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Einträge mit Tag: “Auslandspraktikum Afrika”.

30 Wochen, oder noch genauer, 203 Tage durfte ich in diesem faszinierenden Südafrika verbringen. Es ist der 20. November 2007, ziemlich genau 20 Uhr als ich meine letzten Schritte auf afrikanischem Boden mache und kurz darauf das Flugzeug gen Frankfurt betrete. Am Abend zuvor lud ich meinen engsten Freundeskreis zu einem letzten gemeinsamen Abendessen ein. Dort wollte ich es noch nicht wahrhaben. Im Flugzeug sitzend und auf den Take-Off wartend wurde mir dann aber langsam klar, ich verlasse Afrika und kehre zurück in mein altes Leben.
Zurück in Berlin, kann ich dem folgenden Sprichwort nur zustimmen: „Du kannst Afrika verlassen – doch Afrika wird Dich niemals verlassen”. Dieser Aufenthalt hat mich und meine Sichtweise verändert. Mit dem Praktikum bei MAN bin ich überaus zufrieden. Die anspruchs- und verantwortungsvollen Projekte forderten und erweiterten sowohl mein fachliches Wissen als auch meine Sozialkompetenzen. Die freundlichen Kollegen haben mich von Beginn an als einen von ihnen behandelt.
Für all diese unschätzbar wertvollen und einmaligen Erfahrungen möchte ich mich an dieser Stelle bei der MLP AG und der MAN Nutzfahrzeuge AG bedanken. Hierbei geht der Dank ganz besonders an Anja Dornbach (MLP AG), Stefanie Pfaff (MAN Nutzfahrzeuge AG) und Latifa Maredith (MAN Bus & Coach S.A.), die mir stets freundlich und hilfsbereit bei Fragen und Problemen zur Seite standen. Vielen herzlichen Dank!

Aleš Kolar hat sein Auslandspraktikum bei der MAN Nutzfahrzeuge AG in Johannesburg absolviert. Dieses Praktikum für Südafrika hat er über das Stipendienprogramm von der MLP Finanzdienstleistungen AG bekommen. Dafür musste er sich in einem dreistufigen Bewerbungsverfahren bei MLP gegen nahezu 2000 Mitbewerber durchsetzen.

Gleich am Montag habe ich dem zuständigen Vorarbeiter sowie den Schweißern einen Satz der aktualisierten Assembly-Zeichnungen für die Seitenklappen überreicht. Der Stempel „APPROVED BY PRODUCTION“ darf da nicht fehlen. Das persönliche Überreichen und Erklären der neuen Zeichnungen erweist sich als bestes Mittel, um die Änderungen schnellstmöglich umsetzen zu lassen.

Am Dienstag gab es Besuch aus Deutschland. ISO-Prüfer nahmen alle Abteilungen unseres Werks unter die Lupe. Den geprüften Abteilungsleitern war die Nervosität anzumerken. Am Nachmittag, nach überstandenem ISO-Audit, wurde es noch mal hektisch. Die Arbeiter eines ortsansässigen Busherstellers kamen erneut vor unser Werkstor marschiert (s. vorigen Bericht) und verlangten die Teilnahme der MAN Arbeiter an deren Streik. Nur eine lange Verhandlungsrunde zwischen Streikführer und Personal- und Werksleitung konnte Schlimmeres verhindern.

Am Mittwoch wurde mir ein neues Projekt zugeteilt: Cost Reduction. Dieses Projekt wird von mehreren Mitarbeitern bearbeitet. Das Abteilungsübergreifende Ziel ist, die Kosten für die Herstellung eines Busses zu minimieren. Aufgrund meiner bisherigen Tätigkeit, wurde mir die Kostenreduktion der Seitenklappen anvertraut. Als erster Punkt wurde entschieden, eine dünnere Aluminiumplatte mit Rohrrahmenverstärkung zu verwenden. Schon allein die Verminderung des benötigten, teuren Aluminiums ergibt eine beachtliche Kostensenkung.

Freizeitbeschäftigungen Auslandspraktikum in Afrika - MLP Finanzdienstleistungen AG

Freizeitbeschäftigungen Auslandspraktikum in Afrika - MLP Finanzdienstleistungen AG

Da der kommende Montag ein nationaler Feiertag war (Heritage Day), habe ich mit meinen Freunden einen Kurzurlaub nach Mpumalanga gemacht. Dieses Gebiet in Südafrika bietet wunderschöne Landschaften. Zuerst ging es jedoch für den kompletten Samstag in den weltbekannten Krüger Nationalpark. Natürlich konnten wir nur einen Bruchteil dieses riesigen Wildschutzgebietes besichtigen. Wir konnten so einige interessante Tierarten ganz nah erleben: Springböcke, Affen, Elefanten, Büffel, Giraffen, Nilpferde, etc. Nur die Löwen haben sich in der brütenden Hitze gut versteckt. Am Sonntag fuhren wir entlang der Panoramic Route, die einem unfassbar schöne Aussichten bietet. Eine der Stationen wird z.B. „God’s Window“ genannt. Absolut empfehlenswert.

Stipendium für Afrika – MLP AG

Stipendium für Afrika – MLP AG

Während der folgenden Woche beschäftige ich mich weiterhin mit dem Projekt Cost Reduction. Für die neue Variante der Seitenklappe forderte ich Musterteile an. Nur leider hat der Zulieferer die Maße auf meiner zugefaxten Zeichnung komplett ignoriert und mir somit unbrauchbare Teile zugesendet. Ansonsten wäre noch anzumerken, dass ich nun bereits meinen vierten Mietwagen besitze. Da der Corsa zur vorgeschriebenen Inspektion musste, bekam ich diesmal einen Toyota Yaris, welcher mich positiv überraschte. Hätte diesen Wagen gerne von Beginn an gehabt.

Auslandspraktikum in Afrika

Auslandspraktikum in Afrika

Das folgende Wochenende wurde besonders interessant. Eine Gruppe Jugendlicher plant jedes Jahr einen Trip ins Nachbarland Mosambik. Da ich zum diesjährigen Kurzurlaub herzlich eingeladen wurde, hieß es, Visum besorgen und ab ans Meer! Mosambik ist wirklich atemberaubend! Die Strände sind wunder-schön. Ich bin überaus glücklich, auch mal ein anderes Afrikanisches Land kennen gelernt zu haben. Denn Mosambik ist wirklich anders als Südafrika: Sprache, Mentalität, Klima…

Praktikum in Johannesburg – MLP Programm für Auslandspraktikumsplätze

Praktikum in Johannesburg – MLP Programm für Auslandspraktikumsplätze

Afrika ist unglaublich facettenreich.

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Bereits um 5 Uhr bin ich am Montag aufgestanden, um Sebastian und dessen Freundin zum Flughafen zu fahren, wo die beiden ihren Kapstadt-Urlaub antraten. Auf der Fahrt zum Werk habe ich dann nach langer Suche eine Tankstelle gefunden, die noch Benzin übrig hatte. Bereits seit Freitag hatten nämlich die Tanklastwagenfahrer gestreikt, sodass kein Kraftstoff mehr von den Raffinerien zu den Tankstellen kam. Am Dienstag war allerdings alles schon wieder im Reinen und die Leute konnten mit ihren Benzin fressenden Pick-Ups durch die Gegend heizen.

Am Mittwoch saß ich mit den Managern der Konstruktions- und Dokumentationsabteilung, sowie dem Leiter der kompletten Ingenieurabteilung zusammen. Wir hielten eine sog. „Design Review“ für die spezifischen konstruktiven Änderungen eines Großkunden. Dabei wurde quasi der komplette Bus von vorne bis hinten bez. vorhandener Konstruktionszeichnung und Dokumentation betrachtet. Wichtigste Referenz bei diesem Meeting war der Ordner, den ich in den letzten eineinhalb Wochen vorbereitet hatte. Meine Aufgabe nach dem Meeting bestand darin, die fehlenden und noch nicht fertigen Zeichnungen und Stücklisten einzuholen, also den Ordner regelmäßig zu aktualisieren.

Praktikum in Johannesburg – MLP Programm für Auslandspraktikumsplätze

Praktikum in Johannesburg – MLP Programm für Auslandspraktikumsplätze

Sebastian kam am Samstag aus Cape Town zurück und so konnten wir gemeinsam am Sonntag eine Soweto-Tour unternehmen. Soweto ist Teil Johannesburgs und eines der größten Townships in Afrika. Man schätzt, dass etwa zwei bis drei Millionen Menschen in Soweto leben, ausschließlich Schwarzafrikaner, die während des Apartheid-Regimes aus der Innenstadt Jo’burgs zwangsumgesiedelt wurden. Etwa eine Million der Einwohner Sowetos leben in absolut ärmlichen Verhältnissen. Kleine Hütten aus Wellblech zusammen gebastelt und kein Anschluss zum Versorgungsnetz (Wasser, Abwasser, Strom, Gas). Der Aufenthalt in Soweto war ein tief greifendes und erschütterndes Erlebnis. Wir haben u.a. auch Nelson Mandelas ehemaliges Heim besucht. Den Abschluss bildete ein knapp dreistündiger Aufenthalt im wirklich empfehlenswerten Apartheid-Museum, welcher unsere Stimmung allerdings noch weiter gedrückt hat. Wer nach Johannesburg kommt, der muss auch diese unverklärte Seite Südafrikas erlebt haben.

Praktikum in Johannesburg

Praktikum in Johannesburg

Die folgende Arbeitswoche war ich mit mehreren Aufgaben bez. des Design-Ordners (s. zweiten Absatz) beschäftigt. Des Weiteren gab es auch einige konstruktive Änderungen am Chassis zu erledigen. Und die Mitarbeiter der Qualitätssicherung kamen öfter mal vorbei und hatten Probleme bei der Montage zu berichten. Da hieß es Problem suchen und die Ursache finden, welche zumeist bei Unstimmigkeiten zwischen Zeichnung und geliefertem Teil lag. Am Dienstag gab es eine Road Show vom CEO von MAN Truck & Bus. Eine einstündige Präsentation zur momentan Position des Unternehmens, sowie ein Blick in die nahe Zukunft mit den zu erreichenden Zielen.

Auslandspraktikum in Afrika – MLP Programm

Auslandspraktikum in Afrika – MLP Programm

Am Freitag ging es in großer Gruppe zum Bowling. Und am Sonntag sind wir zu dritt einfach ins Auto gestiegen, frei nach dem Motto „Wir haben kein Ziel aber wir fahren los“. Resultat war eine aufregende Runde Offroad-Go-Kart und die Aussicht auf einen ziemlich großen Stausee inmitten dieser trockenen Landschaft.

1. und 2. Woche – MLP Stipendium für Johannesburg

Es war 9 Uhr, Mittwoch, der 2. Mai, als ich die Boeing 747 verließ und mich die Gangway hinunter Richtung Pass- und Zollkontrolle machte. Gerade mal zwei Stunden eher schlecht als recht geschlafen. Lag es an der unbequemen Sitzhaltung oder doch an der gestiegenen Aufregung? Immerhin wird einem während des über 10-stündigen Fluges erst so richtig klar, dass man das Flugzeug auf der anderen Seite der Kugel verlassen wird.

Praktikum in Johannesburg – MLP Programm für Auslandspraktikumsplätze

Praktikum in Johannesburg – MLP Programm für Auslandspraktikumsplätze

Ich wurde bereits erwartet. Vom Flughafen aus fuhren wir direkt zu meinem künftigen Arbeitsplatz bei der MAN Bus & Coach Ltd in Olifantsfontein, einem Industrieviertel im Großraum Johannesburg. Dort wurden mir auch gleich viele meiner künftigen Mitarbeiter vorgestellt, u.a. auch Latifa, meine Ansprechperson in der Personalbetreuung und Sebastian, ein weiterer Praktikant aus München, welcher für vier Monate in der Produktion tätig sein wird. Er wird außerdem mein Zimmernachbar in der Unterkunft sein und wir werden uns gemeinsam den Mietwagen teilen, einen netten kleinen Opel Corsa.

Das Werk ist Produktionsstätte von Reise- und Stadtbussen für viele afrikanische Länder. Etwas über 200 Mitarbeiter sind dort tätig, davon in etwa 30 Ingenieure. Es gibt auch eine Konstruktionsabteilung, in der ich tätig sein werde, quasi als Nachfolger meines JTB-Vorgängers (siehe Erfahrungsbericht 2006 von Philipp Reinisch). Besonderheit eines hier produzierten Busses liegt beim betriebsbedingten Einsatz eines LKW-Fahrwerks. Die Karosserie der Busse muss u.a. auf den in der Front liegenden Motor angepasst werden. Aber auch kundenspezifische Wünsche stellen die Ingenieure der Konstruktions- und Produktionsabteilung immer wieder vor neue Herausforderungen.

Stipendium für Afrika – MLP AG

Stipendium für Afrika – MLP AG

Nach der Arbeit ging es zur Unterkunft, welche mit dem Wagen gerade mal ein paar Minuten entfernt ist. Trotzdem war es eine mühevolle Aufgabe sich auf den Linksverkehr und den gespiegelten Innenraum des Wagens umzustellen; man wird quasi wieder zum Fahranfänger. Die Unterkunft ist ein Bed&Breakfast. Ich habe ein sehr nettes Zimmer mit ausreichend Platz, einen Fernseher, ein eigenes Badezimmer, sowie Frühstück und Abendessen. Das Grundstück wird abgesichert durch ein automatisches Tor sowie elektrischen Sicherheitszaun, was übrigens in Südafrika zur Standardausstattung gehört. Am Donnerstag und Freitag wurde ich von den Mitarbeitern im Werk mitgeführt, um den Ablauf und die anstehenden Aufgaben überblicken zu können. Meine erste Aufgabe war außerdem eine Untersuchung bez. der Innenraumverkleidung. Diese sei laut Kunde aufgrund der eingebrachten Textur kaum zu reinigen. Ein Testobjekt wurde mit verschiedensten Schmutzarten versehen, um dann in mehreren Stufen mit unterschiedlichen Reinigungsmitteln gesäubert zu werden.

Am Wochenende hat uns Latifa nach Sandton gefahren, dem „Beverly Hills“ von Johannesburg. Dort haben wir uns den Nelson Mandela Square angesehen, welcher definitiv noch mehrere Besichtigungen Wert ist. Außerdem hat sie uns ihrer Familie und Freunden vorgestellt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde mir klar, dass die Menschen hier überaus freundlich und zuvorkommend sind. Am Sonntag ging es dann mit Sebastian zu einem Naturreservat ganz in der Nähe der Unterkunft. Dort haben wir u.a. Nashörner, Zebras und Strauße bewundern dürfen.

In der zweiten Arbeitswoche war ich mit der Durchführung der Untersuchung „Reinigung der Innenraumverkleidung“, sowie der Ausarbeitung der zugehörigen Präsentation beschäftigt. Eine künftige Aufgabe, die Modifikation der Seitenklappen des Busses, wurde mir vorgestellt und ich sollte mir schon mal die Konstruktionszeichnungen der laufenden Serie ausdrucken und näher anschauen.

Am Samstag ging es dann zum alljährlichen „German Bierfest“ bei der Deutschen Schule Johannesburg. Ein großes Fest u.a. auch mit einer deutschen Blaskapelle. Eine gewisse Ähnlichkeit zum Münchner Oktoberfest war nicht zu übersehen.

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