Auslandspraktikum in Shanghai – Der dritte Monat (20. September 2005 – 19. Oktober 2005)
Join the best Programm – Eine Stipendieninitiative für Auslandspraktika von MLP
Der letzte Monat meines Bertelmanns Praktikums hier in Shanghai scheint sogar noch schneller zu vergehen, als die ersten beiden. Nachdem die Buchmesse und das “Bertelsmann IQ Game” nun vorbei sind, warten neue Projekte auf. So arbeite ich zum Beispiel mit ein paar Kollegen an der Erstellung eines Businessplans für ein Projekt von SonyBMG. Weiterhin binden mich auch meine Kollegen von Bertelsmann Asia Publishing mit in ihre Projekte ein. So geht es darum den Markt an Verlegern und Büchern für Ausländer die Chinesisch lernen zu untersuchen, um eventuell später auch in diesen Markt einzusteigen. Dies ist auch für mich persönlich sehr interessant, habe ich doch während meines Studiums selbst erfahren welche Lücken es in diesem Markt noch zu füllen gibt. Diese Kontakte, die sich aus der Recherche ergeben, werden dann auf der Buchmesse in Frankfurt Ende Oktober intensiviert. Leider kann ich nicht dabei sein, da mein Praktikum am 19. Oktober zu Ende gehen wird.

Auslandspraktikum in Shanghai
Dieses Praktikum ist sehr lehrreich für mich. Dank der intensiven Betreuung und des Vertrauens das mir bei der Erledigung von Aufgaben gegeben wird, kann ich nicht nur Gelerntes anwenden, sondern lerne auch viel Neues dazu. Und wer weiß, vielleicht komme ich ja nach meiner Diplomarbeit, die noch zu schreiben ist, wieder zu Bertelsmann nach Shanghai zurück, wünschen würde ich es mir ja! Nun muss ich gestehen, dass ich bisher nicht umhergereist bin, wie es wahrscheinlich all meine Mitstipendianten auf der ganzen Welt bereits tun, aber ich kann zu meiner Entschuldigung sagen, dass ich ja bereits in meinem Auslandsjahr in China viel Orte bereist habe. Außerdem plane ich nach Beendigung meines Praktikums noch ein wenig das Land zu bereisen. So habe ich selbst den Nationalfeiertag am 1.Oktober und die anschließende freie Woche hier in Shanghai verbracht. Da jedoch zu dieser Zeit auch Millionen Chinesen Urlaub haben und sich auf Reisen machen, würde man wohl nirgends in China seine Ruhe finden. Aber auch in Shanghai sind die Strassen merkbar gefüllter, was bei dem sonst schon gewaltigen Strom von Menschen sehr beeindruckend ist. So gestaltet es sich schwierig einen Platz im Restaurant zu finden, geschweige denn ein Taxi. Ich habe es tatsächlich gewagt, am 1. Oktober am Bund entlang zu spazieren, einem der touristischen Highlights Shanghais mit dem endlos oft fotografiertem Motiv der Skyline von Pudong, inklusive Pearl Tower und dem derzeit höchsten Gebäude Shanghais, dem Jinmao Tower. Doch muss ich an dem Tag oftmals selbst als Fotomotiv herhalten, ungefragt und heimlich oder bewusst werden zahlreiche Aufnahmen meiner westlichen Gestalt geschossen. Manchmal frage ich mich, in wessen Fotoalben oder gar Bilderrahmen sich mein Bild wieder findet. Die sommerlichen Temperaturen, die bis in den Oktober hinein anhalten, laden des Nachts oft zu einem dekadenten Lebensstil ein. So gibt es zahlreiche Bars in Shanghai die mit Openair Terrassen und unvergleichbaren Aussichten locken. Wo sonst kann man seinen Cocktail schlürfen und hat dabei das Lichtermeer des People’s Square vor Augen oder die erwürdig angestrahlten Gebäude des Bund? Welch Kontrast bilden solche Abende zu all den kleinen Garküchen und Familienrestaurants in denen man vom Ambiente her vielleicht Abstriche machen muss (Neonlicht und Plastikhocker), jedoch bereits für circa 2 Euro sich zufrieden den vollen Bauch streicheln kann. Es sind solche und viele andere Gegensätze die für mich die Faszination Shanghais ausmachen. Die Altstadt mit den einst für Shanghai typischen Holzhäusern und im Hintergrund verspiegelte Glaspaläste die sich jenseits der 30 Stockwerke hoch in den Himmel recken; ruhige, friedliche Teehäuser, in denen die Stunden mit Tee und Sonnenblumenkernen entspannt vergehen und Menschenschlangen in westlichen Restaurants wie Pizza Hut oder KFC. Der Herzschlag dieser Stadt scheint schneller zu schlagen. Fast täglich verschwinden ganz Häuserzeilen, und werden neue Wolkenkratzer in die Höhe gezogen. Es ist aufregend und für mich der Ort, wo ich meine Zukunft sehe. Noch hat man die Chance auf den Zug aufzuspringen und sein eigenes Abteil aufzubauen. Ich bin sehr sehr dankbar für die Chance die dieses Praktikum geboten hat! Wir sehen uns in Shanghai!
