Nach ausgedehnten Abschiedsfeiern, die mir kaum Zeit zum Packen ließen, flog ich nun um 14:00 MEZ Richtung Shanghai ab. Glücklicherweise hatte ich einen Direktflug; im Flugzeug zu schlafen gelang mir leider trotz immensen Schlafmangels nicht. So kam ich relativ müde um 7:00 Uhr Beijing-Zeit in Shanghai an. Da dies mein erster Asien-Aufenthalt ist, wusste ich nicht recht, was mich erwartet.

Die Eckdaten klingen recht eindrucksvoll: 18,4 Millionen Einwohner im Verwaltungsgebiet und innerhalb von 25 Jahren ca. Zehntausend neu gebaute Hochhäuser lassen erahnen, dass diese Stadt sicher ein klein wenig größer ist als meine Universitätsstadt Darmstadt. Ein Fahrer unserer Firma holte mich am Flughafen ab. Wohin es nun gehen sollte, war mir unklar, da der Fahrer leider abgesehen von „ByeBye“ und „Hello“ kein Englisch sprach. Sein Englisch war somit aber immer noch besser als mein Chinesisch. So fuhren wir zwei nun gemeinsam durch Shanghai und kommunizierten per Nicken, Kopfschütteln und Handzeichen. Zu diesem Zeitpunkt nahm ich mir vor, mir so schnell wie möglich zumindest grundlegende Chinesisch-Kenntnisse anzueignen.

Praktikumsbericht Shanghai - Join the best Stipendienprogramm eine Initiative von MLP

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Meine Müdigkeit verflog recht schnell, da sich die Umgebung, die ich hier zu sehen bekam, deutlich von sämtlichen westeuropäischen Städten unterschied, die ich bisher kennen gelernt habe. Die abenteuerlichen Fahrzeuge, die hier auf Shanghais Straßen unterwegs sind, brachten mich bisweilen zum Schmunzeln. Vor allem Lastkraftwagen sind hier interessant anzuschauen. Abgesehen von ihrer absolut miesen Verkehrssicherheit durch Rost, schlechte Bremsen oder mit Beton ausgegossenen Reifen, erstaunt die Ladung dieser Gefährte an sich, und vor allem ihre Sicherung, mich auch nach 3 Monaten noch.

Nachdem der Fahrer in einen Compound einbog, war nun auch mir klar, dass wir zunächst zu meiner Behausung für die nächsten 5 Monate fuhren. Dort wurde ich von einer chinesischen Mitarbeiterin von HGES freundlich auf Deutsch begrüßt und sie brachte mich zunächst in die neue Wohnung. Die Wohnung wurde von Heidelberger Druckmaschinen für mich gemietet, sodass ich mich im Vorfeld nicht auf Wohnungssuche in Shanghai begeben musste.

Nachdem ich mein Gepäck hier abgeladen hatte, fuhren wir gemeinsam in die Firma, welche ungefähr 40 Minuten Fahrt von der Wohnung entfernt ist. Dort angekommen wurde ich zunächst von Klaus Volkwein, Meister der PM52 Montage in Qingpu, freundlich begrüßt und er unternahm eine kleine Werksbesichtigung mit mir. Nachdem ich ihn mit Fragen torpediert hatte und meinen Arbeitsplatz im Büro bekommen hatte, stellte er mich den Mitarbeitern und meinem Vorgesetzten für die nächste Zeit vor. Das Betriebsklima hier fand ich gleich von Beginn an sehr positiv. Nach nun knapp 40 Stunden ohne Schlaf fuhren wir dann mit dem Shuttle zurück zu unserem Compound. Nach einer schnellen Dusche gingen wir anschließend alle gemeinsam Essen und mir wurde schnell klar, dass während meines 5-monatigen Aufenthalts sicher keine Langeweile aufkommen würde. Ich bekam zunächst bei sehr gutem Essen und Tsingtao Bier eine Einführung in Taxi-Kommunikation, sowie Preisverhandlungen auf Märkten.

Die Woche verging wie im Flug. Die Freizeit verbrachte ich hauptsächlich mit Kollegen beim Essen oder Einkaufen. Die Auswahl an ungewöhnlichem Essen, selbst im französischen Carrefour, ist durchaus eindrucksvoll. Von Schildkröten über Seeschlangen bis hin zu Entenköpfen gibt es auch hier alles, was das chinesische Herz begehrt. Nachdem ich samstags mit Denis Kuhn, ebenfalls ein MLP-Stipendiat in Shanghai, telefoniert hatte, trafen wir uns bei ihm Zuhause um anschließend auszugehen. Das Nachtleben in Shanghai sucht seinesgleichen. Sämtliche musikalischen Vorlieben werden bedient und man lernt sehr häufig neue Leute aus der ganzen Welt kennen.

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Beim Tennisspielen sonntags lernte ich dann direkt die Kehrseite des Shanghai-Wetters kennen. Der körperliche Anspruch bei 35 Grad Temperatur und über 80% Luftfeuchte ist relativ hoch. Während meines ersten Monats in Shanghai ( Juni ) war hier Regenzeit und einige Schauer waren mit keinem Regen, den ich in Deutschland erlebt hatte, zu vergleichen. Das zeigte sich auch auf den Straßen, die zum Teil bis zu 40 cm unter Wasser standen. Nachteilig an der Regenzeit ist auch, dass man während dieser Zeit die Sonne fast überhaupt nicht zu Gesicht bekommt, denn über der Stadt liegt eine Glocke aus Smog, die sich partout nicht wegbewegt. Nach der Pflaumenregenzeit änderte sich das glücklicherweise wieder.

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Ich lernte die Stadt Shanghai nun von allen Seiten kennen: Das beginnt am Bund, wo man die eindrucksvolle Skyline Shanghais bestaunen kann und endet im Armenviertel nahe des Yu Yuan Gardens, wo man einen Eindruck davon bekommt, wie ein Großteil der Chinesen lebt und man wieder realisiert, dass man sich in einem Schwellenland befindet. Die sozialen Unterschiede könnten kaum extremer sein. Bei nächtlichen Streifzügen sieht man in meinem Viertel zum Teil Frauen mit Kindern auf dem Gehweg schlafen, während teure deutsche Autos vorbeifahren. Während man die haarsträubenden Konstruktionen der Behausungen im Armenviertel direkt vor sich hat und sich fragt, ob diese Häuser den nächsten Taifun überstehen, reiht sich im Hintergrund Hochhaus an Hochhaus.