Praktikumsbericht 7. Teil – MLP Praktikantenprogramm
Die Wochen zwölf bis siebzehn: „Mit dem Fahrrad?!?“, „Peter und der Wolf“ und: DEUTSCHLAND IST WELTMEISTER!!

Praktikum Niederlande – Join the best eine Initiative von MLP
Ein neues Jahr – ein neues Testdesign für einen Teil unseres Projektes. Allerdings ein deutlich Komplizierteres, und so musste ich mich erst mal wieder neu rein denken, um dann wieder Berechnungen daran durchführen zu können. Außerdem begann ich einen „Report“ über meine Arbeit zu schreiben, der Erklärungen und Fragen zu meinem Projekt beantworten soll, und nach dem Druck dann innerhalb von ganz Shell zugänglich sein wird. Daneben verabschiedete sich mein Kollege Ivo in ein anderes Team, so dass wir zu seinen Ehren ein wirklich ausgezeichnetes Team-Abendessen hatten, bei dem – wie sollte es auch anders sein- der französische Kollege den Wein aussuchte. Zu dem Essen selbst sind unser Teamchef, Jan-Jette, Ivo und ich übrigens mit dem Fahrrad gefahren: Teamchef voraus, wir anderen hinterher, und Jan-Jette erklärte mir vom Fahrrad aus einige Rijswijker Gebäude, oder um es mit seinen Worten zu sagen: „That’s the touristic tour for you.“.
Einige Wochen später kündigten sich dann an der niederländischen Küste der Orkan „Kyrill“ an. Doch während es in Hamburg bereits Sturmflutwarnungen gab, fuhren die Niederländer weiter fröhlich mit dem Fahrrad zur Arbeit…Wenn es um’s Radeln geht, lassen die Niederländer sich wirklich nicht so schnell aus dem Konzept bringen!
Doch die Woche hat nicht nur fünf Tage, sondern noch zwei für’s Wochenende: Geplant war eigentlich nach Heidelberg zum diesjährigen finalen „Assessment-Center“ zu fahren. Doch „Kyrill“ hatte die Verbindung Holland-Deutschland komplett lahm gelegt. Und die Frage, wann denn wieder ein Zug nach Deutschland fährt wurde mit einem gelassenen „perhaps tomorrow“ beantwortet.
Aber es gab ja noch Amsterdam mit u.a. einer absolut genialen Sonderausstellung zum Expressionismus, und noch viel mehr, so dass es nicht langweilig wurde. Und üben musste ich ja auch noch: Die beiden „Peter und der Wolf“-Konzerte standen auf dem Programm. Das kennt wohl jeder noch aus seiner Kindheit, und so spielte das „Bataafs Orkest“ vor jeweils 200 Grundschulkindern aus Den Haag. Die reagierten dann auch mit wirklicher Begeisterung: Die Vorstellung der verschiedenen Instrumente des Orchesters am Anfang wurde mit lauten „Bravo!“-Rufen quittiert, und beim Erscheinen des „großen, bösen Wolfes“ rutschten viele etwas tiefer in die Bänke, und es war so still, dass man eine Münze hätte fallen hören.
Ansonsten brachten diese Wochen auch wieder einige Einladungen zu Jan-Jette und Marceline mit sich. Und weil mir ein Gericht ganz besonders gut schmeckte, versorgten mich die beiden nicht nur mit dem Rezept, sondern Jan-Jette brachte später kurzerhand auch noch die passende Grundzutat mit ins Büro. Außerdem wurde Deutschland Handball-Weltmeister!! Da habe ich echt bereut, nicht daheim zu sein. Obwohl – die hitzige Diskussion mit meinem französischen Kollegen über das Halbfinalsspiel haben dann doch einiges wieder wettgemacht.
Praktikumsbericht 4. Teil – MLP Praktikumsprogramm
Von Schaumstoff, Star-Trek und toten Monarchen: Fünfte und sechste Woche
Nach den Vorbereitungen der technischen Konstruktion für die Fluid-Dynamik-Rechnungen in den letzten Wochen, habe ich jetzt mit den Berechnungen selbst angefangen. Natürlich ist die Physik und Mathematik, die hinter Strömungsberechnungen liegt, hoch komplex (denkt mal nur daran, wie viele verschiedene und komplizierte „Wirbelmuster“ in einer Teetasse oder in der Badewanne erzeugt werden können), weshalb es immer nur möglich ist, die „Formeln“, die man hier hat, bis auf einen kleinen, vernachlässigbaren Fehler zu lösen. Dazu gibt es Software-Pakete, die mit vielen ausgefeilten mathematischen Algorithmen genau dies tun.
Aha, man muss also nur den richtigen Knopf drücken, und dann passiert alles automatisch??? Nein!! Natürlich ist das Leben (auch hier) nicht so einfach. Denn wer genau sagt, wie gut die Näherung ist? Schließlich hat man nicht die „richtige“ Lösung um vergleichen zu können.

Praktikum Niederlande – MLP Programm Join the best
Hier kommt jetzt eben viel mathematisches und physikalisches Wissen (und damit ich) ins Spiel! Neben dieser Herausforderung, gab es aber auch wieder viel anderes zu entdecken: In der fünften Woche bin ich für einen Tag zusammen mit anderen jungen Shellmitarbeitern aus den verschiedensten holländischen Niederlassungen in die „onshore“ Pernis Raffinerie bei Rotterdam gefahren. Die Pernis Raffinerie ist die größte Europas und eine der größten der Welt. Überall Leitungen, Kontrollkästen, große Schiffscontainer, die auf die Verladung im nahe gelegenen Hafen warten und vor allem: Rohre. Überall. Große, kleine, lange, kurze, schwarze, weiße, gebogene und gerade. So viele Rohre, dass man –würde man alle aneinander stöpseln- damit zweieinhalb mal die Erde umrunden könnte und bestimmt mehr Rohre, als ich in meinem ganzen Leben bisher gesehen habe! So jetzt aber: Preisfrage: Was wird hier eigentlich produziert? Natürlich fallen sofort Diesel und Benzin ein. Aber ein Hauptprodukt ist auch etwas, das aussieht wie weißer, flüssiger Yoghurt: Die „Grundsubstanz“ für Schaumstoff, die dann in Pipelines zu den Endproduzenten weitergeleitet wird!
Seit ich an diesem Tag in Rotterdam gesehen habe, was für eine technische Mammutleistung hinter so etwas Banalem wie Schaumstoff steckt, behandle ich meinen gepolsterten Schreibtischstuhl mit mehr Respekt.

Praktikum Niederlande – Join the best eine Initiative von MLP
Nach diesem echt spannenden Tag stand dann am Abend noch eine Orchesterprobe auf dem Programm. Dieses Mal war sogar mein Praktikumsbetreuer Jan-Jette dabei, der sich entschieden hatte, für das bevorstehende Konzert unsere etwas magere Geigenbesetzung zu verstärken.
Nach einem Mittagessen am Montag mit dem Manager der Forschungsabteilung und anderen jungen Shell-Mitarbeitern, einem Kurs über internationale Export-Bestimmungen (O-Ton des Kursleiters: “For this course you have to bear in mind that export control regulations have to do with power and politics – not with logic and common sense…“) folgte das Highlight dieser Woche: Eine Einführung in die so genannte 3D „I-Zone“ der Geologen. Noch in den 70ern wurden seismische Daten auf riesige Papierbögen ausgedruckt und anschließend mit Buntstiften (!!) bearbeitet. Das änderte sich erst mit der Einführung der Personal-Computer und gipfelte im Einsatz modernster Bildbearbeitungssoftware: Es wurde eine Art Raum entwickelt, der komplett von Leinwänden eingeschlossen ist (sogar der Fußboden!): Jede Bewegung, die man macht, wird vom Computer gemessen, und entsprechend ins Bild „eingerechnet“- also fast so wie auf dem „Holodeck“ bei Star-Trek…. Dieses Konzept wurde zum Spaß mal für eine Achterbahnfahrt ausprobiert: Der Wagen stand in diesem „Leinwandraum“ und alles andere wurde berechnet. Dabei soll es Leute gegeben habe, denen es von dieser Achterbahn“fahrt“ tatsächlich schlecht wurde! Was ich in dieser „I-Zone“ dann zu sehen bekam, war eine abgespeckte Version davon: Eine Art IMAX 3D Kino, das verwendet wird, um die komplexen und vielschichtigen, dreidimensionalen, seismischen Daten der Geologen in passender Form darstellen zu können. Mit der 3D Brille auf der Nase steht man jetzt also inmitten eines ganzen Gebirges, um sich Felsformationen, den Verlauf von Bohrlöchern und verschiedene Bodenschichten genauer anzusehen. Wirklich beeindruckend!
Die Wochenenden waren wieder den verschiedensten Dingen gewidmet: Eine Geburtstagsparty (ein Freund Priscilias hatte Geburtstag), Kinobesuche mit verschiedenen Leuten, eine Einladung Lilians in die ihrer Meinung nach beste Eisdiele Den Haags und zusammen mit Priscilia und anderen Erasmus-Studenten ein Ausflug nach Delft: Eine der angeblich schönsten Städte der Niederlande überhaupt, mit vielen schmalen Häuschen, verwinkelten Gassen und (natürlich) Grachten und: der Kirche, in der alle Mitglieder des niederländischen Königshauses bestattet werden (natürlich nur die verstorbenen). Schade nur, dass es nicht Sommer ist: die vielen netten kleinen Cafes an den Kanälen sind dann bestimmt noch schöner! In Delft habe ich auch zum ersten Mal so eine Art gefüllte Minipfannkuchen mit ganz viel Sahne probiert – eine holländische Spezialität. Lecker!!! Und weil zu Hause die Welt auch nicht still steht, habe ich an diesen Wochenenden auch viele Mails und Briefe an Freunde und Familie geschrieben und ein Geburtstagspäckchen verschickt.
Karen Schmid, Shell in Rijswijk/Niederlande – MLP Stipendienprogramm Join the best
Samstag, 7. September 2006: Ankunft
„Unsere Stipendiatin ist Karen Schmid.“ Mit diesem Satz, der das Auswahlverfahren in Wiesloch beendete, bekam ich also die Chance einen der größten Energiekonzerne der Welt kennen zu lernen.

Auslandsstipendium Niederlande – MLP Programm Join the best
Weil das Praktikum eigentlich für einen BWLer gedacht war, hatte meine Auswahl – ich bin Mathematikerin- einiges an Planung (auch den ursprünglich geplanten Praktikumsort London) umgeworfen, so dass überhaupt nicht klar war, wohin es jetzt gehen würde. Fest stand nur eins: Ich werde ein Praktikum bei Shell machen, und zwar irgendwo in Europa.
Wenige Wochen vor Abreise erfuhr ich dann, wo ich die nächsten fünfeinhalb Monate verbringen würde: in der Shell-Forschungsabteilung in Rijswijk/Niederlande.
Um hier gleich mal zwei Fragen zu beantworten, die einem wohl spontan beim Namen „Rijswijk“ einfallen: Erstens: Wo ist das denn??? und zweitens: Wie spricht man das aus??? Riechswick, Riejwick, oder wie? Rijswijk (Aussprache: Reisweik, so, dass es sich auf „Nice Bike“ reimt…) liegt wenige Tram-Minuten vom Zentrum Den Haags entfernt, kann also fast als ein Stadtteil davon betrachtet werden, und beherbergt auf einem sehr großen Areal mit vielen Labors, Bibliotheken, einem „Learning-Center“ und Büros eine der wichtigsten Forschungsabteilungen des Global Players Shell.
Weil ich noch nie in den Niederlanden gewesen bin, war ich dann auch entsprechend neugierig, was mich dort erwarten würde. Schon im Vorfeld hatten mich viele Mails der „Shell Student Society“ – das ist die Organisation aller Shell Praktikanten – erreicht, und ich fühlte mich willkommen geheißen. Am Samstag ging’s dann also endlich los, und nach einem kurzen Flug von München nach Amsterdam, bin ich den Rest mit dem Zug gefahren, und wurde am Bahnsteig in Rijswijk von meiner Vermieterin Lilian abgeholt. Im Appartement, das ich mit zwei Mitbewohnern aus Frankreich, England und Lilian selbst teile, hatte sie ein Schild aufgehängt: Karen: welkom, bienvenue, willkommen, welcome. Das fand ich total nett, genauso wie den anschließenden gemeinsamen Tee.

Praktikum Niederlande – MLP Programm Join the best
Den Rest des Wochenendes habe ich dann im berühmten Seebad Scheveningen in der Nähe Den Haags verbracht, das man von Rijswijk aus in 40 Minuten mit dem Bus erreichen kann. Übrigens ist die Aussprache von „Scheveningen“ deutlich schwerer, als die von „Rijswijk“ – so viel schwerer, dass niederländische Widerstandsgruppen im zweiten Weltkrieg diesen Namen als Passwort gebraucht haben, um erkennen zu können, ob man wirklich Niederländer war – oder nur ein deutscher Spion, der eben Niederländisch gelernt hatte.