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Kategorie: 2005 Praktikum - Genf

Genf – die kleinste Metropole der Welt – Erster Teil

Auf meiner Reise nach Genf, wo ich im Praktikum bei Procter&Gamble meinen Sommer verbringen würde, war ich schon etwas schockiert, als ich am Münchener Flughafen in ein mikriges 60-sitziges Canadairjet umstieg. Einerseits wusste ich dass Genf “nur” 180.000 Einwohner hatte (Umland 400.000) und somit in der Größe nicht annähernd mit deutschen Großstädten mithalten konnte. Andererseits – obwohl ich vorher noch nie hier gewesen war – war mir bewusst, dass der Name Genf auch international sehr bekannt war und die Stadt einen exzellenten Ruf und einzigartigen Charme besaß. Gibt es irgendwo in der Welt eine weitere 180.000-Einwohner-Stadt, welche täglich bei CNN im Wetterbericht genannt wird? Desweiteren ist Genf in den Listen der Städte mit der höchsten Lebensqualität seit Jahren in den Top-Ten neben Sydney, Tokio und Paris vertreten. Ich war also sehr gespannt was mich erwarten würde.

Genfer See - MLP Auslandspraktikumsprogramm Join the best

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Schon bei meiner Ankunft am Flughafen in Genf zeigte sich die Stadt ganz wie ich sie mir vorgestellt hatte. Beim Marsch durch die langen unterirdischen Gänge vom Gate zum Hauptgebäude des Flughafens passiert man – wie in allen Flughäfen – riesige Werbewände. In Genf sind diese jedoch gesäumt einzig und allein von edlen Werbeplakaten Schweizer Privatbanken und der zahllosen bekannten Genfer Uhrenmanufakturen. Kurz überlegte ich ob mein Praktikantengehalt ausreichen würde, aber … ich sollte doch besser zügig mein Gepäck holen.

Am 1. August, meinem ersten Tag in Genf, der zufällig Schweizer Bundesfeiertag ist, hatte ich sehr viel Zeit, die Stadt zu erkunden. Auch gezwungen von der Tatsache, dass mich mein Kühlschrank wie zu erwarten war nur durch gähnende Leere beeindrucken konnte. Natürlich zog es mich direkt an den See, und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Die Stadt liegt wunderschön an der Südspitze des Genfer Sees, umgeben von einer einzigartigen alpinen Kulisse. Bei guter Sicht kann man sogar in der Ferne Europas höchsten Berg erblicken, den Montblanc. Das Wahrzeichen der Stadt, die 130-Meter hohe Wasserfontäne Jet d’eau ist sehr beendruckend, und an heissen Tagen ist sie als überdimensionale öffentliche Erfrischungsdusche besonders bei ostasiatischen Touristen sehr beliebt. Nach diesem ersten Tag war ich mir sicher, dass ich mich in den nächsten drei Monaten in Genf bestimmt nicht langweilen würde.

Am Dienstag, 2. August 2005 begann ich also mein Praktikum als “Financial Analyst” in der Business Unit “Family Care” bei Procter & Gamble in der Europazentrale in Genf. Ich wurde sehr freundlich empfangen, und kam direkt in den Genuss einer kleinen Campusführung mit zwei anderen Praktikanten aus Schweden und Schottland, die am selben Tag Ihr Praktikum antraten.

Schon bei meiner Ankunft fiel mir auf, dass Procter&Gamble wohl nicht umsonst schon mehrmals zu den beliebtesten Arbeitgebern der Welt gewählt worden war. Das Arbeitsklima ist äußerst entspannt, und schon die geräumigen Großraumbüros, die unzähligen “huddle rooms” und coffee-lounges auf allen Etagen zeigen, dass die Firmenkultur sehr auf Kommunikation, Teamwork und dem Lernen von anderen aufbaut.

Aus reinem Zufall fand in der ersten Woche meines Praktikums das sogenannte “Beauty Event” statt, zu dem alle Praktikanten aus ganz Europa eingeladen waren, um die Sparte “Beauty” von Procter&Gamble kennenzulernen. Dieses zweitägige Seminar kam mir sehr gelegen, da ich einerseits sehr viel über die Firma und ihre Produkte erfahren konnte, und andererseits direkt Bekanntschaft mit allen P&G-Praktikanten aus ganz Europa machte.

Nach dem lockeren Beauty Event der ersten Tage musste ja irgendwann meine wahre Arbeit auch mal beginnen: Bei meiner ersten Ankunft in meiner Abteilung wurde ich sofort mit Laptop und Telefon ausgestattet, anschließend allen Mitarbeitern aus meiner Business Unit vorgestellt und war sehr erfreut, direkt von allen Seiten zu hören, dass Fragen allgemein sehr willkommen seien. Ich bekam ein erstes on-boarding von meinem Vorgesetzen, in dem mir meine Aufgaben und Verantwortungen für die nächsten 10 Wochen vorgestellt wurden. Einerseits freute es mich sehr zu erfahren, welche persönlichen Gestaltungsfreiräume mir überlassen werden, andererseits löste die große Verantwortung, die ich für mein Projekt trage, schon ein mulmiges Gefühl aus. Meine Aufgabe besteht im großen und ganzen darin, einen bestimmten Teil des Budgets der Global Business Unit Family Care zu analysieren, mit dem Ziel, die Budgetausgaben sowohl effizienter, als auch effektiver zu machen. Dabei geht es um drei bekannte Marken und die Länder Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und Großbritannien. Mein vorgegebener Trainingsplan legte fest, von wem ich in welchem Zeitraum ein on-boarding bekommen sollte. Diese on-boardings waren sehr hilfreich, da ich schon einen Überblick über den Umfang meines Projektes gewann und auch die erste Gelegenheit hatte, die anderen Mitarbeiter etwas näher persönlich kennenzulernen.

Praktikum Genf - MLP Stipendienprogramm Join the best

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Ich kann nicht verleugnen mich in der ersten Woche etwas von all den Informationen erschlagen gefühlt zu haben und war enorm froh, als ich hörte, dass ich nicht der einzige Praktikant mit diesem oder ähnlichen Problemen war. Anfangs fand ich es fraglich, ob es sinnvoll war, einen Praktikanten mit einer Aufgabe zu beauftragen, welche meiner damaligen Ansicht nach eigentlich nur mit Erfolg zu lösen ist, wenn man sich mit den Produkten, Prozessen und Zuständigkeiten sehr gut auskennt. Noch nie vorher hatte ich mich damit befasst, aus wievielen Lagen ein bestimmtes Küchentuch besteht, hatte keine Ahnung in wie vielen Ländern P&G Fabriken mit welchen Produktionskapazitäten betreibt oder wer welcher Experte für einen bestimmten Fertigungsprozess ist. Wieso überträgt man diese Aufgabe nicht an jemanden, der die Firma schon gut kennt, mit den Prozessen vertraut ist und vor allem über das persönliche Netzwerk verfügt, in dem er schnell erkennt, durch wen er an welche Informationen gelangt? Im Endeffekt hatte ich jedoch recht schnell erkannt, dass diese Aufgabe für mich eine große Chance war, innerhalb von kurzer Zeit über die Firma P&G, ihre Produkte, und die internenen Prozesse mehr zu erfahren und außerdem viele P&G Kollegen aus ganz Europa kennenzulernen.

In unregelmäßigen Abständen organisiert P&G ein lunch-meeting der Praktikanten mit wichtigen Persönlichkeiten aus dem höheren Managment. Zum ersten dieser Veranstaltungen trafen wir uns mit dem Chief Financial Officer P&G Europa, der sich vorstellte mit dem Satz “I am here to show you guys that Procter&Gamble is the coolest company in the world!” Er berichtete von seiner persönlichen Laufbahn, und den Projekten auf denen er bis heute gearbeitet hat. Er, der in den USA aufgewachsen ist und für P&G schon auf allen Kontinenten gearbeitet hat, beteuerte immer wieder, all sein Handeln sei von einem Motiv beeinflusst: “All we do must be lead by the goal to create value”. Auch kritischen, ethischen Fragen, wie zum Beispiel auf welche Weise eine Firma wie P&G Wert kreieren wolle, wenn sie aus Kostengründen mehrere hundert Mitarbeiter in einem Land entlasse um in ein anderes abzuwandern, hat er ehrlich und ohne zu zögern ausfühlich beantwortet. Ich in meiner Rolle als Praktikant finde es einfach enorm interessant von Personen aus dem höheren Management zu erfahren wie sie ihren Weg gegangen sind und wie sie sich mit der Zeit sowohl persönlich als auch beruflich entwickelt haben. Einige dieser Menschen mögen mir helfen herauszufinden, in welche Richtung ich mich beruflich entwickeln möchte, andere werden sogar zu Vorbildern, welche für mich persönlich eine enorme Motivation hervorrufen.

Ein vierteljährlich stattfindendes Procter&Gamble Finanzplanungstreffen der Business Unit Family Care West Europa, das hört sich an nach 5-Sterne Tagungshotel mit 18-Loch Golfplatz endlosen Lobreden, ungemütlichem Numbercrunching und 150-Slides langen Powerpoint Präsentationen. Nur teilweise korrekt! Zu diesem Meeting kamen letzte Woche alle Finanzanalysten der Business Unit Family Care aus ganz Europa zusammen – in einem Chalet in den Schweizer Alpen auf 2100 Metern Höhe. Ehrlich gesagt fühlte es sich an wie ein Skiurlaub gemeinsam mit einer Gruppe pubertierender Jugendlicher, aber ganz bestimmt nicht wie Arbeit! Und genau das war die Intention. Einzelzimmer? Falsch. Schlafräume mit acht Etagenbetten, Skiurlaubflair eben! Internet? Auf 2100 Metern fern ab von jeder Zivilisation, sonst noch Wünsche? Powerpoint Präsentationen, tja da hört die Askese dann auf, ohne die geht es heutzutage nun wirklich nicht mehr. Genau dieser Flair machte diese drei Tage wahrscheinlich zu dem lockersten Meeting was ich je erlebt hatte. Wenn bei bei einer Flasche Wein (oder auch zwei) und Kamingeknister über Budgets und Finanzplanungen diskutiert wird dann muss doch mehr herauskommen, als mit festgezogener Krawatte in sterilen Meetingräumen voll mit exklusivster technischer Ausstattung des 21. Jahrhunderts. Es war auf jeden Fall ein Erlebnis, Kollegen aus Niederlassungen im Ausland mit denen ich schon so oft telefoniert hatte in einer solch urigen Atmosphäre endlich persönlich kennenzulernen. So lernt man wirlich mal eine ganz andere Seite eines 180.000 Mitarbeiter schweren Weltunternehmens kennen.

Tegla Loroupe, mehrmalige Gewinnerin des New York Marathons und Halterin des Weltrekords auf 42,2 Kilometern, kommt zu Besuch in unsere Business Unit, um uns den engen Zusammenhang zwischen einem Marathonläufer und einem/r erfolreichen/r Manager/in darzustellen. Dies war eines der typischen Motivationsevents, die auf die ausdrücklichste Weise P&G’s enorm amerikanische Unternehmenskultur widerspiegelt. “Es gibt Leute, die laufen barfuss(!) über mehr als 40 Kilometer, dann werdet Ihr es doch wohl schaffen unserem Unternehmen Gewinne einzufahren, oder?!” Tegla habe diese Woche nicht viel trainiert, sie sei “die letzten fünf Tage nur 200 Kilometer gelaufen”. Disziplin und Durchhaltevermögen und der feste Siegeswille seien für sie die wichtigsten Vorraussetzungen, ohne die sie die Erfolge der letzten Jahre niemals erreicht hätte. Alle Ihre Erfahrungen wurden im Laufe Ihres Vortrages immer wieder in Verbindung gebracht mit Erfolgen im Unternehmen, mit dem Ziel, darzustellen, dass man mit der richtigen Motivation der eigenen Mitarbeiter Welten verändern kann. Schon sehr beeindruckend, aber dennoch soo amerikanisch! Der General Manager der Business Unit, natürlich US Amerikaner, der unlängst mit 15 blinden (!) Kindern den Kilimanjaro erklommen hat, und gerade vom Chicago Marathon wiedergekommen war, war immer der Initiator dieser Aktionen, dennoch ist diese Arbeitskultur schon längst auf fast alle Mitarbeiter übergegangen! Motivation muss nicht unbedingt nur durch finanzielle Leistungen erreicht werden. Ein charismatischer Abteilungschef, kann schon einen enormen Einfluss auf die Arbeitseinstellung der Mitarbeiter ausüben! Dies ist nur eines von vielen Beispielen, an denen man die Herkunft der Firma nur unschwer erkennen kann. Andere Beispiele sind Kampagnen wie “From Winners to Champions!” und “From Swimmers to Waterwalkers!”

Je mehr sich der Tag meiner finalen Projektpräsentationen näherte, desto stressiger wurde die Arbeit. Meine beiden Hauptprojekte, eine Benchmarkanalyse der TDC (Total Delivered Cost) der Wettbewerber in Europa und eine Effizienz- und Effektivitätsanalyse der Marketingausgaben der gesamten Business Unit schienen am Ende wirklich hilfreiche Ergebnisse zu liefern. Genau das war dann umso mehr Motivation, sicherzustellen, dass alle Daten und Resultate auch wirklich verlässlich und einwandfrei waren. Die Mittagspausen wurden immer kürzer, der gelegentlich Kneipenbesuch unter der Woche musste meistens abgesagt werden, aber trotz grossen Arbeitspensums machte der Job dennoch immer mehr Spass. Präsentationen war ich schon von meinem Studium in Maastricht gewohnt. Eine 60-minütige Präsentation vor 20 Komilitonen und einem Professor in lockerer Atmosphäre ist aber dennoch etwas anderes, als vor 12 P&G Finance Managern zwei Stunden lang die Ergebnisse meiner Arbeit der letzten 11 Wochen vorzustellen. Von der anschliessenden Fragerunde natürlich ganz zu schweigen. Dennoch gab es ein sehr positives Feedback und ich war sehr glücklich zu hören, dass die Ergebnisse meiner Präsentation dem Unternehmen wirklich weiterhelfen werden. Genau wie das Feedback zu meiner Präsentation sieht auch mein Feedback zu den letzten 11 Wochen aus. Ich habe die Zeit bei Procter&Gamble in Genf sehr genossen und konnte definitiv enorm davon profitieren. Eine Universität kann einem nur einen Bruchteil dessen lehren, was man für den Beruf benötigt. Persönliche Erfahrungen kann man eben nicht lehren. Nicht nur ich habe viel gelernt über die Arbeit im Management eines Weltunternehmens, sondern auch generell über das Berufsleben habe ich viele Erfahrungen sammeln können. Ausserdem habe ich sehr viele interessante Menschen aus verschiedensten Ländern von allen Ebenen des Unternehmens kennengelernt. All diese Erfahrungen helfen mir, mich persönlich weiterzuentwickeln, und tragen enorm zu meiner Entscheidung bei, in welchem Bereich der Arbeitswelt, der Wirtschaft, eines Unternehmens einer Abteilung ich mich nach dem Ende meines Studiums selbst verwirklichen möchte.

Nils Garrelfs hat in der ersten Runde des Join the best Programms von MLP im Jahr 2005 ein Stipendium gewonnen. Diese Initiative von MLP hat es sich zum Ziel gesetzt, Studenten bei der Vorbereitung auf den Berufsstart zu fördern. Die Stipendiaten werden in einem mehrstufigen Prozess ausgewählt. Dazu müssen Sie unter anderem ein Assessment-Center (AC) in Ihrer MLP Geschäftsstelle und anschließend ein weiteres AC auf dem MLP Campus in Wiesloch durchlaufen. Beim zweiten AC auf dem MLP Campus, sind neben den MLP-Mitarbeitern auch Vertreter der jeweiligen Firmen, bei denen die Praktika stattfinden, vor Ort auf dem MLP Gelände anwesend.

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