Auf der anderen Seite der Welt: Praktikum bei der MAN Nutzfahrzeuge AG in Johannesburg

Erfahrungsbericht zum Auslandspraktikum von Aleš Kolar

  1. Ankunft in Afrika: die ersten Tage in Johannesburg
  2. German Bierfest und Little Italy
  3. Es gibt viel zu tun: Übersetzungen und Projekte
  4. Work-Life-Balance: zwischen Projekten und Barbecue
  5. Arbeitsreiche Zeit mit kleinem Ausflug an den indischen Ozean
  6. Schneeballschlacht und Teamwork
  7. Vom Praktikant zum vollwertigen Teammitglied
  8. Viele Erfahrungen fördern eine steile Lernkurve
  9. Zwischen zwei Welten: Büroalltag vs. Township
  10. Stressige Arbeitswoche und ausgleichendes Wochenende
  11. Der erste Abschied – die letzten zwei Monate ohne Mitbewohner
  12. Facettenreiches Afrika: Mpumalanga und Mosambik
  13. Angespannter Wochenstart: Kriminalität und Sturmwarnung
  14. Ein Ende ist in Sicht – die letzten Wochen
  15. Du kannst Afrika verlassen – doch Afrika wird Dich niemals verlassen

Johannesburg ist mit rund 8 Millionen Bewohnern größte Metropole in Südafrikas. Die MAN Nutzfahrzeuge AG produziert hier Reise- und Stadtbusse für viele afrikanische Länder. Aleš Kolar bekommt als Prakikant tiefe Einblicke in die Arbeit eines Ingenieurs. Schnell wird er vollwertiges Teammitglied. In seinem Bericht erzählt er sehr ausführlich über das Leben und Arbeiten in Johannesburg.

Ankunft in Johannesburg

Es war 9 Uhr, Mittwoch, der 2. Mai, als ich die Boeing 747 verließ und mich die Gangway hinunter Richtung Pass- und Zollkontrolle machte. Gerade mal zwei Stunden eher schlecht als recht geschlafen. Lag es an der unbequemen Sitzhaltung oder doch an der gestiegenen Aufregung? Immerhin wird einem während des über 10-stündigen Fluges erst so richtig klar, dass man das Flugzeug auf der anderen Seite der Kugel verlassen wird.

Ich wurde bereits erwartet. Vom Flughafen aus fuhren wir direkt zu meinem künftigen Arbeitsplatz bei der MAN Bus & Coach Ltd in Olifantsfontein, einem Industrieviertel im Großraum Johannesburg. Dort wurden mir auch gleich viele meiner künftigen Mitarbeiter vorgestellt, u.a. auch Latifa, meine Ansprechperson in der Personalbetreuung und Sebastian, ein weiterer Praktikant aus München, welcher für vier Monate in der Produktion tätig sein wird. Er wird außerdem mein Zimmernachbar in der Unterkunft sein und wir werden uns gemeinsam den Mietwagen teilen, einen netten kleinen Opel Corsa.

Der erste Arbeitstag

Das Werk ist Produktionsstätte von Reise- und Stadtbussen für viele afrikanische Länder. Etwas über 200 Mitarbeiter sind dort tätig, davon in etwa 30 Ingenieure. Es gibt auch eine Konstruktionsabteilung, in der ich tätig sein werde, quasi als Nachfolger meines JTB-Vorgängers (siehe Erfahrungsbericht 2006 von Philipp Reinisch). Besonderheit eines hier produzierten Busses liegt beim betriebsbedingten Einsatz eines LKW-Fahrwerks. Die Karosserie der Busse muss u.a. auf den in der Front liegenden Motor angepasst werden. Aber auch kundenspezifische Wünsche stellen die Ingenieure der Konstruktions- und Produktionsabteilung immer wieder vor neue Herausforderungen.

Wohnen im Bed & Breakfast

Aleš teilt sich den Mietwagen mit seinem Mitbewohner

Nach der Arbeit ging es zur Unterkunft, welche mit dem Wagen gerade mal ein paar Minuten entfernt ist. Trotzdem war es eine mühevolle Aufgabe sich auf den Linksverkehr und den gespiegelten Innenraum des Wagens umzustellen; man wird quasi wieder zum Fahranfänger. Die Unterkunft ist ein Bed&Breakfast. Ich habe ein sehr nettes Zimmer mit ausreichend Platz, einen Fernseher, ein eigenes Badezimmer, sowie Frühstück und Abendessen. Das Grundstück wird abgesichert durch ein automatisches Tor sowie elektrischen Sicherheitszaun, was übrigens in Südafrika zur Standardausstattung gehört.

Am Donnerstag und Freitag wurde ich von den Mitarbeitern im Werk mitgeführt, um den Ablauf und die anstehenden Aufgaben überblicken zu können. Meine erste Aufgabe war außerdem eine Untersuchung bez. der Innenraumverkleidung. Diese sei laut Kunde aufgrund der eingebrachten Textur kaum zu reinigen. Ein Testobjekt wurde mit verschiedensten Schmutzarten versehen, um dann in mehreren Stufen mit unterschiedlichen Reinigungsmitteln gesäubert zu werden.

Das erste Wochenende

Am Wochenende hat uns Latifa nach Sandton gefahren, dem „Beverly Hills“ von Johannesburg. Dort haben wir uns den Nelson Mandela Square angesehen, welcher definitiv noch mehrere Besichtigungen Wert ist. Außerdem hat sie uns ihrer Familie und Freunden vorgestellt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde mir klar, dass die Menschen hier überaus freundlich und zuvorkommend sind. Am Sonntag ging es dann mit Sebastian zu einem Naturreservat ganz in der Nähe der Unterkunft. Dort haben wir u.a. Nashörner, Zebras und Strauße bewundern dürfen.