es öffnete, meinte Jan-Jette mit einem Grinsen: “You know, what’s in there…“ Und natürlich: Das Bataafs-Orchester hatte angefangen, ein modernes Ballett von Strawinsky zu proben – eine Knochenarbeit, was mich zu so manch einer abfälligen Bemerkung über Strawinsky verführt hatte, und so bestand das Abschiedspräsent unter anderem aus einer Strawinsky Aufnahme. (Jan-Jette: “So, that you know, how it should sound…”). Dann kam natürlich die letzte Probe mit dem Bataafs-Orchester (oh ja, natürlich haben wir wieder Strawinsky geprobt…), und weil alle wussten, dass es meine letzte Probe sein würde, stimmte das Orchester zum Beginn der Probe „Hoch soll sie leben“ an. An meinem letzten Tag bei Shell kam dann sogar der Pförtner aus seinem Häuschen um sich persönlich von mir zu verabschieden!

Nach all dem ging es ans Packen für die Heimreise, was mich zu der Frage führte, warum am Ende des Koffers immer noch so viel Zeug übrig ist: Als ich es endlich geschafft hatte, alles irgendwie zu verpacken – einige Paar Socken mussten noch in die Laptop-Tasche auswandern – da kam Lilian freudestrahlend mit drei Päckchen an – meinen Abschiedsgeschenken. Oh Mann.

Jetzt heißt es aber ab nach Hause und Diplomarbeit schreiben. Denn wie heißt es so schön: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Was meinen Kollegen Ivo zu der Bemerkung führte: “…but you also could say, it has two beginnings.“ – Wie Recht er hatte: Meine Präsentationen haben einen guten Eindruck hinterlassen, und ich habe mehrere Möglichkeiten für eine weitere Laufbahn bei Shell. Außerdem kommen Jan-Jette und Marceline im Sommer zu Besuch, und im Juni hat das Bataafs-Orchester sein nächstes Konzert, zu dem ich zurück nach Den Haag kommen werde.
Das alles machte aus den Abschieden also ein „Bis Bald!“ (und auch das war schon schwer genug).

An dieser Stelle ein ganz großes Danke an Frau Schoch und MLP. Durch „Join the best“ habe ich nicht nur viele neue Leute kennen gelernt, sondern war in einer Zeit, in der alle von Energie und Energiepolitik reden, bei Shell mitten drin.

Karen Schmid hat das Praktikum über das Stipendienprogramm Join the best bekommen. Das Join the best Programm vergibt jährlich ca. 15 Stipendien für internationale Praktika. Finanziert wird das Praktikantenprogramm von der MLP Finanzdienstleistungen AG. Die Stipendiaten werden im Rahmen eines Assessment Centers auf dem MLP-Campus unter den Bewerbern ausgewählt.

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