Domino Day, show time und 1 Million $: Die Wochen sieben und acht

Die letzten Wochen hatten ein vielseitiges Programm zu bieten: Sogar in der Mittagszeit hatte ich oft Termine – deshalb tat das ruhigere Programm für diese Wochen ganz gut: Die ersten Strömungsberechnungen waren fertig, so dass ich begonnen habe, Test-Szenarien für eine Erweiterung der bisher verwendeten Software zu entwerfen. Man muss eben wissen, was mathematisch und physikalisch bei diesen aufwändigen Rechnungen und Näherungen schief gehen kann. Und eben um das herauszufinden, habe ich mich in die Theorie dieser neuen Methode (Mehr-Phasen Flüssigkeiten und numerische Simulationen in diesem Bereich) eingelesen – schließlich werden wir das neue Verfahren auf Herz und Nieren prüfen!

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Denn wie bereits weiter oben beschrieben: die Mathematik hinter Strömungsberechnungen ist sehr kompliziert. So kompliziert, dass das Clay Mathematics Institute im Jahre 2000 eine Prämie von einer Million Dollar ausgesetzt hat für jeden, der einen signifikanten Fortschritt in diesem Gebiet erzielt. Ja, mal sehen, mein Praktikum dauert ja noch eine Weile …

Neben diesem nächsten Schritt in meinem Projekt standen zusätzlich verschiedene Meetings und wieder ein „lunch and learn“-Vortrag auf dem Programm, dieses Mal über spezielle, horizontale Bohrlöcher (ja, so was gibt’s!). Außerdem haben wir seit Anfang der Woche eine neue „Kollegin“: Eine Feldmaus hat sich zu uns ins Büro verirrt, was manch einen meiner Kollegen (ich bin die einzige Frau im Team) zu der besorgten Frage veranlasste, ob mich das sehr stören würde, und ob ich vielleicht sogar Angst vor Mäusen habe. Jan Jette meinte nur mit einem Augenzwinkern, „perhaps we should call the technical service and tell them, that we have a wireless mouse disappearing in the wall…”

Das nächste Wochenende hatte ich mir dann vorgenommen, einfach für ein paar Stunden in einer schönen Buchhandlung und den vielen, vielen anderen Geschäften zu verbringen, die Den Haag zu bieten hat. Schließlich kauft auch die Königin hier ein, so dass sich in Den Haag bestimmt etwas finden lässt, was einem gefällt (wenn man es sich dann auch vielleicht nicht unbedingt leisten kann …). Am Freitagabend fand dann noch der diesjährige Domino Day statt, und Lilian machte dafür bei mir und meinen Mitbewohnern bereits im Vorfeld begeistert Werbung. Und wirklich: In Deutschland hätte ich mir das denke ich nicht angesehen, aber spätestens als Lilian bei dem Song „YMCA“ nicht mehr auf dem Sofa zu halten war, hatte sich das doch gelohnt! Für die letzte „Herausforderung“, die die Domino-Day Teilnehmer zu bewältigen hatten, wurden dann sogar eine Deutsche und ein Holländer ausgelost. Wie passend, dachte ich mir…

Eine Woche später hieß es dann am Sonntag: „Show time!“. Das „Bataafs Symfonie Orkest“ hatte seinen Auftritt, und mit ihm auch Marceline, Jan-Jette und ich.

Die beiden hatten nicht nur während der Generalprobe wieder an mich gedacht, und ihre Sandwichs mit mir geteilt, sondern mich wie auch schon in den letzten Wochen vor den Proben wieder zu sich nach Hause zum Essen eingeladen, wo ich dann auch einem Einblick ins niederländische Familienleben bekam: „Sinterklaas“ steht vor der Tür, und so fiebern auch die Kinder von Jan-Jette und Marceline dem für Kinder wohl wichtigsten Tag des Jahres entgegen. Allerdings mit dem Unterschied, dass sie darauf nicht mehr so lange warten müssen. Denn „Bescherung“ ist in den Niederlanden schon am Abend des 5. Dezembers.