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Kategorie: 2005 Praktikum - Shanghai 01

Ende Juli und August – 1. Teil

Durch mein Auslandspraktikum habe ich die einmalige Gelegenheit, die beiden größten und unterschiedlichen Metropolen des “Reiches der Mitte” intensiv kennen zu lernen und zu erleben: Shanghai und Peking. Bereits bei meiner Ankunft am 19. Juli in Shanghai bekomme ich einen sehr guten ersten Eindruck von dieser Stadt, den ich in den nächsten Tagen auch sehr gut vertiefen kann. Überall spürt man die Gegensätze dieser aufstrebenden 13 Millionen Metropole am Huangpu-Fluss: Arm und Reich, Tradition und Moderne, Geschäftigkeit und Geselligkeit….

Praktikum bei der Tom Group in Shanghai – MLP Join the best

Praktikum bei der Tom Group in Shanghai – MLP Praktikumsprogramm Join the best

Die TOM Group ist das führende chinesische Medienunternehmen in “Greater China”: Mainland China, Hong Kong und Taiwan. Dabei ist das Unternehmen in die fünf Bereiche Internet, Outdoor Advertisement, Publishing, Sports und Television & Entertainment gegliedert. Mein Praktikum absolviere ich in der Sports Division. Das aktuelle Projekt der Sports Division ist das internationale Tennisturnier China Open 2005 in Peking, weswegen ich für die folgenden beiden Monate meine “Location” dorthin verlagern werde. TOM hat für das bereits zum zweiten Mal ausgetragene Turnier ein neues Team eingesetzt, in das ich nun eingebunden bin. Das China Open Team umfasst ungefähr 15 Mitarbeiter der TOM Group und wird durch etwa 10 Leute der Event Management- und Consulting-Firma IMG unterstützt. Als Teil des China Open Teams arbeite ich im Bereich Sponsorship Sales, zusammen mit vier weiteren sehr netten Kollegen. Die Aufgaben umfassen das “Finden” potenzieller Sponsoren sowie das Kreieren lukrativer Sponsoren-Pakete und weiterer Werbemöglichkeiten-Pakete für Sponsoren während des Events sowie deren Verkauf. Darüber hinaus betreue ich vier bedeutende China Open Sponsoren sowie einen offiziellen Supplier vor und während des Turniers. Zu “meinen” Sponsoren zählen Lacoste, Mercedes Benz, Sohu und Panasonic.

Ich selbst beherrsche leider kein Chinesisch und werde wohl auch nicht die notwendige Zeit finden, diese interessante Sprache zu lernen. Auf der Arbeit kommt man gut mit Englisch zurecht. Jedoch ist Mandarin, also das Hoch-Chinesisch, fast ein Muss, wenn man problemlos und ohne fremde Hilfe durch den Alltag in China kommen möchte. Auch unterhalten sich Chinesen scheinbar gern in Gegenwart von Menschen, die ihre Sprache nicht verstehen, in ihrer Muttersprache. Was da wohl manchmal beredet wird??? Man wird es nie erfahren, wenn man kein Mandarin kann! Die Chinesen sind sehr nett und umgänglich, verhalten sich jedoch manchmal auch anders, als wir es gewohnt sind: auf den geschäftigen Straßen wird man leicht angerempelt oder aufgrund der Massen weggedrängt; in der U-Bahn quetschen sich Leute rein, bevor überhaupt einer rausgelassen wird; auch das bekannte “auf den Boden spucken fällt direkt auf, was sich wohl aber seit der Lungenkrankheit SARS eingedämmt hat; in den vielen Restaurants in Peking und Shanghai ist man in der Regel gut beraten, den Kellner zu rufen, anstatt auf ihn zu warten. Aber haben wir nicht alle unsere Eigenarten und eigenen kulturellen Hintergründe?

Auslandspraktikum in China  – MLP Join the best Programm

Auslandspraktikum in China – MLP Stipendienprogramm Join the best

Während ich Ende Juli noch die meiste Zeit in Shanghai verbringe, bin ich den ganzen August in Peking. Nur an zwei Wochenenden schaffe ich es, nach Shanghai zurückzukehren. Aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit der China Open, die am 10. September starten, beträgt die tägliche Arbeitszeit nicht selten zwölf Stunden und mehr. Auch die Wochenenden bleiben nicht von der Arbeit verschont. Dennoch kann ich mir ausreichend Zeit nehmen, Attraktivitäten in und außerhalb von Peking zu erkunden. Hierzu zählen die Verbotene Stadt, der Platz des Himmlischen Friedens, der Sommerpalast sowie die Chinesische Mauer bei Simatai. Der einzige Nachteil beim Sightseeing ist momentan, dass sich Peking auf Olympia 2008 vorbereitet, daher sind die meisten berühmten Gebäude in ein “herrliches Grün” mit Gerüsten darunter verhüllt. Das ist manchmal echt ärgerlich!

Aber neben der Arbeit und kulturellen Erkundungen darf auch das Nachtleben nicht zu kurz kommen. An guten Bars und Clubs dafür mangelt es jedenfalls weder in Peking noch in Shanghai. Die meiste Zeit des Nachtlebens gestalte ich allerdings mit Westlern aus dem Team, da die chinesischen Kollegen scheinbar nicht so oft ins Nachtleben eintauchen. Bei gemeinsamen Abendessen sind sie jedoch meist dabei und bestellen phänomenales Essen.

Bisher ist meine Arbeit meist durch organisatorische Vorbereitungen für die China Open geprägt. Das wird sich jetzt ändern. Anfang September können wir das Peking Tennis Center beziehen und für das Turnier vorbereiten. Die Sponsoren können jetzt ihre Ausstellungs- und Verkaufsstände auf dem Gelände des Tennis Center errichten und ihre VIP-Logen beziehen. Werbebanner werden im Center Court und allen andere Courts installiert, Security Checkpoints aufgebaut, Büros bezogen. Bälle und Getränke werden angeliefert und die VIP- und Player-Lounge hergerichtet.

Es ist schon atemberaubend, wie schnell hier in China alles passiert. Eine enorme Anzahl Arbeiter, die rund um die Uhr arbeiten, lassen Dinge innerhalb kürzester Zeit entstehen. Innerhalb von nur fünf Tagen verwandelt sich ein einfaches öffentliches Tennis Center in eine Tennis Center für weltklasse Matches wie man es von den vier Grand Slams kennt: Wimbledon, US Open, Australian Open and Roland Garros (French Open). Bereits Tage bevor die ersten Matche anfangen treffen die ersten ATP-Spieler (professionelles Männertennis) ein und bereiten sich gründlich vor. Die Frauen, also WTA-Spielerinnen, sind erst in der zweiten Woche des Turniers an der Reihe und erscheinen somit auch später.

Am 10. September ist es dann endlich soweit, die ersten ATP Tennismatche werden im Peking Tennis Center ausgetragen. Mit dabei sind beeindruckende Spieler wie Nadal, Coria, Moya oder Ferrero, die erstklassige Matche zeigen. Es ist schon sehr überwältigend, ein solches Turnier sowohl vor als auch hinter den Kulissen zu verfolgen. Rafael Nadal gewinnt die China Open 2005 der Männer und das WTA-Turnier kann beginnen. Top WTA-Spieler für die China Open sind unter anderem Maria Sharapova sowie die Williams Geschwister Serena und Venus. Das Endspiel hat sogar deutsche Beteiligung: Anna-Lena Grönefeld hat sich durch vier Runden gekämpft. Muss sich aber leider in einem spannenden Match der Russin Maria Kirilenko geschlagen geben.

Besichtigung der chinesischen Mauer – MLP Join the best Programm

Besichtigung der chinesischen Mauer – MLP Praktikumsprogramm Join the best

Natürlich gibt es auch Spieleraktivitäten außerhalb des Tennis Center. Besuche der Verbotenen Stadt, des Platzes des Himmlischen Friedens sowie die Chinesische Mauer sind heiß begehrt. Zufälligerweise bietet sich für mich die einmalige Möglichkeit, zusammen mit Serena Williams die Chinesische Mauer bei Badaling zu erklimmen.

Der September ist wesentlich arbeitsintensiver als die Zeit zuvor, drei Wochen inclusive der Wochenenden wird durchgearbeitet, oft bis Mitternacht. Glücklicherweise schafft man doch noch neben der interessanten Arbeit das Nachtleben weiter zu verfolgen. Diesmal sogar mit Prominenz: Tennisprofi Thomas Johansson sowie der Vater von Maria Sharapova und deren Trainer.

Nach China Open 2005 Ende September löst sich das Team teilweise auf und die IMGler fliegen Heim. TOM-Kollegen sind jetzt teilweise in Peking, Shanghai oder Hong Kong. Ich für meinen Teil kehre jetzt mit einigen Kollegen nach Shanghai zurück und werde das Turnier nachbereiten. Des Weiteren werden schon Vorbereitungen für das nächste Jahr getroffen und das Team neu strukturiert.

Zurück in Shanghai! Oft werde ich mit der Frage konfrontiert ob denn nun Shanghai oder Peking besser ist. Ich kann jedoch keine eindeutige Antwort geben. Beide Metropolen sind atemberaubend und pulsierend. Und sehr verschieden: in der Art der Bebauung, den Englischkenntnissen der Einwohner, Peking hat wesentlich mehr Grünflächen als Shanghai, Shanghai ist durch finanzielle Institutionen geprägt während in Peking eher die Politik im Mittelpunkt steht. Shanghai ist durch die südlichere Lage auch wärmer als Peking, im Sommer wird es in Shanghai über 35°C und sehr schwül wie in einer Sauna, in Peking ist es dagegen mit um die 30°C und trockenerer Luft angenehmer.

Die erste Oktoberwoche ist durch einen chinesischen Feiertag geprägt, der zu einer Woche ohne Arbeit führt. Diese Zeit nutzen die meisten, um zu ihrer Familie zu reisen oder generell das Land zu erkunden. Ich hingegen nutze die Zeit, mich wieder in Shanghai einzuleben, weitere Leute kennen zu lernen und in das Nachtleben einzutauchen. Wettertechnisch ist es in Shanghai kühler geworden, bleibt zumeist glücklicherweise aber trocken. Jedoch werden nur drei Arbeitstage für den Feiertag frei gegeben und meist das Wochenende vorgezogen, das schafft somit einer zusammenhängende Woche Urlaub. Der Haken dabei ist, dass man statt montags wieder Samstags das Arbeiten anfängt. Eine interessante Erfahrung. Meine Arbeit ist weit ruhiger geworden als zuvor in Peking; auch die Arbeitszeiten sind wieder zur Normalität zurückgekehrt. Meine Aufgaben umfassen nun die Nachbereitung der China Open aus Sicht des Sponsorship Sales Teams sowie der Ausarbeitung und Erstellung der Sponsorship Sales Präsentation für das 2006 Event.

Nachtleben in China – MLP Join the best Programm

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Neben der Arbeit gehe ich abends oft essen, in Bars und Nachtclubs. Hier trifft man sehr leicht neue und interessante Menschen. Manchmal gibt es im Leben Zufälle: ich treffe ganz unverhofft an einem Samstagabend mitten in einer Bar einen deutschen Mitbewohner aus meiner Zeit in Kanada! Die Welt ist eben doch nicht so groß, wie man immer denkt. Das Essen ist in China schon sehr gut. Es gibt die verschiedensten Küchen aus den unterschiedlichen Provinzen Chinas. Die Menschen einiger Provinzen mögen es zum Teil sehr scharf, die anderen eher mild und süßlich. Für uns weniger bekannte Gerichte gehören jedoch zu fast allen Küchen, die ich auch gerne probiert habe: etwa Hühnerfüße, Skorpione oder auch geschredderte Schweineohren.

Mein Praktikum bei der TOM Group endet mit Ablauf des Monates Oktober. Ich bleibe aber noch drei weitere Wochen in China. Die erste Novemberwoche verbringe ich in Shanghai und zeige dem nächsten Praktikanten die Metropole, in der zweiten geht es für eine Woche nach Hong Kong und Macau und in der dritten bin ich wieder zurück in Shanghai und arbeite für Mercedes Benz am Masters Cup, dem letzten ATP-Turnier des Jahres.

Das Praktikum bietet sehr gute Möglichkeiten, Erfahrung im Umgang mit Menschen anderer Kulturen zu sammeln, das Verhalten chinesischer Geschäftsleute zu beobachten, neue Städte und Länder zu erkunden und sein universitär erlerntes Wissen praktisch anzuwenden. Mir hat es auch noch tiefe Einblicke in Betätigungsfelder neben der Wirtschaftsinformatik, die ich studiert habe, gegeben und wird somit wahrscheinlich auch meine Berufswahl beeinflussen. Darüber hinaus ist mir klar geworden, dass ich nicht das letzte mal in China, besonders aber in Shanghai war. Das nächste Mal werde ich jedoch versuchen, mehr Zeit zu haben, um auch ländliche Provinzen in China kennen zu lernen.

Abschließen möchte ich noch hervorheben:

Vielen Dank an die TOM Group und MLP sowie deren Mitarbeiten für die Möglichkeit des Praktikums und die gute Organisation! Das Praktikum war in allen Hinsichten eine erstklassige und prägende Erfahrung! Viel Erfolg und hoffentlich auch ein genau so gutes Praktikum für die Gewinner von “Join the Best 2006″.

Im ersten Jahr des MLP Join the best Programms hat Alexander Heese ein Stipendium für ein Praktikum bei der der TOM Group in Shanghai gewonnen. Beim Join the best Programm, eine Initiative von MLP, werden jährlich in einem Assessment Center auf dem MLP Campus Stipendien für Auslandspraktika vergeben.

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