Auf der anderen Seite der Welt: Praktikum bei der MAN Nutzfahrzeuge AG in Johannesburg

Erfahrungsbericht zum Auslandspraktikum von Aleš Kolar

  1. Ankunft in Afrika: die ersten Tage in Johannesburg
  2. German Bierfest und Little Italy
  3. Es gibt viel zu tun: Übersetzungen und Projekte
  4. Work-Life-Balance: zwischen Projekten und Barbecue
  5. Arbeitsreiche Zeit mit kleinem Ausflug an den indischen Ozean
  6. Schneeballschlacht und Teamwork
  7. Vom Praktikant zum vollwertigen Teammitglied
  8. Viele Erfahrungen fördern eine steile Lernkurve
  9. Zwischen zwei Welten: Büroalltag vs. Township
  10. Stressige Arbeitswoche und ausgleichendes Wochenende
  11. Der erste Abschied – die letzten zwei Monate ohne Mitbewohner
  12. Facettenreiches Afrika: Mpumalanga und Mosambik
  13. Angespannter Wochenstart: Kriminalität und Sturmwarnung
  14. Ein Ende ist in Sicht – die letzten Wochen
  15. Du kannst Afrika verlassen – doch Afrika wird Dich niemals verlassen

Johannesburg ist mit rund 8 Millionen Bewohnern größte Metropole in Südafrikas. Die MAN Nutzfahrzeuge AG produziert hier Reise- und Stadtbusse für viele afrikanische Länder. Aleš Kolar bekommt als Prakikant tiefe Einblicke in die Arbeit eines Ingenieurs. Schnell wird er vollwertiges Teammitglied. In seinem Bericht erzählt er sehr ausführlich über das Leben und Arbeiten in Johannesburg.

Neue Projekte – neue Erfahrungen

Aleš erhält durch die eigenen Projekte tiefe Einblicke in das Unternehmen

Am Montag sind die neuen Halterungen für die Seitenklappen gekommen. Eigentlich sollten vorerst nur 25 Teile vom Zulieferer hergestellt werden, damit vor Einführung in die Produktion sichergestellt werden kann, dass die neue Konstruktion alle Ansprüche erfüllt. Allerdings sind gleich über 200 Teile geliefert worden. Generell hat man hier öfter mit der Einstellung der Zulieferer und der Kommunikation untereinander zu kämpfen. Schlussendlich funktioniert es aber, irgendwie. Die neuen Halterungen sind mittlerweile auch im Einsatz und funktionieren wie erwartet und erhofft. Bevor es allerdings soweit war, mussten die zuständigen Schweißer persönlich von mir instruiert werden. Leider kommt es noch häufig vor, dass die aktualisierten technischen Zeichnungen von den Mitarbeitern in der Produktion unbeachtet bleiben. Somit ist der sicherste Weg, die letzten Änderungen an der jeweiligen Konstruktion auch persönlich mit dem Auszuführenden durchzusprechen.

Des Weiteren habe ich in dieser Woche angefangen mit dem CAD-Programm INVENTOR zu arbeiten. Neben CATIA und der Dokumentationssoftware MAGIC somit die dritte Software, die ich verwende. Nach kurzem Lehrgang durch meinen Kollegen hab ich mich auf eigene Faust mit der Software vertraut gemacht. Generell lässt sich feststellen, dass INVENTOR schneller zu erlernen und einfacher zu bedienen ist. Spätestens bei komplexen Modellen (z.B. Flächenmodelle mit unterschiedlichen Krümmungen) muss allerdings wieder auf CATIA zurückgegriffen werden.

Streetball Turnier und Hip-Hop-Battle

Am Samstag war ich in Johannesburg City bei einem Streetball Turnier mit anschließendem Hip-Hop-Battle. Wo Basketball ist, ist natürlich auch Hip-Hop. Auf der Heimfahrt hatten wir dann einen Reifenplatzer auf dem Highway. Und ich durfte feststellen, dass wir weder Ersatzreifen noch Warndreieck dabei hatten. Den Ersatzreifen bekamen wir von Freunden, die uns glücklicherweise gefolgt sind. Das Warndreieck ist in Südafrika nicht vorgeschrieben, was ich absolut nicht nachvollziehen kann. Am Sonntag gab es auf den Straßen von Sandton City (Südafrikas Beverly Hills) das große Renault F1 Event. Hauptattraktion war der Renault Formel 1 Wagen, welcher mit Giancarlo Fisichella hinterm Steuer und knapp 300 Sachen an uns vorbei schoss. Ziemlich beeindruckend.

„Learning by doing“

Die nächste Woche verbrachte ich zu Beginn an der INVENTOR Workstation. Die Modellierung der Luftfilter-Seitenklappe nach speziellem Kundenwunsch war eine gute Aufgabe, um getreu dem Motto „learning by doing“ mit der Software vertraut zu werden. Die Änderung der Seitenklappe erforderte insgesamt vier neue Zeichnungen: Das Plattenelement, die Schweißverbindung, der komplette Zusammenbau und die Installation.

Am Dienstagabend haben wir „The Lion King“ (Der König der Löwen) im neuen Musicaltheater besucht. Die Geschichte kannten wir zwar schon vom Kinofilm, trotzdem hat sich der Besuch schon allein von der Musik, dem Gesang und den Kostümen gelohnt.

Vom Zuhörer zum Mitredner

Am Mittwoch bekam ich eine neue Aufgabe vom Manager der Ingenieurabteilung. Ein Kunde hat Busse mit diversen Abweichungen zur Standardkonstruktion bestellt. Nun sollten die Materiallisten und technischen Zeichnungen zu all diesen kundenspezifischen Änderungen in einem Ordner zusammengetragen werden. Eine Aufgabe, die nur durch viel Recherche erledigt werden kann. Allerdings kann ich nun behaupten, dass ich einen sehr guten Überblick über das komplette Projekt habe, was mich bei diversen Gesprächen nicht mehr nur zum Zuhörer sondern mittlerweile zum Mitredner macht.