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Kategorie: 2005 Praktikum - Shanghai 02

Der 1. Monat (20.Juli 2005 – 19. August 2005)

Auslandspraktikum in Shanghai - Auslandsstipendium von MLP Join the best

Auslandspraktikum in Shanghai - Auslandsstipendium von MLP Join the best

Je näher das Flugzeug von Frankfurt nach Shanghai kommt, desto größer wird die Vorfreude, die sich mit einem Kribbeln im Bauch bemerkbar macht. Shanghai, die Stadt, die mir bereits im dritten Jahr meines Studiums ein zu Hause war und die ich mit schwerem Herzen vor einem Jahr zurücklassen musste, um mein Studium in Konstanz zu beenden, hat mich wieder. Die anschließende Taxifahrt zu der Adresse, die mein zu Hause für die nächsten drei Monate sein soll, hätte wohl jedem Erstbesucher den Atem stocken lassen. Nach und nach baut sich ein Meer aus Hochhäusern auf, und immer wieder ragt ein noch höherer futuristischer Wolkenkratzer aus der Masse heraus. Doch auch mich lässt so ein Anblick nicht unbeeindruckt und fasziniert sauge ich die Eindrücke auf. Ein erster Spaziergang durch das feucht heiße Shanghai mit erschlagenden Temperaturen von knapp 40 Grad führt durch vertraute Strassen und Gegenden, doch immer wieder stelle ich fest, dass ganze Straßenzeilen umdekoriert, abgerissen oder neu aufgebaut wurden!

Das Praktikum beginnt bereits einen Tag später. Das Büro von Bertelsmann Direct Group und Arvato, wie auch das Lagerhaus, befinden sich in einer eher unprätentiösen Wohngegend im Südwesten der Stadt. Zwar ist Bertelsmann vor Ort das einzige Unternehmen und von einem Geschäftsviertel kann wahrlich nicht gesprochen werden, aber dafür säumen jeden Morgen zahlreiche kleine Stände die Strasse die frisch gebrutzelte Leckereien zum Frühstück verkaufen. Auch der Gemüse- und Fischmarkt, die Nudelsuppengarküchen (ab 30 Cent gibt es ein deftiges Mittagessen) sind ein netter Ersatz für vergleichsmäßig teure, an westlichem Geschmack orientierte Restaurants, wie man sie sonst in der Innenstadt findet. Dank einem günstigen Zufall kann ich an meinem ersten Tag an einem Orientation-Day, einem erstmalig stattfindenden Einführungstag für neue Angestellte bei Bertelsmann, teilnehmen und bekomme so dank Präsentationen, einer Führung und Mitarbeitergesprächen einen guten Überblick über die Firmensituation. Diese Veranstaltung wird unter anderem von einer alten Kommilitonin aus Deutschland durchgeführt (die Welt – ein Dorf), die mir natürlich noch eine ganz persönliche Einführung dank ihrer bisher gemachten Erfahrungen geben kann.

Mein 3-monatiges Praktikum findet bei Bertelsmann Direct Group im Bereich Public Relations, Firmenintern und -extern, statt. Da die Abteilung jedoch nur aus meiner Chefin, einem Management Trainee und mir besteht, sind

Internationale Buchmesse - Auslandspraktikum bei Bertelsmann

Internationale Buchmesse - Auslandspraktikum bei Bertelsmann

Eigeninitiative und Verantwortung hoch und die Einbindung in alle anfallenden Projekte garantiert. Meine Chefin, Miranda Yao, stellt mir zu Beginn die zu bearbeitenden Konzepte vor, doch bereitet mich ebenso darauf vor, mich in täglich anfallende Aufgaben einzubeziehen. Das größte Projekt während des Praktikums ist die Organisation und Planung des Bertelsmann Auftrittes auf der alljährlich stattfindenden Internationalen Buchmesse in der ersten Septemberwoche in Peking. Das Design des Messestandes, der Aufbau, die Gäste für tägliche Autoreninterviews auf dem Blauen Sofa, Pressekonferenzen, all das und noch vieles mehr müssen geplant werden. Das abrundende Highlight dieses Projekt wird die Reise zur Buchmesse nach Peking selbst sein.

Noch ist Chinas Medienszene relativ eingeschränkt, doch nach und nach öffnet sich der Markt. Bertelsmann war und ist einer der Pioniere die diesen Markt erobern möchten. Gerade jetzt, in dieser Entwicklungsperiode dabei zu sein ist eine großartige Erfahrung. Weitere Projekte sind unter anderem die komplette Organisation eines firmeninternen Wettbewerbs, um die neu gestaltete Chinesische Version der internationalen Bertelsmann Homepage zu promoten und die Unterstützung eines neu eröffnenden Museums. Das verspricht ein abwechslungsreiches, kreatives und herausforderndes Praktikum zu werden. Aufgrund raumtechnischer Gründe ist mein Arbeitsplatz jedoch leider nicht im Public Relations Büro, sondern in der Abteilung von Bertelsmann Asia Publishing (BAP), dem Verlag der Literatur für das Buchclub Sortiment herausgibt. Das kommt mir im Endeffekt natürlich zugute, denn ich bekomme so auch einen Einblick in die Arbeit dort, und werde in zusätzliche Aufgaben eingebunden. Das Verhältnis mit den Kollegen ist ein sehr gutes. Ein jeder ist sehr offen und freundlich gegenüber neuen Mitarbeitern und gleich am ersten Tag werde ich mit einer Führung durch die Abteilungen allen vorgestellt. Als Ergebnis habe ich mir keinen einzigen Namen gemerkt, aber dafür sind ja noch drei Monate Zeit.

Gleich in der ersten Woche kann ich an zwei Abteilungsdinnern teilnehmen und habe somit die Chance alle Kollegen etwas besser kennen zu lernen. Oh, wie habe ich das chinesische Essen vermisst! Gerade in diesen großen Runden, wenn 15 man um den Tisch gescharrt, eine Köstlichkeit nach der anderen aufgetischt wird, weiß ich was ich vermisst habe! Es ist großartig wieder hier zu sein. Ich treffe mich mit alten Freunden wieder, lerne neue kennen und genieße die diversen Freizeitmöglichkeiten, die mir Shanghai bietet. Ein unglaubliches Ice-T Konzert, Massagen, Tango-Milongas, Parties und natürlich das unschlagbare Essen. Leider erlebe ich auch den ersten Taifun meines Lebens. Zwar befinde ich während der schlimmsten Stürme in geschützten Räumen, jedoch den nächtlichen “Spaziergang” durch ein unter Wasser stehendes Downtown Shanghai nach Hause, werde ich nie vergessen. Immer sind die Straßen Shanghais befahren, zu jeder Uhrzeit Leute unterwegs, doch in dieser Nacht traf man nur wenige Gestalten die ebenso durch das teilweise kniehohe Wasser wateten. So rasch wie der Wind in jener Nacht durch die Straßen fegte, ist auch der erste Monat vergangen und ein neuer bricht an.

Stipendium aus dem Join the best Programm – Eine Initiative von MLP

Der zweite Monat meines Praktikums bei Bertelsmann beginnt relativ stressig. Es gibt viel zu tun, letzte Vorbereitungen für die Buchmesse in Peking lassen den Alltag um einiges hektischer werden. Doch macht mir die Arbeit viel Spaß. Anfang September fliege ich dann mit meiner Chefin nach Peking. Was folgt ist eine geschäftige aufregende Woche. Glücklicherweise ist das Verhältnis zwischen meiner Chefin und mir ein sehr gutes, so dass die enge und zeitlich intensive Zusammenarbeit sehr angenehm ist. Wir verbringen fast die ganze Zeit entweder auf dem Messegelände oder im Hotel zur Nachbereitung. Zum Glück war ich während meiner früheren Chinaaufenthalte bereits ein paar mal in Peking, sonst hätte ich sicherlich bedauert, so wenig Freizeit in Peking gehabt zu haben.

Auslandspraktikum in China - Join the best Praktikantenprogramm von MLP

Auslandspraktikum in China - Join the best Praktikantenprogramm von MLP

Die Messe an sich ist sehr interessant. Zum einen wenn man sieht, wie noch am Abend vor der Eröffnung gegen 22 Uhr Teile des Standes vollendet, umgeändert oder komplett ersetzt werden können. Alles scheint möglich in China. Die Response des Publikums ist großartig. Während des mehrmals täglich stattfindenden “Blauen Sofas”, einer Interviewrunde mit verschiedensten angesagten, populären Autoren, bildet sich oft eine so große Traube Interessierter um den Stand herum, dass benachbarte Stände anfangen sich zu beschweren.

Im Endeffekt jedoch ist die Teilnahme an der Buchmesse ein Erfolg und stolz nehme ich Glückwünsche diesbezüglich an. Wieder zurück in Shanghai starten intensive Vorbereitungen für den Wettbewerb über die neue gestaltete chinesische Firmenhomepage. Mit meinen zwei Kolleginnen zusammen haben wir uns darauf geeignet, die Promotion spielerisch zu verpacken und organisieren nun das “Bertelsmann IQ Game” unter dem Motto “Are you a Bertelsmann?”. Neben geeigneten Preisen und Trophäen, müssen nicht nur Lokalität und Teilnehmer gesucht werden, auch das Erstellen eines Fragenkataloges gehört zu den Aufgaben. Der eigentliche Event wird ein absoluter Erfolg. Welch Spektakel! Die Aussicht auf die Preise (und hoffentlich auch die Absicht zu beweisen, dass man ein “Bertelsmann” ist), läßt die lieben Kollegen ungewöhnlich übermotiviert agieren. Es gibt Moment in denen alle Teilnehmer von ihren Stühlen aufspringen, die Arme in die Höhe reißen und lauthals die Antwort brüllen! Und anschließend bald in Streit ausbrechen, wer denn der Erste gewesen ist! Ein voller Erfolg! Ich gehe jeden Tag aufs Neue wirklich gern zur Arbeit. Meine Kollegen sind alle sehr freundlich. Ich denke, die Tatsache, dass ich Chinesisch spreche, hat sicher auch etwas damit zu tun. Zwar sprechen die meisten auch Englisch, da es ja auch einige ausländische Mitarbeiter gibt, die der Chinesischen Sprache nicht mächtig sind, aber ich freue mich, dass ich soviel Gelegenheit habe mein Sprachlevel verbessern zu können.

Die Wochenenden verbringe ich meistens mit Tanzen. Zusammen mit meiner Chefin besuche ich jedes Wochenende Ballett, HipHop, Jazz… Kurse. Das nenne ich gutes Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis! Eine andere sehr attraktive Wochenendbeschäftigung, wohl eine der populärsten Chinesischen Freizeitaktivitäten in Shanghai neben dem Essen ist das Shoppen! Neben High-End Luxus Einkaufszentren in denen sich teure Designermarken langweilen und dem Fake-Markt, dem Hafen der Piraterie, wo sich die komplette westliche Welt mit Markenimitationen einzudecken scheint, warten zahlreiche Märkte auf Kundschaft. So sind zum Beispiel der Stoffmarkt zu empfehlen, wo an hunderten Stände jeweils hunderte von Stoffen warten nach Wunsch vernäht zu werden. Und ehe man sich versieht, ist man dem Rausch verfallen und hat sich für knapp 25 Euro einen Anzug schneidern lassen! Eben solche Faszination übt der Brillenmarkt aus. Auf hunderten Quadratmetern warten zahllose Brillengestelle in allen nur erdenklichen Farben, Formen. Und keine halbe Stunde und 15-20 Euro später, hält man sein neues Modell in benötigter Stärke in der Hand.

Chinesisches Essen - Praktikumserfahrung mit einem MLP Stipendium aus dem Join the best Programm

Chinesisches Essen - Praktikumserfahrung mit einem MLP Stipendium aus dem Join the best Programm

Und dann ist da noch die Faszination Essen. Da ich während meines letzten Chinaaufenthaltes schon alles probiert habe, was mir über den Teller kroch, wie Frosch, Hund, Schweinehirn und Blut, dachte ich, ich könnte so leicht nichts neues testen. Doch man mag zum Beispiel nicht glauben, welche Teile der Ente man so genießen kann. Da gibt es Entenhals, Entenwade, Entenzunge und Entenkiefer – und alles schmeckt anders! Und wer hätte je gedacht, dass nach genügend Versuchen auch Hühnerfüße zu einer Leckerei werden können! Und so sehe ich, den Hühnerfuß noch im Mundwinkel hängen, wie meine Zeit hier so schnell verrinnt. Schade!

Join the best Programm – Eine Stipendieninitiative für Auslandspraktika von MLP

Der letzte Monat meines Bertelmanns Praktikums hier in Shanghai scheint sogar noch schneller zu vergehen, als die ersten beiden. Nachdem die Buchmesse und das “Bertelsmann IQ Game” nun vorbei sind, warten neue Projekte auf. So arbeite ich zum Beispiel mit ein paar Kollegen an der Erstellung eines Businessplans für ein Projekt von SonyBMG. Weiterhin binden mich auch meine Kollegen von Bertelsmann Asia Publishing mit in ihre Projekte ein. So geht es darum den Markt an Verlegern und Büchern für Ausländer die Chinesisch lernen zu untersuchen, um eventuell später auch in diesen Markt einzusteigen. Dies ist auch für mich persönlich sehr interessant, habe ich doch während meines Studiums selbst erfahren welche Lücken es in diesem Markt noch zu füllen gibt. Diese Kontakte, die sich aus der Recherche ergeben, werden dann auf der Buchmesse in Frankfurt Ende Oktober intensiviert. Leider kann ich nicht dabei sein, da mein Praktikum am 19. Oktober zu Ende gehen wird.

Auslandspraktikum in Shanghai

Auslandspraktikum in Shanghai

Dieses Praktikum ist sehr lehrreich für mich. Dank der intensiven Betreuung und des Vertrauens das mir bei der Erledigung von Aufgaben gegeben wird, kann ich nicht nur Gelerntes anwenden, sondern lerne auch viel Neues dazu. Und wer weiß, vielleicht komme ich ja nach meiner Diplomarbeit, die noch zu schreiben ist, wieder zu Bertelsmann nach Shanghai zurück, wünschen würde ich es mir ja! Nun muss ich gestehen, dass ich bisher nicht umhergereist bin, wie es wahrscheinlich all meine Mitstipendianten auf der ganzen Welt bereits tun, aber ich kann zu meiner Entschuldigung sagen, dass ich ja bereits in meinem Auslandsjahr in China viel Orte bereist habe. Außerdem plane ich nach Beendigung meines Praktikums noch ein wenig das Land zu bereisen. So habe ich selbst den Nationalfeiertag am 1.Oktober und die anschließende freie Woche hier in Shanghai verbracht. Da jedoch zu dieser Zeit auch Millionen Chinesen Urlaub haben und sich auf Reisen machen, würde man wohl nirgends in China seine Ruhe finden. Aber auch in Shanghai sind die Strassen merkbar gefüllter, was bei dem sonst schon gewaltigen Strom von Menschen sehr beeindruckend ist. So gestaltet es sich schwierig einen Platz im Restaurant zu finden, geschweige denn ein Taxi. Ich habe es tatsächlich gewagt, am 1. Oktober am Bund entlang zu spazieren, einem der touristischen Highlights Shanghais mit dem endlos oft fotografiertem Motiv der Skyline von Pudong, inklusive Pearl Tower und dem derzeit höchsten Gebäude Shanghais, dem Jinmao Tower. Doch muss ich an dem Tag oftmals selbst als Fotomotiv herhalten, ungefragt und heimlich oder bewusst werden zahlreiche Aufnahmen meiner westlichen Gestalt geschossen. Manchmal frage ich mich, in wessen Fotoalben oder gar Bilderrahmen sich mein Bild wieder findet. Die sommerlichen Temperaturen, die bis in den Oktober hinein anhalten, laden des Nachts oft zu einem dekadenten Lebensstil ein. So gibt es zahlreiche Bars in Shanghai die mit Openair Terrassen und unvergleichbaren Aussichten locken. Wo sonst kann man seinen Cocktail schlürfen und hat dabei das Lichtermeer des People’s Square vor Augen oder die erwürdig angestrahlten Gebäude des Bund? Welch Kontrast bilden solche Abende zu all den kleinen Garküchen und Familienrestaurants in denen man vom Ambiente her vielleicht Abstriche machen muss (Neonlicht und Plastikhocker), jedoch bereits für circa 2 Euro sich zufrieden den vollen Bauch streicheln kann. Es sind solche und viele andere Gegensätze die für mich die Faszination Shanghais ausmachen. Die Altstadt mit den einst für Shanghai typischen Holzhäusern und im Hintergrund verspiegelte Glaspaläste die sich jenseits der 30 Stockwerke hoch in den Himmel recken; ruhige, friedliche Teehäuser, in denen die Stunden mit Tee und Sonnenblumenkernen entspannt vergehen und Menschenschlangen in westlichen Restaurants wie Pizza Hut oder KFC. Der Herzschlag dieser Stadt scheint schneller zu schlagen. Fast täglich verschwinden ganz Häuserzeilen, und werden neue Wolkenkratzer in die Höhe gezogen. Es ist aufregend und für mich der Ort, wo ich meine Zukunft sehe. Noch hat man die Chance auf den Zug aufzuspringen und sein eigenes Abteil aufzubauen. Ich bin sehr sehr dankbar für die Chance die dieses Praktikum geboten hat! Wir sehen uns in Shanghai!

Alexandra Foehre hat bei der ersten Runde des Join the best Stipendienprogramms im Jahr 2005 teilgenommen. Dieses Stipendienprogramm für Auslandspraktika wurde von MLP ins Leben gerufen. MLP unterstützt jährlich ca. 15 Stipendiaten bei der Finanzierung ihrer Auslandspraktika bei einem der MLP-Partnerunternehmen. Die Stipendien werden jährlich im Rahmen eines Assessment Centers bei MLP vergeben.

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