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Kategorie: 2005 Praktikum - Singapur

1. Woche – Auslandsstipendienprogramm von der MLP Finanzdienstleistungen AG

Da ich erst abends in Singapur lande und es hier auch schon im Sommer gegen 19h dunkel wird, kann ich auf meiner Taxifahrt in die Stadt leider nicht mehr allzu viel sehen. Dass die Dimensionen dann hier allerdings doch etwas größer als zu Hause sind, bemerkt man dann doch direkt, auch, dass das Wetter hier doch deutlich besser als zu Hause ist. Nach einigen Turbulenzen wegen der Wohnung ziehe ich noch am Ankunftstag in ein neues Zimmer. Am ersten Tag lasse ich mich praktikum-singapurdann erstmal mit dem Taxi zur Arbeit fahren, da ich den Weg noch nicht kenne und da Taxifahren hier im Vergleich zu Deutschland richtig günstig ist. Bei der Allianz werde ich sehr freundlich von einer Personalerin in Empfang genommen, die mir zunächst erklärt, wo ich meine Arbeitserlaubnis abholen muss und mich dann meiner Abteilung vorstellt. Ich werde für die nächsten drei Monate in der Abteilung Life & Health arbeiten, d.h. in der Abteilung die das Lebensversicherungsgeschäft der Allianz in Asien koordiniert. Da mein Chef auf Geschäftsreise ist, übernimmt eine andere Kollegin die obligatorische Vorstellungsrunde und erzählt mir einiges über ihre Tätigkeit etc. Am nächsten Tag lese ich mich erstmal in einige Sachen ein und nehme an einem Auftaktmeeting zum Aufbau eines internen Wissensportal teil, wobei ich feststelle, dass das Englisch, das einige Einheimische hier sprechen, doch recht gewöhnungsbedürftig ist. Da ich erst mittwochs angekommen bin, ist die erste kurze Woche damit auch schon beendet und ich freue mich auf mein erstes Wochenende hier in Singapur.

Nach einem ersten Wochenende hier, das ich vor allem damit verbracht habe, einige Leute kennenzulernen und mich ein wenig in der Stadt zurecht zu finden, beginnt diese Woche zunächst mit einem Gespräch mit meinem Chef. Er ist Deutscher und seit einem knappen halben Jahr als Expat hier in Singapur. Er erzählt mir nochmals ausführlich, wie die Allianz hier in Asien strukturiert ist, erklärt mir einige grundlegende Dinge über das Lebensversicherungsgeschäft und spricht dann mit mir über meinen Weg hier zur Allianz und über meine potentielle Aufgabe. Ich soll in den nächsten drei Monaten zum einen beim aktuellen strategischen Dialogprozess mit den operativen Einheiten hier vor Ort mitarbeiten, bei dem die strategischen Ziele und Planzahlen für die kommenden drei Geschäftsjahre geplant werden und zum anderen eine Konkurrenzanalyse erstellen. Diese soll die Marktbedingungen, das regulatorische Umfeld und die Wettbewerbsposition der Allianz in den einzelnen Ländern hier vor Ort betrachten. Wir einigen uns darauf, dass ich mit Thailand beginne. Den Rest der Woche verbringe ich daher hauptsächlich damit, mir eine Struktur für die Ergebnispräsentation zu überlegen und diese mit meinem Chef abzuklären.

Das Wochenende war wirklich traumhaft schön, weißer Sandstrand, glasklares Wasser, Palmen, wie in der Karibik. So gut erholt, beginne ich die Woche damit, Information für meine Thailandpräsentation zu sammeln. Dabei stehe ich

Praktikumsbericht Singapur

Praktikumsbericht Singapur

immer in Kontakt mit der operativen Einheit vor Ort, da diese schon über einige benötigte Daten verfügt, so dass man Doppelarbeit vermeiden kann. Da ich bisher noch keine Berührung mit dem Versicherungsgeschäft hatte, ist es zu Beginn etwas schwierig, sich in der Menge der Informationen zurechtzufinden, insbesondere bei der Berechnung der relevanten Kennzahlen sind bei mir dann doch noch einige Wissenslücken vorhanden, aber die Kollegen sind zum Glück sehr hilfsbereit und beantworten alle meine Fragen geduldig. Diese Woche bespreche ich zudem mit meinem Chef und einer singapurischen Kollegin, wie die Aufgabenverteilung im Rahmen des strategischen Dialogprozesses aussehen wird. Wir einigen uns darauf, dass ich für Indien und Korea zuständig sein werde. Da es hier in Singapur sehr viele deutsche Praktikanten gibt, treffe ich mich nach der Arbeit eigentlich immer mit ein paar anderen Praktikanten oder Expats, um noch in der Stadt was trinken zu gehen, zum Strand zu fahren oder ich schwimme ein paar Runden in meinem Pool. Am Wochenende steht dann zum ersten Mal ausgiebiges Sightseeing hier in Singapur auf dem Programm. Außerdem gehe ich mit ein paar Einheimischen in eine Karaoke-Bar, das ist ein echtes Erlebnis, zu sehen, wie sehr Asiaten Karaoke lieben…

Die Gesellschaften in Indien und Korea haben den ersten Planungsentwurf im Rahmen des strategischen Dialogprozesses versendet, ich verbringe daher einen Großteil meiner Zeit damit, die Zahlen mit den Planzahlen der letzten Jahre zu vergleichen und auf Plausibilität zu prüfen. Zumindest der Bericht aus Korea ist jedoch noch ziemlich unvollständig, so dass ich wohl den zweiten Entwurf abwarten muss, um den Bericht vernünftig zu kommentieren. Außerdem spreche ich mich mit den Abteilungsleitern, die für Personal, Risikomanagement und IT zuständig sind ab, damit mir diese so schnell wie möglich ihr Feedback für die Aspekte zukommen lassen, die ihre jeweiligen Abteilungen betreffen. Da meine Thailand-Präsentation so gut wie fertig ist, lasse ich die Ergebnisse meinem Chef zukommen. Er ist mit der Struktur und dem Inhalt meiner Präsentation zufrieden, so dass ich nun mit den restlichen Ländern fortfahren kann. Als nächstes Land nehme ich mir Indien vor, in diesem Zusammenhang kann ich auch die Planung der operativen Einheit vor Ort miteinbeziehen. Am Freitag nach der Arbeit fahre ich dann direkt zum Flughafen, am Wochenende steht nämlich meine erste größere Reise an, ich fliege mit einer deutschen und zwei französischen Praktikanten nach Bangkok.

Bangkok war sehr beeindruckend, wir haben sehr viel gesehen, insbesondere der Königspalast und die vielen Tempel sind wirklich eine Reise wert, zudem ist Bangkok das erste Mal, dass ich hier wirklich Asien kennengelernt habe. Singapur kann man doch eher als Asien “light” bezeichnen, was das Leben hier allerdings auch sehr angenehm macht. Die Arbeit steht diese Woche ganz im Zeichen meiner Wettbewerbsanalyse, ich telefoniere sehr viel mit den Kollegen in Indien, um sicherzustellen, dass meine Ergebnisse mit den Informationen vor Ort konsistent sind. Der Regionalmanager hier in Singapur hat noch einige Anmerkungen zu meinen Thailandergebnissen, ich kontaktiere daher nochmal die Kollegen in Thailand, es offensichtlich Unklarheiten bzgl. des regulatorischen Umfeldes für eine bestimmte Produktkategorie gibt. Interessanterweise kann auch die Regulierungsbehörde selbst meine Frage nicht beantworten, der verantwortliche Referent verspricht aber, sich nächste Woche nochmals bei mir zu melden und die entsprechenden Informationen zu liefern.

Diese Woche haben wir die neuen Planungsentwürfe der operativen Regionaleinheiten erhalten. Nachdem ich mir selbst ein Bild von den neuen Zahlen verschafft habe, bespreche ich mit meinem Chef und dem Controlling-Team, inwiefern die angepasste Planung noch weiteren Überarbeitungen bedarf. Bezüglich meiner Konkurrenzanalyse eröffnet mir mein Chef, dass die Ergebnisse für ein groß angelegtes Beratungsprojekt benötigt werden, daher ändert sich für mich nun auch die Prioritätsliste der zu bearbeitenden Länder. Da die Ergebnisse relativ zeitnah benötigt werden, bleibe ich diese Woche öfter länger im Büro, diese Woche ist für mich ja auch verkürzt, da ich Freitag meinen ersten Urlaubstag habe und dort für ein verlängertes Wochenende nach Hongkong fliegen werden. Insgesamt sind die Arbeitszeiten hier in Singapur jedoch deutlich moderater als in den meisten deutschen Firmen.

Hongkong war einfach toll, allein der Blick auf die Skyline ist schon eine Reise wert. Insgesamt ist dort alles nochmal viel größer und hektischer als in Singapur, vor allem hat man den Eindruck, dass die Straßen einfach viel voller sind. Trotzdem war es ein sehr erholsamer Kurzurlaub, die Erholung kann ich für die kommenden Wochen auch gut gebrauchen. Die beiden Wochen stehen ganz im Zeichen des Beratungsprojektes, typischerweise werden in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Ergebnisse benötigt. Ein Teil der benötigten Daten kommt aus dem internen Controlling, ich bespreche daher mit meinem Chef und den Controllern, wie man bestimmte Kennzahlen am besten berechnen kann. Da sich die ursprünglich angedachten Kennzahlen aufgrund der bisherigen Struktur der Ergebnisreports nicht so ohne Weiteres darstellen lassen wie gedacht, müssen wir auf alternative Kennzahlen ausweichen. Es dauert daher eine ganze Weile, bis wir eine angemessene Lösung gefunden haben. Parallel dazu versuche ich über die Kollegen in Indonesien weitere Informationen für meine Konkurrenzanalyse zu bekommen, da die Berichte der idonesischen Regulierungsbehörde und der Lebensversicherungsvereingung leider nur auf idonesisch vorhanden sind. Die Wochenenden nutze ich dann zusammen mit meinem Freund, der mich gerade besucht, wieder ausgiebig zum Reisen. Wir haben Kuala Lumpur besucht, um dort die bis vor kurzem noch höchsten Gebäude der Welt, die Petronas Towers, zu bestaunen und fliegen dieses Wochenende noch für vier Tage nach Phuket, um dort bei einem Strandkurzurlaub die Sonne zu geniessen.

Phuket war sehr schön, wir hatten trotz aktueller Regenzeit halbwegs Glück mit dem Wetter. Der Strandabschnitt, an dem wir waren, war zum Glück auch nicht sehr stark vom Tsunami betroffen, so dass man dort eigentlich kaum noch Spuren der Katastrophe zu sehen bekam. Freunde von mir waren allerdings weiter südlich an einem Strand, dort waren die Verwüstungen wohl doch noch recht stark zu sehen. Bei der Allianz arbeite ich an meiner Konkurrenzanalyse weiter, mittlerweile hat mir ein Kollege aus Thailand sein Feedback zu meiner Präsentation gesendet. Er hat noch einige Fragen bezüglich der Datenquellen, nach einem kurzen Telefonat sind die verbleibenden Unklarheiten aber schnell geklärt. Der Kollege erzählt mir bei der Gelgenheit auch, dass er für einige Zeit in Bayern gelebt hat und macht mich auf das bevorstehende Oktoberfest aufmerksam, das auch hier in Singapur ausführlich gefeiert wird, so dass man schon einige Leute in Lederhose durch die Gegend laufen sehen kann. Diese Woche steht zudem ein “Blind Date Lunch” mit Allianz-Kollegen auf dem Programm, ca. alle zwei Monate geht man zu diesem Zweck in einer zufällig zusammengewürfelten Gruppe von Kollegen irgendwo essen, um seine Kollegen besser kennenzulernen. Unsere Gruppe besteht diesmal aus acht Leuten, wir verbringen eine sehr nette und unterhaltsame Mittagspause in einer Salatbar. Insgesamt werden von der Allianz hier in Singapur sehr viele solcher “Social Events” veranstaltet, so geht man beispielsweise zusammen ins Kino und vor einem Monat wurde beispielsweise eine Beachparty organisiert. Die Hauptattraktion, der Allianz-Kostümball steht aber noch bevor, da er jedoch erst Ende November stattfindet, werde ich daran leider nicht mehr teilnehmen können.

In diesen Wochen geht das Beratungsprojekt in seine nächste Runde, ausgehend von den ersten Länderanalysen werden nun mögliche strategische Handlungsoptionen für ausgewählte Zielmärkte geprüft. Dabei stellt sich wie schon oft heraus, dass die Informationsbasis teilweise doch recht dünn ist, da beispielsweise Publizitätsvorschriften für Gesellschaften in Asien nicht so ausgeprägt sind wie in Europa. Ich stehe daher weiterhin in engem Kontakt zu unseren operativen Einheiten in den einzelnen Regionen, da diese häufig eher in der Lage sind, benötigte Informationen zu beschaffen und insbesondere auch zu übersetzen. Zudem versuche ich mit Hilfe meiner Kollegin Informationen über chinesische Wettbewerber für meine Konkurrenzanalyse zu beschaffen. Dabei stelle ich wieder einmal fest, wie unglaublich schwierig es sein muss, die chinesische Sprache so zu erlernen, dass man auch lesen und schreiben kann, die Vielfalt an Zeichen, Characters genannt, ist einfach immens. Darüber hinaus bespreche ich mit meinem Chef, inwieweit ich in meinen letzten Wochen an einem Controlling-Projekt mitarbeiten soll, dass bereits Allianz-weit angelaufen ist und nun in einer dritten Stufe auch in den asiatischen Gesellschaften durchgeführt wird. Dabei geht es im Wesentlichen um das Aufdecken von Kosteneinsparungspotenzialen. Wir warten in diesem Zusammenhang noch auf eine Kostenübersicht aus dem Controlling, bevor mein Chef mir dann nächste Woche genau erklären will, wie die weitere Vorgehensweise aussehen wird. Da meine Rückkehr ins dann ja fast schon winterliche Deutschland nun nicht mehr allzu lange bevorsteht, will ich noch einmal ein wenig die Sonne geniessen und fahre daher mit ein paar anderen Praktikanten nach Rawa, eine wunderschöne Insel vor der Ostküste Malaysias. Alle, die bisher dort waren, waren immer ganz begeistert, daher bin ich schon gespannt, die Insel mal mit eigenen Augen zu sehen.

Manuela Thomys hat ein Stipendium für ein Auslandspraktikum in Singapur über das MLP Join the best Praktikumsprogramm gewonnen. Um sich für eines der begehrten Praktika zu qualifizieren, musste sich Manuela Thomys in einem Assessment Center bei MLP gegen eine Vielzahl von Bewerber durchsetzten.

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