Auslandspraktikum in Washington – MLP Programm für Auslandspraktika
Am Tag nach meiner Ankunft in Washington wollte ich endlich meinen neuen Arbeitsplatz erkunden und meine künftigen Kollegen kennen lernen. Der NIH-Campus ließ sich gut mit dem Bus erreichen und so stand ich vor einem beeindruckend hohen Metallzaun, der mit einigen Checkpoints durchsetzt war. An diesen wurden einfahrende Fahrzeuge und Besucher kontrolliert und man hatte den Eindruck als führe der Weg in den Campus hinein in ein Hochsicherheitsgefängnis. So wies auch mich die „NIH-Police“ dazu an meine Tasche im Röntgengerät durchleuchten zu lassen und nachdem der Metalldetektor mit einem leisen Surren meine Gürtelschnalle kritisierte, bekam ich einen Besucherausweis und ich machte mich auf die Suche nach dem richtigen Laborgebäude. Der Campus beherbergt eine Unzahl an Laboratorien, Tagungssälen, Verwaltungsgebäuden und Versuchstierställen, in das Hauptgebäude 10 ist außerdem Krankenhaus integriert.

Auslandspraktikum USA – MLP Stipendienprogramm
Endlich im richtigen Labor angekommen, lernte ich meinen künftigen Betreuer Markus kennen. Markus ist promovierter Biochemiker, hatte in Deutschland, England und Schweden studiert und absolvierte gerade seinen Postdoc in der Arbeitsgruppe von Dr. Jennifer Lippincott-Schwartz (http://lippincottschwartzlab.nichd.nih.gov/). Jennifer ist auch in Deutschland für ihre zellbiologische Forschung sehr bekannt und ist Mitautorin eines bei deutschen Studenten geschätzten Lehrbuches über Zellbiologie. Die Arbeitsgruppe von Jennifer setzte sich aus 20 Forschern zusammen, welche aus den USA, Kanada, Indien, Japan, Israel, Frankreich und Deutschland stammten.

Praktikum in Washington – MLP Programm für Auslandspraktikumsplätze
Die Wissenschaftler am NIH, welches rund 18.000 Mitarbeiter beschäftigt und über ein jährliches Budget von ca. 29 Mrd. US-$ verfügt, arbeiten in den unterschiedlichsten biomedizinischen Fachrichtungen. Viele der Forscher sind keine US-Bürger sondern stammen aus allen Teilen der Welt. Im Übrigen arbeiten die Forscher nicht nur in Laboratorien z. B. an Zellen oder an Versuchstieren, das NIH beherbergt auch ein Krankenhaus in dem Ärzte seltene Krankheiten direkt am Patienten erforschen können. Da ich kein Arzt bin und daher auch keinen Kontakt mit den Patienten hatte, war es aber trotz dessen eine große Motivation für mich, dass ich durch mein Engagement einen kleinen Beitrag für das National Institutes of Health und dessen Dienst am Menschen leisten konnte.

Stipendium für ein Praktikum in den USA – MLP AG
Markus und ich arbeiten an den Zellorganellen welche den so genannten sekretorischen Weg formen, dazu gehört z. B. das endoplasmatische Retikulum und der Golgi-Apparat, den man aus dem Biologie-Unterricht noch kennen dürfte. Dieser Biosyntheseweg, den bestimmte Biomoleküle in ihrer Entstehung einschlagen, ist bei manchen Krankheiten gestört und trotz jahrzehntelanger Forschung im Gebiet der Zellbiologie bedarf es noch einiger Anstrengung die grundlegenden Mechanismen in der gesunden und erkrankten Zelle zu beschreiben und zu verstehen. Meine Arbeit erstreckte sich auf das molekularbiologische Arbeiten mit Zellen und Bakterien, dem Entwickeln von Experimenten unter der Verwendung von fluoreszenzmarkierten Biomolekülen und der biophysikalischen Auswertung dieser Versuche. Der Spaß und die steile Lernkurve während der Arbeit sorgten dafür, dass ich oft erst mit dem letzten Bus vom Labor nach Hause fuhr. Besonders Jennifer verstand es durch ihren gezielten Einsatzes von „that would be great / amazing / awesome“ ihre Mitarbeiter zu motivieren, so dass meist noch bis spät in die Nacht reger Betrieb herrschte. Wie das DKFZ bot auch das NIH seinen Mitarbeitern ein vielfältiges Angebot an Vorträgen und Seminaren mit erstklassigen Rednern, wie z. B. dem Nobelpreisträger Prof. Dr. Roger D. Kornberg (Nobelpreis für Chemie im Jahre 2006).