Von Schaumstoff, Star-Trek und toten Monarchen: Fünfte und sechste Woche
Nach den Vorbereitungen der technischen Konstruktion für die Fluid-Dynamik-Rechnungen in den letzten Wochen, habe ich jetzt mit den Berechnungen selbst angefangen. Natürlich ist die Physik und Mathematik, die hinter Strömungsberechnungen liegt, hoch komplex (denkt mal nur daran, wie viele verschiedene und komplizierte „Wirbelmuster“ in einer Teetasse oder in der Badewanne erzeugt werden können), weshalb es immer nur möglich ist, die „Formeln“, die man hier hat, bis auf einen kleinen, vernachlässigbaren Fehler zu lösen. Dazu gibt es Software-Pakete, die mit vielen ausgefeilten mathematischen Algorithmen genau dies tun.
Aha, man muss also nur den richtigen Knopf drücken, und dann passiert alles automatisch??? Nein!! Natürlich ist das Leben (auch hier) nicht so einfach. Denn wer genau sagt, wie gut die Näherung ist? Schließlich hat man nicht die „richtige“ Lösung um vergleichen zu können.

Praktikum Niederlande – MLP Programm Join the best
Hier kommt jetzt eben viel mathematisches und physikalisches Wissen (und damit ich) ins Spiel! Neben dieser Herausforderung, gab es aber auch wieder viel anderes zu entdecken: In der fünften Woche bin ich für einen Tag zusammen mit anderen jungen Shellmitarbeitern aus den verschiedensten holländischen Niederlassungen in die „onshore“ Pernis Raffinerie bei Rotterdam gefahren. Die Pernis Raffinerie ist die größte Europas und eine der größten der Welt. Überall Leitungen, Kontrollkästen, große Schiffscontainer, die auf die Verladung im nahe gelegenen Hafen warten und vor allem: Rohre. Überall. Große, kleine, lange, kurze, schwarze, weiße, gebogene und gerade. So viele Rohre, dass man –würde man alle aneinander stöpseln- damit zweieinhalb mal die Erde umrunden könnte und bestimmt mehr Rohre, als ich in meinem ganzen Leben bisher gesehen habe! So jetzt aber: Preisfrage: Was wird hier eigentlich produziert? Natürlich fallen sofort Diesel und Benzin ein. Aber ein Hauptprodukt ist auch etwas, das aussieht wie weißer, flüssiger Yoghurt: Die „Grundsubstanz“ für Schaumstoff, die dann in Pipelines zu den Endproduzenten weitergeleitet wird!
Seit ich an diesem Tag in Rotterdam gesehen habe, was für eine technische Mammutleistung hinter so etwas Banalem wie Schaumstoff steckt, behandle ich meinen gepolsterten Schreibtischstuhl mit mehr Respekt.

Praktikum Niederlande – Join the best eine Initiative von MLP
Nach diesem echt spannenden Tag stand dann am Abend noch eine Orchesterprobe auf dem Programm. Dieses Mal war sogar mein Praktikumsbetreuer Jan-Jette dabei, der sich entschieden hatte, für das bevorstehende Konzert unsere etwas magere Geigenbesetzung zu verstärken.
Nach einem Mittagessen am Montag mit dem Manager der Forschungsabteilung und anderen jungen Shell-Mitarbeitern, einem Kurs über internationale Export-Bestimmungen (O-Ton des Kursleiters: “For this course you have to bear in mind that export control regulations have to do with power and politics – not with logic and common sense…“) folgte das Highlight dieser Woche: Eine Einführung in die so genannte 3D „I-Zone“ der Geologen. Noch in den 70ern wurden seismische Daten auf riesige Papierbögen ausgedruckt und anschließend mit Buntstiften (!!) bearbeitet. Das änderte sich erst mit der Einführung der Personal-Computer und gipfelte im Einsatz modernster Bildbearbeitungssoftware: Es wurde eine Art Raum entwickelt, der komplett von Leinwänden eingeschlossen ist (sogar der Fußboden!): Jede Bewegung, die man macht, wird vom Computer gemessen, und entsprechend ins Bild „eingerechnet“- also fast so wie auf dem „Holodeck“ bei Star-Trek…. Dieses Konzept wurde zum Spaß mal für eine Achterbahnfahrt ausprobiert: Der Wagen stand in diesem „Leinwandraum“ und alles andere wurde berechnet. Dabei soll es Leute gegeben habe, denen es von dieser Achterbahn“fahrt“ tatsächlich schlecht wurde! Was ich in dieser „I-Zone“ dann zu sehen bekam, war eine abgespeckte Version davon: Eine Art IMAX 3D Kino, das verwendet wird, um die komplexen und vielschichtigen, dreidimensionalen, seismischen Daten der Geologen in passender Form darstellen zu können. Mit der 3D Brille auf der Nase steht man jetzt also inmitten eines ganzen Gebirges, um sich Felsformationen, den Verlauf von Bohrlöchern und verschiedene Bodenschichten genauer anzusehen. Wirklich beeindruckend!
Die Wochenenden waren wieder den verschiedensten Dingen gewidmet: Eine Geburtstagsparty (ein Freund Priscilias hatte Geburtstag), Kinobesuche mit verschiedenen Leuten, eine Einladung Lilians in die ihrer Meinung nach beste Eisdiele Den Haags und zusammen mit Priscilia und anderen Erasmus-Studenten ein Ausflug nach Delft: Eine der angeblich schönsten Städte der Niederlande überhaupt, mit vielen schmalen Häuschen, verwinkelten Gassen und (natürlich) Grachten und: der Kirche, in der alle Mitglieder des niederländischen Königshauses bestattet werden (natürlich nur die verstorbenen). Schade nur, dass es nicht Sommer ist: die vielen netten kleinen Cafes an den Kanälen sind dann bestimmt noch schöner! In Delft habe ich auch zum ersten Mal so eine Art gefüllte Minipfannkuchen mit ganz viel Sahne probiert – eine holländische Spezialität. Lecker!!! Und weil zu Hause die Welt auch nicht still steht, habe ich an diesen Wochenenden auch viele Mails und Briefe an Freunde und Familie geschrieben und ein Geburtstagspäckchen verschickt.